Technik: Mercedes F 300 Life Jet Technokrad

In der Studie F 300 Life Jet von Daimler-Benz steckt jede Menge technisches Know-how

Der Anspruch, den das neue Konzept erhebt, ist hoch: die Kurvendynamik eines Motorrads mit der Sicherheit und dem Komfort eines Pkw zu vereinen. Konsequenz: ein Fahrzeug mit einer Fahrgastzelle, die sich in die Kurve neigt. Alles schon mal dagewesen, behaupten Skeptiker. Das stimmt insofern, als bereits das verkannte Genie Ernst Neumannn »Neander« dreirädrige Kurvenneiger baute. Doch bei seiner und nachfolgenden Konstruktionen verursacht wie beim Motorrad der Fahrer abhängig von Kurvenradius und Geschwindigkeit die Seitenneigung des Fahrzeugs. Beim Life Jet dagegen hat dieser darauf keinen Einfluß. Eine sogenannte Wanksteuerung zwingt den F 300 in Schräglage.Zu diesem Zweck sind die Federbeine der Vorderachse am oberen Anlenkpunkt nicht fest mit dem Chassis verbunden, sondern in quer zum Fahrzeug beweglichen Schwingen gelagert. Eine Stange verbindet die oberen Aufhängungspunkte der Federbeine. Signalisieren Sensoren Kurvenfahrt, verschiebt ein Hydraulikzylinder die Federbeinaufnahmen, und das Fahrzeug neigt sich in den Doppelquerlenkern der Vorderachse bis maximal 30 Grad zur Seite.Neu sind außerdem die Scheinwerfer, die mit einer automatischen Kurvensteuerung arbeiten. Hinter der Streuscheibe sitzen drei Reflektorbereiche mit zwei Glühlampen. Der obere Teil dient dem Abblendlicht, der mittlere dem Nebellicht, und die untere Fläche bündelt das von einer H4-Lampe erzeugte Fernlicht. Ein Elektromotor dreht abhängig vom Neigungswinkel der Karosserie den schwenkbar gelagerten Reflektor bei Kurvenfahrt stets in horizontale Lage. Außerdem schaltet dann das Nebellicht zu und vergrößert so die Streubreite des Abblendlichts auf über 45 Grad.Besonderen Wert legten die Entwickler auch auf die passive Sicherheit. Der 1,6 Liter große Vierzylinder der A-Klasse ist im Heck zwischen Fahrgastzelle und Hinterrad so installiert, daß er bei einem Heckaufprall an der schrägen Rückwand des Chassis unter das Fahrzeug gleitet.Für Fahrkomfort sorgt das Getriebe mit sequentieller Gangwahl. Beim Antippen des Schalthebels nach vorn oder hinten werden ähnlich wie beim Motorrad die Gänge in einer Ebene hoch- und runtergeschaltet. Die Übertragung erfolgt aber nicht mechanisch, sondern elektronisch-hydraulisch. Diese und weitere konstruktiven Bemühungen wie die nur 89 Kilogramm schwere Fahrgastzelle aus Aluminium oder die speziell für den F 300 entwickelten Reifen gipfeln in einem akzeptablen Resultat: Die Dynamik eines Zweirads erreicht der Life Jet zwar nicht, übertrifft hinsichtlich Sicherheit und Komfort das Zweirad aber klar.

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