Supersport-Klasse Super Sport

Und wieder die Frage nach den Zylindern. Drei gegen vier oder Triumph Daytona 675 gegen den Rest der Welt. Der heißt auch dieses Mal Yamaha YZF-R6.

Zugegeben: So unterschiedlich wie in der großen Klasse präsentieren sich die konzeptionellen Eigenheiten in der Supersportriege nicht. Eine Daytona fährt nicht grundsätzlich anders oder leistet deutlich mehr oder weniger als die japanische Vierzylinder-Armada.

Auf die Frage nach den Favoriten gab es vor dem Start dennoch nur zwei Antworten: Triumph oder Yamaha. Die dominierenden Bikes der letzten beiden Jahre, wobei die Daytona der R6 in der Vergangenheit das entscheidende Quäntchen voraus hatte.

Zunächst einmal zeigt jedoch Jürgen, wo und wie man mit der deutlich geringeren Power der 600er Zeit holt, und fährt rund zwei Sekunden schneller als Oriol. Steigert sich von mittleren 38er-Zeiten (auf der CBR 600 RR) auf tiefe (ZX-6R), um dann mit der Daytona die 37er-Schallmauer zu durchbrechen. Die Triumph-Delegation frohlockt. Und weiß dennoch, dass der Drops noch nicht gelutscht ist. Es wartet die R6.

Die 37er-Schwelle fällt schon in Runde zwei. Ebenfalls eine hohe 1.37,9, es wird ganz eng. Auch die nächste Runde auf demselben Niveau. Per Hand gestoppt lässt sich so nichts sagen, alle warten das offizielle Endergebnis ab. Jürgen passiert ein letztes Mal Start/Ziel – und sorgt für ungläubiges Staunen. 1.37,2 Minuten. Fragende Blicke. Haben wir richtig gestoppt? Wenn das stimmt, ist das in der Supersportkategorie eine eigene Welt.

Es ist, und später wird sie von den anderen Fahrern tendenziell bestätigt. Neun Mal Bestzeit auf der R6, die gemittelte Rundenzeit aller Fah-rer um eine gute halbe Sekunde vor dem nächsten Vierzylinder. Mit der R6 kann einzig und allein die Daytona halbwegs mithalten. Drei Bestzeiten vereint sie auf sich, liegt in der durchschnittlichen Rundenzeit nur um gut eine Zehntelsekunde hinter der Yamaha, bekommt von den Fahrern sogar die mit Abstand beste Bewertung – und landet trotzdem auf dem undankbaren zweiten Platz.

Woran liegt das? Vor allem daran, dass Yamaha die R6 in ihrer jüngsten Auflage noch rigoroser auf die Rennstrecke trimmte als die ohnehin schon radikale Vorgängerin. Die Sitzposition noch vorderradorientierter, wirkungsvolle Chassis-Modifikationen – und natürlich noch mehr Leistung: Das reicht, um die Triumph auf der Strecke in Albacete in Schach zu halten.

Der Hinweis auf die Strecke ist wichtig. "Brutal, ganz unglaublich", staunt Jürgen nach seiner letzten Runde. "Der Motor hört überhaupt nicht mehr auf zu drehen, so dass man mit der R6 auf diesem Kurs mit den wenigsten Schaltvorgängen auskommt. Die Daytona passt in dieser Beziehung überhaupt nicht. Eingang Start/Ziel zum Beispiel ist der Dritte eindeutig zu lang, während der Zweite viel zu kurz ist. Im Übrigen gibt sich die Daytona gewohnt souverän. Präzise beim Einlenken, stabil im Scheitel, mit sanften Lastwechselreaktionen und enormer Transparenz. Aber gegen diese Brutalo-R6 ist hier in Albacete kein Kraut gewachsen. Die Gabel steht so stabil, dass es ganz egal ist, was das Hinterrad gerade macht. Und wenn es quer daherkommt."

Die R6 also vorn, doch die Triumph-Crew nimmt es gelassen. "Wir sehen uns im nächsten Jahr“, verspricht Marketing-Mann Trevor. "Oder noch besser bei der Vorstellung der 2009er-Daytona. Dann sind die Karten wieder neu gemischt."

Sicher auch für die ZX-6R-Nachfolgerin. Der Abstand des aktuellen Modells auf die beiden ersten Plätze ist groß. Nur eine Bestzeit, gut eine halbe Sekunde Rückstand auf die Siegerin – die Kawasaki-Ansprüche müssen höher liegen. Speziell beim antrittsschwachen Motor und der Sitzposition ist Handlungsbedarf.

Hinsichtlich des letzten Punkts muss sich auch die gerade erst vorgestellte Suzuki Vorwürfe gefallen lassen, während sie sich ansonsten unkapriziös, aber auch unspektakulär präsentiert. Die Honda schließlich fühlt sich wie schon in der Vergangenheit besser an, als ihre Rundenzeiten ausdrücken. Toller Motor, feine Rückmeldung – das schlägt sich im dritten Platz bei der Fahrerbewertung nieder. In den Rundenzeiten leider nicht. Und zeigt, wie komplex der Rennsport ist. Ganz besonders in der Supersport-Klasse.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel