Test Benelli TnT Café Racer Glanznummer

Es ist nicht alles Gold, was glänzt, sagt der Volksmund. Benellis neuer Café Racer ist glänzend gelungen – sagt Motorrad.

Foto: Künstle
Wie sich die Zeiten ändern. »Die Unvollendete« titelte ein Kollege vor rund drei Jahren über die Benelli Tornado Tre, attestierte der 900er damals gute Anlagen, aber eklatante Mängel im Detail. Und jetzt, drei Jahre später? Beschert uns Benelli nach einem Besitzerwechsel, einer beträchtlichen Hubraumaufstockung auf 1130 Kubikzentimeter, unzähligen Mapping-Updates und noch mehr Optimierung an allen Ecken und Enden mit dem Café Racer einen TnT-Ableger, der sich obigen Slogan verdient hat.

Warum? Weil hier der famose Fahrspaß und die teilweise bildschönen Details, die den mächtigen 1130er-Triple mit dem eigenwilligen Rahmenkonzept schon immer auszeichneten, nun endlich auf ein Finish treffen, das zwar nicht beispielhaft, doch angesichts des Preises von 13290 Euro mindestens akzeptabel ist. So steht der Gesamteindruck der Lackierung des nur in Gold lieferbaren Café Racers nicht nach.
Ob dabei die Kombination aus deutlich über Gabelbrückenniveau liegenden Lenkerstummeln und an deren Enden befestigten Spiegeln gefällt, ist natürlich Geschmackssache. Funktionieren tut dieses Arrangement jedenfalls sowohl hinsichtlich der Rücksicht als auch der grundsätzlichen ergonomischen Bedingungen, die im Vergleich zur Standard-TnT milde Richtung Sport wanderten. Versammelt, aber nicht gebückt – so muss man die Sitzposition beschreiben, die sich auf der Landstraße kaum nachteilig auswirkt, auf der Autobahn dafür eindeutig Vorteile hat. Unter den Nackten marschiert bestenfalls eine BMW K 1200 R mit dieser Vehemenz und gleichzeitig diesem Gleichmut voran wie der Café Racer. Erstaunlich ebenfalls, dass es hinter der charakteristischen Lampenmaske keinesfalls turbulent zugeht. Angesichts der fetten Leistungsreserven – der Prüfstand attestierte beim Testmodell 130 PS an der Kupplung – ertappen sich daher selbst ausgesprochene Kaffeehausgänger auf der Autobahn beim Auskosten des Leistungspotenzials, das sich schon nach kurzer Frist mit Tachoanzeigen jenseits der 260 km/h manifestiert.

Wenn man nicht den Sparmodus aktiviert hat. Im Gegensatz zu früheren Messungen macht sich nämlich die per Knopfdruck aktivierbare Kennfeldänderung im Fahrbetrieb und auf dem Prüfstand deutlich bemerkbar. Gerade noch 115 PS mobilisiert der Vierventiler dann. Das heißt jetzt nicht, dass der Triple so konditioniert auf der MOTORRAD-Testrunde zum Kostverächter würde. Doch 6,2 Liter auf 100 km/h sind im Gegensatz zu über sieben aus der Vergangenheit immerhin im Rahmen des Üblichen.

Für den Fahrspaß gilt das nicht. Der ist selbst im Sparmodus exorbitant, weil der Motor nach wie vor so bärig anschiebt, so kernig klingt, so herrlich mahlt wie kein anderer. Dazu gesellen sich mit den neuen, voll einstellbaren Federelementen, die bislang der Sport vorbehalten waren, altbekannte Fahrwerksqualitäten. Wie hinge-dübelt liegt die Benelli in Ecken, liefert dabei wunderbar akzentuiertes Feedback an Front und Heck, kurz – reitet auf den haftfreudigen Dunlop D 208 RR selbst unter introvertierten Zeitgenossen eine unwiderstehliche Attacke nach der anderen. Dass auch diese TnT nicht die Handlichste ist, dass bei ihr keine Radial-Bremszangen werkeln – der Kenner wird es locker verschmerzen. Und sich beim Zwischenstopp mit den Kumpels am Glanz des Café
Racers freuen.

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