Spät-Entwickler

Etwas überraschend war das Fazit des Fahrberichts eines Vorserienmodells der KTM 690 Supermoto Prestige (MOTORRAD 6/2007). Zwar gefiel das steife Chassis mit hoher Stabilität und tollem Handling, auch drückte der neue LC4-Motor ordentlich Leistung, doch lief er im unteren Drehzahlbereich wenig kultiviert, begleitet von undefinierbaren mechanischen Geräuschen aus dem Inneren.

Quasi in letzter Minute hat KTM noch eine Menge kleiner Änderungen an der Abstimmung wie auch an der Hardware des neuen Einzylinders vorgenommen. Bei der Präsen-tation der Serienversion fiel bereits auf den ersten Metern auf, dass der Motor mechanisch ruhiger, geschmeidiger läuft. Das seltsame Gerassel der Vorserienmaschine im Teillastbereich ist nun völlig verschwunden, die Abstimmung im unteren Drehzahlbereich erheblich besser gelungen. Der Einzylinder schlägt bei niedrigen Drehzahlen unter 3000 Umdrehungen kaum noch, so dass man
auch mal niedertourig ohne peitschende Kette durch die Stadt zuckeln kann. Reißt man das Gas dann auf, geht das Serienexemplar
selbst aus dem Drehzahlkeller sanft, aber sehr konsequent zur Sache.
Frappierend ist nach wie vor die Handlichkeit und das phänomenale Lenkverhalten des rund 160 Kilogramm wiegenden Kurvenbrenners. Eigenschaften, die keineswegs durch Nervosität bei hohen Geschwindigkeiten erkauft werden. Selbst bei Tacho 180 bleibt die 690er stabil auf Kurs.

Das Fahrwerk der Basisversion unterscheidet sich in einigen Punkten vom Luxusmodell Prestige. Hinten arbeitet ein nur in der Zugstufe einstellbares Emulsionsfederbein. In der Gabel ist die Druckstufendämpfung ebenfalls nicht variierbar. Statt über hübsche Radialpumpen werden Kupplung und Bremse von einfachen Hydraulikarmaturen betätigt. In der vorderen Bremszange stecken statt vier einzelnen nur zwei Beläge. Und schließlich sind auf die Speichenräder der Basisversion Bridgestone BT 090 aufgezogen, während die Prestige auf Metzeler Sportec M3 rollt.
Was sich nach dramatischen Unterschieden anhört, wirkt sich in der Praxis weit weniger gravierend aus. Die Fahrwerksabstimmung der Basis-690er ist etwas softer, passt aber sogar beim engagierten Kurvenwetzen gut. Die Bremse arbeitet genauso kraftvoll, es fehlt allenfalls ein Hauch an Feedback. Und die Bridgestones präsentieren sich ordentlich, wenngleich die Metzeler-Pneus für mehr Vertrauen und präzisere Lenkeigenschaften sorgen. 8400 Euro kostet die Grundversion, 300 weniger als die limitierte Prestige. Auf jeden Fall auch kein schlechter Deal.

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