So testet Motorrad Schleuder-Trauma

Statt um Murmeltiere und Kuhfladen schlugen die Tester zunächst Haken um Pylonen: Vor der Tour in den Alpen durchliefen alle 20 Maschinen ein umfangreiches Testprogramm auf dem MOTORRAD-Testgelände.

Co-Pilot Rainer Froberg ist echt groggy. Nur mühsam kann er sich am Ende eines langen Testtags am Chefpiloten Karsten Schwers festklammern. Der hat seit den frühen Morgenstunden unermüdlich sämtliche Maschinen mit und ohne Sozius durch den Slalom des MOTORRAD-Testparcours sowie die Kreisbahn gescheucht, um Fahrwerk und Motor zunächst quasi unter sterilen Bedingungen unter die Lupe zu nehmen. Vor allem ­die Durchgänge zu zweit geben gute Aufschlüsse über die Belastbarkeit der Fahrwerke unter Beladung.
Die handlichen Sportmaschinen schaffen im Slalom die höchsten Geschwindigkeiten. Bei der Zeit kann aber auch die Bandit 1250 gut mithalten, die mit ihrem durchzugsstarken Triebwerk in den Be­schleu­nigungsphasen mächtig aufholt. An Power mangelt es dagegen bei Xcountry und FZ6 Fazer S2, die sich am anderen Ende der Skala wiederfinden.
In der Kreisbahn zählt neben griffigen Reifen die Schräglagenfreiheit, die bei ­weicher Federung durch den gewichtigen Sozius reduziert wird. Auch hier fahren ­die Sportmaschinen dem Rest davon. Wobei die beiden BMW Xcountry und R 1200 R bezüglich Kurvengeschwindigkeit tapfer mit­halten, R 1200 R und Bandit ebenso bei der Zeit, während FZ6 und Z 1000 ihre Ständer am Boden abraspeln.
Das Messprogramm fand in den Alpen statt. So wurde der Verbrauch auf einem rund 90 Kilometer langen Abschnitt der Test­runde über die beiden Pässe Col du ­Croix der Fer und Col du Mollard ermittelt. Und zwar bei gemäßigtem Tempo. Wer sportlich durch die Landschaft fräst oder schwer beladen durchs Gebirge tourt, ­sollte weniger Reichweite einkalkulieren. Auf jeden Fall ist die Spanne enorm, die Benelli verbrennt fast doppelt so viel wie die G 650 Xcountry. Mit ihrem kleinen Tank muss die BMW trotzdem früh an die Zapfsäule. Die längsten Etappen schafft überraschenderweise die CBR 600 RR.
An die Motoren stellen die Berge beson­dere Anforderungen, denen die spe­ziellen Messungen an Steigungen und in 2000 Meter Höhe Rechnung tragen. Steile Pässe, enge Kehren, dünne Luft: Hier ist weniger Spitzenleistung als Drehmoment gefragt. Kurze Übersetzungen helfen enorm, lang übersetzte Sportler haben – mit Ausnahme der Duc – Probleme. So nützen ­der R1 176 PS Spitzenleistung wenig, wenn sie im zweiten Gang aus der Kehre beschleunigen muss. Freilich kann man den Ersten nehmen, muss dann aber auf Passstrecken reichlich im Getriebe rüh­ren. Den Spurt im Zweiten erledigt sogar die vergleichsweise schwache, doch kurz über­setzte Xcountry besser. Hubraum zahlt sich letztlich immer aus, wie die Big Bikes zeigen. Da geht es richtig voran.

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