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Suzuki GSX-S 1000 F im PS-Fahrbericht Proberunde auf der Isle of Man

Suzuki präsentierte die neue Suzuki GSX-S 1000 F selbstbewusst im Paradies für Roadracer – auf der Isle of Man. Harakiri oder Volltreffer für den Neuling? PS fand das heraus.

Nach Cronk-y-Voddy lässt der Verkehr nach, und bald ist Richtung Glen Helen auch das Speed Limit aufgehoben. Das bedeutet auf der Isle of Man „volle Lotte“, was geht! Genau das Richtige für unseren Guide, TT-Legende Milky Quale. Kaum ist das entsprechende Schild nämlich passiert, stellt er auf Vollgas.

Durch die teilweise blinden Kurvenkombinationen bis hinaus Richtung Sarah’s Cottage sollte man an Quale dranbleiben, denn er bringt nicht nur allen TT-Newcomern bei, was man über den Kurs wissen muss, er kennt hier jeden Kieselstein beim Vornamen. Seinem Heck kann man vertrauen. Wenn er einlenkt, ist es Zeit einzulenken. Wenn er bremst, macht man das besser auch. Und wenn er dann wieder den Hahn spannt – hinterher!

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Verkleidung der Suzuki GSX-S 1000 F aggressiv tief gezogen

Dazu muss man am langhubigen Vierzylinder der Suzuki GSX-S 1000 F aber gehörig Drehzahlen bemühen. Mal locker im vierten Gang von Bummel-betrieb in der Tempolimit-Zone auf TT-Speed umschalten geht nicht. Da heißt es ein, besser zwei Gänge runter im superflutschig schaltenden Getriebe – und gib ihm! Dann geht was.

Das passt zum Konzept der Suzuki GSX-S 1000 F. Sie hat die Verkleidung nicht bekommen, um Touren-Trödlern mit der Liebsten hinten drauf das Naked Bike GSX-S 1000 für einen moderaten Aufpreis (plus 605 Euro) zu optimieren und es gleich noch mit Kofferhaltern am Heck zu ergänzen. Die F steht wohl für „Force“, für Sport auf der Straße – Kofferzubehör Fehlanzeige. Dafür ist die Verkleidung aggressiv tief gezogen. Die Sitzhaltung ist zwar deutlich entspannter als auf einer Gixxer, aber auch nicht kommoder als auf dem schon sportlichen Naked Bike.

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„Sport-riding on road“

Vor allem Käufer um die 40 Jahre plus X, die von den Sportlern kommen, aber nicht mehr allzu viel Freude an gequälten Handgelenken übers Wochenende haben, nimmt die Suzuki GSX-S 1000 F aufs Korn. „Sport-riding on road“ nennt das Suzuki. Na, das kann man nirgendwo so gut testen wie auf der Isle of Man, und so heizt der PS-Tester dann hinter Milky her und darf die Vorzüge der F erproben. Zunächst gefällt einmal der Sound, welchen Motor, Airbox und Endtopf zu einer bärigen Symphonie zusammenfügen. Und der Vortrieb bei entsprechenden Drehzahlen passt perfekt zu dieser Klangkulisse. Sind die 7000/min überschritten, schnalzt es einen herrlich über die Insel. Auf den welligen Geraden Richtung Ramsey hebt die Suzuki dann wie bei McGuinness und Co. regelmäßig ab oder lupft das Vorderrad – und das, obwohl die Verkleidung die Gewichtsverteilung von 50/50 Prozent bei der Nackten bei der F auf 51/49 Prozent zu Lasten der Front verschiebt. 

Insgesamt bedeutet das etwa sechs Kilo mehr für die Suzuki GSX-S 1000 F, und bei Tempo 200 – so sagen die Techniker – sorgt die Verkleidung für 20 Kilo mehr Anpressdruck auf dem Vorderrad. Das spürt man auf den schnellen TT-Passagen vor allem dann, wenn die Brause nach leichtem Anbremsen wieder voll aufgedreht wird. Man bemerkt zwar ein leichter werdendes Vorderrad, aber die Gefahr von Lenkerschlagen bestand nicht.

