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F wie „Verkleidung“: Die GSX-S 1000 F teilt sich die Technik mit der unverkleideten Schwester GSX-S 1000.

Suzuki GSX-S 1000 F im Fahrbericht Verkleidete Straßensportvariante

Suzuki lud ein, die Suzuki GSX-S 1000 F auf der Isle of Man zu testen. Sie ist die verkleidete Straßensportvariante des Power-Nakeds GSX-S 1000. Wir pilgern pflichtschuldig ins Mekka der Geschwindigkeit.

"Es gibt hier 15 oder 20 Kurven, an denen kannst du jahrelang feilen, um Speed zu finden. Der Rest ist mehr oder weniger eine Gerade, da fährst du halt so schnell es geht. Easy as that, Boys!" Wenn Richard „Milky“ Quayle Neuankömmlingen auf der Insel die Grundlagen der Strecke erklärt, klingt es ganz einfach. Kein Wunder, schließlich ist Quayle ein Inselgewächs, hat hier als Local Hero schon Siege errungen und Rekorde aufgestellt und ist vermutlich auf du und du mit jedem Schlagloch. Nach einem bösen Crash im Jahr 2003 hat es sich Quayle zur Aufgabe gemacht, alljährlich Anfang Juni den Rookies die Tücken der TT zu erklären.

Und heute sind wir die Rookies, denn Suzuki gibt sich selbstbewusst und präsentiert die GSX-S 1000 F als verkleideten Ableger der GSX-S 1000 auf dem anspruchsvollen Mountain Course. 37 Meilen quer über die Insel, durch Dörfer und über Land, gespickt mit sämtlichen Gemeinheiten des Straßenbaus: Ortsdurchfahrten mit Bordsteinen, Gullideckel, rutschige Fahrbahnmarkierungen, Brücken. Vorbei an Straßenschildern und Laternen, Telefonzellen, Bäumen und Steinmauern. Highspeed-Passagen durch Alleen, so ­wellig, dass auch Werksmaterial an seine Grenzen gerät. Dann, oben auf dem Berg, wo sich der Asphalt etwas beruhigt, werden die Kurven weiter und das Tempo steigt noch mal. Hier machen die Sieger der Senior TT ihren unfassbaren Rundenschnitt von deutlich über 200 Stundenkilometern. Alles in allem eine respekteinflößende Runde und allerbeste Voraussetzungen für aussagekräftige Fahreindrücke.

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GSX-S 1000 F mit geringfügig strafferem Fahrwerkssetup

Die Suzuki GSX-S 1000 F ist, abgesehen von einer rahmenfesten Verkleidung und einem entsprechend angepassten, geringfügig strafferen Fahrwerkssetup, technisch identisch mit der nackten Schwester S. Suzuki legt Wert darauf, die F nicht als Sporttourer missverstanden zu wissen, denn im Gegensatz etwa zu Kawasakis Z 1000 SX glänzen Koffersystem und langstreckentauglicher Soziuskomfort durch Abwesenheit. Stattdessen soll Schwester F ein Straßensportler sein. Eine für alles, für all diejenigen, die gern allein schnell und nicht zu gebückt unterwegs sind. Kommt uns hier und heute gerade recht.

Optisch fügt sich die Verkleidung jedenfalls sehr stimmig ins Gesamtbild. Für den Autor ist die Suzuki GSX-S 1000 F die insgesamt schönere GSX, aber das ist Geschmackssache. Qualitätsanmutung und Verarbeitung der 20 unter den Grandstands am Start – Ziel in Douglas drapierten Maschinen stimmen. Beim Aufsitzen bestätigt sich die bereits angekündigte enge Verwandtschaft, die Ergonomie ist identisch. Bedeutet: Auch die F ist ein kompakt und zugleich bullig anmutendes Motorrad. Mit vorderradorientierter Sitzposition, gemäßigtem Kniewinkel und relativ massigem Tank. Fühlt sich gut an, auch größere Kollegen bestätigen absolut ausreichende Platzverhältnisse.

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"Der Polizeichef hat meine private Telefonnummer"

Anlassen, alle Test-Suzuki GSX-S 1000 F verfallen in einen bassig-heiseren Vierzylinder-Leerlauf. Typisch Suzuki, das böse Airbox-Knurren erinnert ein wenig an die GSX-R 750 und suggeriert damit Rennsport. Ein leeres Versprechen? Wird sich zeigen, jetzt heißt es erst mal, in den Linksverkehr einzufädeln. „Kein Blödsinn, keine Wheelies“, hat uns der Suzuki-Mann eingebläut, „die Engländer haben gestern total übertrieben, und jetzt hat der Polizeichef meine private Telefonnummer.“ Auweia, zum Beweis setzt sich prompt eine Polizeieskorte vor die verdutzten deutschen Journalisten, stellt klar, dass das hier drei Wochen nach dem Rennen eben kein TT-Lauf, sondern der öffent­liche Straßenverkehr ist. Haben wir kapiert. Zeit, die Basics durchzugehen.

Der Motorlauf ist sehr geschmeidig, im Alltagsbereich bis 6000 Touren gibt es nahezu vibrationsfreien Lauf, darüber stellt sich ein leichtes Kribbeln ein. Das Getriebe arbeitet präzise und leichtgängig, die Kupplung verlangt zwar ordentlich Handkraft, ist aber sehr gut dosierbar. Das Fahrwerk gibt sich verbindlich, aber nicht hart, spricht sauber an und bietet so genügend Komfort. Umgänglich und geschliffen kommt die Suzuki GSX-S 1000 F beim A-nach-B rüber, so weit so gut.

