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Seit einem Vierteljahrhundert gibt es nun die Intruder, die als erster Japan-Chopper versuchte die Vormacht der USA zu brechen. Hier das Baby und seine Hebammen: Präsentation der 1400er 1986 in Japan.

Finale: 25 Jahre Suzuki Intruder Suzuki Intruder: der erste Japan-Chopper

Ein Vierteljahrhundert ist es her, da brachte Suzuki den ersten echten Japan-Chopper. Doch mit 750 Kubik konnte die kleine Intruder noch nicht am Harley-Thron wackeln. Aber nur ein Jahr später kam die große 1400er-Schwester...

Die Geschichte vom Hasen und Igel der Motorradwelt, vom amerikanischen Original und der japanischen Kopie, reicht natürlich viel weiter zurück als nur ein Vierteljahrhundert. Doch 1986, das die Welt als Tschernobyl-Jahr abgespeichert hat, beginnt ihr wichtigstes Kapitel. Seine Überschrift: VS 750 GL Intruder. Der "Eindringling" war ein puristischer Chopper mit wenig Plastik, aber viel Chrom, mit Speichenrädern und einem wuchtig aussehenden und dank eines gut zwischen den Rahmenrohren versteckten Wasserkühlers offen zur Schau getragenen V-Zwei. Der Motor hatte immerhin 55 PS, einen erfrischenden Bollersound und - das war das Wesentliche - den Harley-typischen Zylinderwinkel von 45 Grad. "Klingt steinzeitlich, oder?", fragte MOTORRAD damals. Schließlich hatten die Japaner vorher technisch teilweise aufwendige Vierzylinder in damit oft hoffnungslos überforderte Fahrwerke gehängt. Und mussten sich dafür auslachen lassen. Aber sie hatten schnell dazugelernt. Denn in Wirklichkeit war die 750er mit der im Schwingenholm laufenden Kardanwelle alles andere als ein Fred-Feuerstein-Mobil. Sie war ein sauber ausgeführter Angriff auf die Harleys Einsteiger-Baureihe Sportster. Schon ein Jahr später lud Suzuki nach und attackierte mit der neuen VS 1400 auch die US-Big Twins.

Äußerlich erschien die große Intruder der 750er auf den ersten Blick wie aus dem Rückspiegel geschnitten: schnörkellos, ohne den puttenhaften Zierrat der Softchopper-Ära, ihr einziges Plastikteil war der Blinkerschalter. Und der V-Twin war nun auch wirklich so fett, wie er vorher schon aussah: ganze 22 Kubikzentimeter mehr Hubraum als der damals größte Evo-Twin aus Milwaukee. Auch drucktechnisch musste sich Harley eindosen lassen: 108 Newtonmeter Japan-Drehmoment gegen 93 Nm amerikanisches.

Und die große VS hatte Luftkühlung, zumindest teilweise. Um noch tiefer in die US-Jagdgründe einzudringen, hatten die Suzuki-Techniker in die Trickkiste gegriffen und einen halb luft-, halb ölgekühlten Motor entwickelt. Anders als die 750er trug die 1400er nur einen unauffälligen Ölkühler, der bloß den thermisch kritischeren hinteren Zylinder mit gekühltem Schmierstoff versorgte. Der vordere durfte seine Rippen frei in den Fahrtwind halten. Und statt der damals noch üblichen hinteren Trommelbremse verzögerte die Große ihr Hinterrad mittels Scheibe. Apropos Hinterrad: Das hatte eine 170er Pelle und damit den dicksten serienmäßigen Hinterreifen, den die Welt bis dahin kannte.

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Foto: Archiv
Bild von einem Motor: Der Twin war laufruhig und robust, nur die Vergaserabstimmung schwierig.
Bild von einem Motor: Der Twin war laufruhig und robust, nur die Vergaserabstimmung schwierig.

Aber jetzt Schluss mit der Lobhudelei, auch ein Jubiläum darf Anlass für kritische Töne sein. So ärgerten viele Truden ihre bald schon zahlreichen Besitzer mit teilweise lausiger Chromqualität an Auspuff und Felgen sowie hässlich schnell rostenden Schrauben. Das Fahrwerk setzte auf kurze Federwege und war damit bockelhart; die hübsche kleine Lampe war nachts mehr Schattenspender denn Scheinwerfer, die Schräglagenfreiheit immer die der anders Denkenden, sprich geradeaus Fahrenden, und die Stufensitzbank neigte schnell dazu, sich selbst zu kompostieren, weil sie sich bei Regen regelmäßig mit Wasser vollsog und ihrem Fahrer anschließend gern ein feuchtes Höschen bescherte.

Aber heute wissen wir, dass das alles die Liebe zur treuen Tante kaum schmälern konnte. Treu auch deswegen, weil der große V-Twin mit seinen drei Ventilen und anfangs nur vier Gangstufen echte Steher-Qualitäten offenbarte: Das Triebwerk war fast nicht kaputt zu kriegen. Auch nicht, wenn man sich, wie die damaligen Test-Kollegen, alle Mühe gab und die gute Trude im Dauertest bis in die Gluthitze der nordafrikanischen Wüste und zurück prügelte.Ihr dicker Twin ließ es mit sich machen.

Ihre Unverwechselbarkeit, ihr Purismus und ihre Zuverlässigkeit dürften wohl die Hauptgründe sein, warum sich die VS als 600er, 750er, 800er, vor allem aber als 1400 bis heute einer treuen und mit Treffen, in Clubs und Internetforen (www.vl1500.de) aktiven Fangemeinde erfreut. Zum Schluss sei noch einmal MOTORRAD aus den Anfagstagen der Intruder 1986 zitiert: "Suzuki kann sich mit der Intruder rühmen, den ersten akzeptablen Ersatz für eine Harley-Davidson geschaffen zu haben. Sicher, sie ist eine Kopie (...). Aber eine gute." Und das ist heute noch richtig. Darum: Happy Birthday, alte Tante.

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