Handling gefällt sehr gut

Sehr gut gefiel das Handling der Suzuki GSX-S 1000 F. Ohne Mühe ließ sie sich ab Ramsey in die Berge zirkeln, nahm Gooseneck ebenso problemlos wie komplizierte, schnelle Richtungswechsel bei Joey’s. Highspeed-Wechselkurven zwischen Verandah und Kate’s Cottage waren auch kein Problem. Dort oben konnte man dann tief hinter die Verkleidung abtauchen und den enormen Vorteil der hochgezogenen Scheibe spüren. 

In der Creg-ny-Baa-Rechts zeigte die Suzuki GSX-S 1000 F dann wie schon zuvor in der Links bei Bungalow Bridge, wie stabil sie in Schräglage durch längere Kurven pfeilt und punktgenau wieder bereit für volles Herausbeschleunigen ist. Damit dabei nichts schiefgeht, hat die F eine dreifach verstellbare Traktionskontrolle, die zusätzlich deaktiviert werden kann. Die funktioniert für ihren Einsatzzweck auf der Straße auch sehr gut, was sich in der Gooseneck-Rechts schön analysieren ließ. Da es trocken war, machte die früh regelnde Stufe 1 keinen Sinn. In Stufe zwei regelte die Kontrolle dann aber schon so zügig, dass beim Aufziehen des Gasgriffs ein Moment Sendepause herrschte.

Bremse dürfte ruhig etwas doller zupacken

Nanu, ist der Gaseinsatz so verzögert oder werkelt schon die TC? Also beim nächsten Mal auf Stufe 3 – und schwupp brach das Hinterrad schon leicht aus, bevor die Elektronik es wieder einfing. Für die Straße sollte diese TC tadellos funktionieren. Das Fahrwerk passte ganz gut für die mitunter extrem holprigen Straßen, ohne zu weich und damit unsportlich zu Werke zu gehen. Für unterschiedliche Geschmäcker ist die Gabel – wie bei der Nackten – voll einstellbar. Für die Suzuki GSX-S 1000 F passten die Japaner lediglich die Gabelöl-Menge an. Das Federbein bietet zur Vorspannung noch eine Zugstufen-Einstellung. 

Als die Show nach ein paar Runden mit Milky schließlich in Douglas endet, stehen wir noch eine Weile mit dem sympathischen Insulaner beisammen und philosophieren über das Bike. Richtig erfrischend aus PS-Sicht ist die sportliche Ausrichtung der F. Wer ein verkleidetes Motorrad für die schnelle Sonntagsrunde sucht, aber weder großen Wert auf Mitfahrer noch Gepäck legt, wer nicht zu sehr in die Beugehaltung eines Supersportlers gezwängt werden möchte, doch Drehzahlen nicht scheut, um richtig anzugreifen, wer aber auch genug Alltagstauglichkeit braucht, um mit dem Bike durch die Stadt zu kommen, der sollte sich die Suzuki GSX-S 1000 F mal ansehen.

Vielleicht legen echte Sportskanonen noch ein paar Euro drauf und besorgen sich feistere Bremsbeläge, denn die Bremse dürfte ruhig etwas doller zupacken. Und leider hat die F auch die etwas ruppige Gasannahme und im Bummelbetrieb die unschönen Lastwechsel ihrer nackten Schwester mitbekommen. Aber damit kann man umgehen. Auf die Insel der Roadracer hat die Suzuki GSX-S 1000 F jedenfalls hervorragend gepasst, denn nach PS-Ansicht ist die Neue wahrlich sportlich und schnell geworden.

Foto: Suzuki
Suzuki GSX-S 1000 F.
Suzuki GSX-S 1000 F.

Technische Daten Suzuki GSX-S 1000 F

Technische Daten Suzuki GSX-S 1000 F (k.A.)
Modelljahr 2015
Motor
Zylinderzahl, Bauart 4 , Reihenmotor
Bohrung/Hub 73,4 / 59,0 mm
Hubraum 999 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile pro Zylinder
Verdichtung 12,2
Leistung 107,0 kW ( 145,5 PS ) bei 10000 /min
Max. Drehmoment 106 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Brückenrahmen
Federweg vorn/hinten 120 mm / 130 mm
Reifen 120/70 ZR 17 , 190/50 ZR 17
Bremse vorn/hinten 310 mm Vierkolben-Festsättel / 250 mm Einkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1460 mm
Lenkkopfwinkel 65,0 °
Nachlauf 100 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe 810 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 400 kg
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
Preis
Neupreis 12095 Euro

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