Umgänglich und geschliffen, präzise und leichtgängig

Irgendwo nach Quarter Bridge gewähren die Cops dann endlich freie Fahrt. Im welligen Kurvengeschlängel bis Glen Helen gibt es ersten Auslauf, jetzt heißt es dranbleiben am Guide. Die fahrfertig 214 Kilo (Werksangabe) leichte Suzuki GSX-S 1000 F lenkt schön willig ein, gibt sich kurvengierig, beinahe tänzerisch. Dazu vermeldet das Fahrwerk wahrheitsgetreu, aber dezent die Schläge und Wellen, die das Fahren hier so herausfordernd machen. Man hat stets ein gutes Gefühl für die Beschaffenheit der Straße, ohne zu sehr durchgeschüttelt zu werden.

Creg Wylley’s Hill hinauf, Milky zieht kräftig am Kabel, wir ziehen mit. Erschien der Antrieb bis hierhin untenheraus recht kräftig, stellt einmal Vollgas bis zum Begrenzer klar: Der aus der GSX-R 1000 K5 entliehene, für mehr Durchzug modifizierte Reihenvierer mag weiterhin gern gedreht werden. Also halten wir ihn in der folgenden, schnellen Sektion Richtung Ballaugh oberhalb von 6000 Touren, denn ab da hat’s heftigen Schub. Ein kleiner Satz im zweiten Gang über Ballaugh Bridge, selbstverständlich zu Testzwecken, stellt die Durchschlagsreserven der Gabel unter Beweis. Sulby Bridge, ein Rechtsknick, hartes Ankern. Die radial verschraubten Brembo-Monoblocks der Suzuki GSX-S 1000 F packen nicht bissig, aber schön dosiert und kräftig zu, das Bosch-ABS regelt mit feinen Intervallen und überschlagssicher. Hinein nach Ramsey rollen wir ganz gemächlich. Hier künden mitten im Ortskern noch fette schwarze Striche von den Anbremsorgien im Rennen, Gänsehaut pur! Dann Goose­neck, eine enge Bergauf-Rechtskurve. Die etwas harsche Gasannahme aus dem Schiebebetrieb, die wir schon an der GSX-S 1000 monierten, hat Schwester F leider geerbt, das zeigt sich hier besonders deutlich. Ein auf null eingestelltes Gaszugspiel hilft etwas, aber eine gefühlvolle Rechte ist für eine saubere Linie trotzdem gefragt.

Suzuki GSX-S 1000 F analog, aber nicht altmodisch

Und dann geht es endlich den Berg hinauf, die Radien werden weiter, der Belag etwas weniger „bumpy“. Kein Speedlimit, kaum Verkehr – wir lassen die Suzuki GSX-S 1000 F richtig fliegen. Ziemlich fix zeigt der gut ablesbare Tacho satt dreistellige Meilenzahlen. In Sachen Leistung führen die beiden GSX-S 1000 Modelle die japanische Riege in der PowerNaked-Liga klar an. Im Toptest drückte die unverkleidete S 11 PS über der Werksan­gabe von 145 PS, gefühlt steht die Suzuki GSX-S 1000 F dem in nichts nach. Mehr als genug Power, um ­ansatzweise zu erahnen, wie sich so eine Rennrunde wohl anfühlen könnte. Dabei macht der Windschild seine Sache gut, hält ziemlich viel Druck vom Piloten ab. Und wo der Hafer zu arg sticht, greift die drei­stufige Traktionskontrolle (die ohne komplexe Schräglagensensorik auskommt) zu­ver­lässig ein. Am berühmten Cregny-Baa schließ­lich endet unser Höhenflug – ausrollen, zurück nach Douglas. Zeit zum Durchatmen, Runterkommen und fürs Resümee. 

Wie ihre unverkleidete Schwester, so lässt sich auch die Suzuki GSX-S 1000 F wohl am ehesten mit dem Attribut „ehrlich“ zusammenfassen. Sie fühlt sich analog, aber nicht altmodisch an. Das bezieht sich in erster ­Linie auf das transparente Fahrwerk, das, ganz konventionell und ohne Elektronik, über eine für den Einsatzzweck sehr gelungene Abstimmung verfügt. Gleiches gilt für den Motor, der zwar zu ruppig ans Gas geht und in der unteren Mitte einen kleinen Hänger hat, mit toller Laufkultur und mordsmäßigem Druck unterm Strich aber ein Positivbeispiel eines japanischen Vierzylinders gibt. Ob man das Fehlen moderner Gimmicks wie Ride-by-Wire, Fahrmodi oder etwa einem Schaltassistenten nun als Purismus betrachtet oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Für rund 12.100 Euro (Suzuki gewährt aktuell 700 Euro Rabatt) stellt sie jedenfalls ein durch und durch ehrliches Angebot dar. Und wir drehen noch ein, zwei fixe Ründchen mit Milky.

Foto: Suzuki
Die Suzuki GSX-S 1000 F in den drei erhältlichen Farben.
Die Suzuki GSX-S 1000 F in den drei erhältlichen Farben.

Technische Daten

Technische Daten Suzuki GSX-S 1000 F (k.A.)
Modelljahr 2015
Motor
Zylinderzahl, Bauart 4 , Reihenmotor
Bohrung/Hub 73,4 / 59,0 mm
Hubraum 999 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile pro Zylinder
Verdichtung 12,2
Leistung 107,0 kW ( 145,5 PS ) bei 10000 /min
Max. Drehmoment 106 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Brückenrahmen
Federweg vorn/hinten 120 mm / 130 mm
Reifen 120/70 ZR 17 , 190/50 ZR 17
Bremse vorn/hinten 310 mm Vierkolben-Festsättel / 250 mm Einkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1460 mm
Lenkkopfwinkel 65,0 °
Nachlauf 100 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe 810 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 400 kg
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
Preis
Neupreis 12095 Euro

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