Standpunkt

Aprilia hat sich sein tadelloses Image zu recht verdient, findet Axel Westphal, MOTORRAD-Redakteur

Die Rotax-Testfahrer kann ich gut verstehen. Die sich damals - so um 1997 – lieber auf die Aprilia-Mille-Prototypen setzten als auf die Ducati, die ebenfalls im Testfuhrpark des österreichischen Motorenbauers liefen. Ich nehme an, die Jungs taten das nicht nur aus lauter Loyalität zu ihrem Brötchengeber. Bis zu diesem Zeitpunkt galt die 916 als das italienische Supersportmotorrad schlechthin. Ich war immer Ducati-Fan - seit meinem 20. Lebensjahr. Allenfalls kam mir mal die eine oder andere Honda in die Garage. Später ließ mich die Yamaha R1 kurzzeitig an meiner tiefen Ducati-Zuneigung zweifeln. So blieb es bis vor kurzem. Und nun der Test der RSV mille, Jahrgang 2001. Jetzt habe ich die Brille gewechselt. Weil mich selten etwas so überzeugt hat wie das, was Aprilia fertiggebracht hat. War die erste RSV Mille der 996 schon ziemlich nahe gekommen, heißt für mich hier und heute der Maßstab Aprilia. Das aggressive Styling der RSV, der bullige Vau Zwo und das präzise funktionierende Fahrwerk allein hätten nicht gereicht, um mich von Ducati abzubringen. Vielmehr die Art und Weise, wie die Ingenieure aus Noale der neuen Mille eine Vielzahl kleiner und kleinster Verbesserungen haben angedeihen lassen. Weil sie Augen und Ohren offen halten, gern Anregungen annehmen. Beispiel: Letzten Herbst stellte Aprilia Claudio Corsetti von der Zeitschrift Moto Sprint drei neue Mille R zur Verfügung und schaute in Imola vorbei, um sich nach ersten Fahreindrücken zu erkundigen. Oder Klaus Nennewitz, der Falco-Entwickler. Der war sich nicht zu schade, Testredakteur Jörg Schüller nach dessen Erfahrungen mit der Falco auszufragen. Die Kritik wird beherzigt. Und dann das: Die Mille geht nicht kaputt. Und ist nicht zu teuer. Da schäme ich mich meiner neuen Brille nicht.

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