Test Aprilia RS 125 Groß in Form

Atemberaubende Optik, bärenstarker Auftritt. Mit der neuen Aprilia RS 125 ist man nicht nur der King auf dem Schulhof. Design und technische Zutaten weisen sie als echten Racer aus.

Foto: fact
Kurz quietscht das Vorderrad der GSX-R 1000, der Fahrer reißt das Visier auf: »Isch des a 600er? Was, a 125er? Donnerwetter, rattenscharf.« Der Suzuki-
Pilot ist baff, pfeift anerkennend zwischen den Zähnen hindurch, steppt den ersten Gang hinein und rauscht zur Boxengasse hinaus.
Die neue Aprilia RS 125 macht Eindruck. Selbst unter Big Bikes in Hockenheim. Nachdem die kleine Zweitaktrakete seit sechs Jahren optisch nahezu unverändert in den Schaufenstern stand, hat Aprilia ihr ein aufregendes neues Kleid auf den hübschen Alu-Rahmen geschneidert. Die einst etwas rundliche kleine Zweitakt-Säge ist nicht wiederzuerkennen. Das
kantige Design orientiert sich mit seinem frech-angriffslustigen Blick aus dem Doppelscheinwerfer direkt an der großen RSV 1000.
Das schnittige Heck, die filigranen Gussräder, das gefällt. Es wurden in der Redaktions-Tiefgarage sogar gestandene Redakteure und bekennende Leistungsfetischisten dabei gesichtet, wie sie neugierig um die kleine Aprilia herumschlichen. Kein Wunder: Alu-Bananenschwinge mit Aufnahmerollen für Montageständer, Auspuffhülle aus gebürstetem Aluminium, dazu ein Cockpit nach Art der Superbikes, das ist schon ziemlich lecker gemacht. Außerdem protzt die kleine
Aprilia mit einer angesagten Radialbremszange am Vorderrad. Ansonsten blieben Fahrwerk und Motor unverändert.
Das heißt, ungedrosselt zerren 29 Zweitakt-Pferde an der Kette. Wie bei der
15-PS-Version kann man aber die erste Hälfte des Drehzahlbands getrost ad acta
legen. Wenigstens 5000/min sollten es zum Anfahren schon sein. Ab dieser Marke zieht der membrangesteuerte Zweitakter sauber an. 8000/min genügen allemal, um zügig im Alltagsverkehr mitzuschwimmen. Die Delle in der Leistungskurve spürt man praktisch nicht. Darüber legt sich der Achtelliter richtig ins Zeug und dreht rotzfrech bis zum Leistungsgipfel bei 10500/min.
Das ist für zügiges Vorankommen auch die perfekte Schaltdrehzahl. Dann passen die Anschlüsse im exakten Sechsganggetriebe perfekt. Voll ausgepresst stehen in Hockenheim am Ende der Parabolica mit zusammengefaltetem Fahrer am Bremspunkt vor der Spitzkehre 158 km/h auf dem Tacho.
Kleinmachen ist auf der Aprilia selbst für Fahrer mit Gardemaß kein Problem, weil sie – obwohl deutlich zierlicher als die Vorgängerin – dem Piloten genügend Platz lässt. Das Arrangement aus Rasten, Lenker und Sitzbank passt. So kann man sich voll auf das Ankerwerfen konzentrieren. Die mit unterschiedlich großen Kolben bestückte Vierkolbenzange hat zusammen mit der 320-Millimeter-Bremsscheibe nur wenig Mühe, die Aprilia wieder einzufangen. Die komfortabel abgestimmte Gabel taucht zwar relativ schnell ein, hielt aber zumindest am Fahrtag mit seinen frostigen sechs Grad ausreichend Dämpfung parat. Das Federbein dagegen ist in der Zugstufe recht straff abgestimmt.
Vier Gänge runterklopfen, abwinkeln bis aufs Knie – und mit Schwung wieder raus auf die Gerade. Das Fahrwerk spielt dabei tadellos mit. Angenehm leichtfüßig flitzt die RS 125 durch die Kurven.
Alles eitel Sonnenschein also. Zumindest fast. Die ungenau gefertigten, schräg abstehenden Fahrerrasten passen nicht ins edle Erscheinungsbild. Und einstellbare Kupplungs- und Bremshebel wären angesichts des – unveränderten – Preises von 4999 Euro kein übertriebener Luxus.
Das war’s aber auch schon. Ansonsten darf sich der Aprilia-Pilot über das feine
Finish, sinnvolle Details und die hammergeile Optik freuen.

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