Test Bimota DB6R Delirio Italienischer Edelstoff

Wer 22000 Euro in einen Traum von Motorrad verwandeln will, wird bei Bimota fündig. Mit der DB6R Delirio bauen die Rimineser ein Spaßmobil für Gutbetuchte.

Foto: Künstle
Ein 90-PS-Motorrad für 21953 Euro? Verrückt? Nein, Bimota. Italienischer Edelstoff für Menschen mit viel Sinn fürs Besondere. Aber lassen wir das Geld mal außen vor. Vergessen wir, dass es für so viel Kohle eine brandneue Honda Fireblade plus eine Ducati Monster 696 gäbe. Mit Vernunft braucht man einer Bimota nicht zu begegnen. Sondern mit Herzblut. Und Freude am ungewöhnlichen Design, an der brillanten handwerklichen Ausführung und einem Klang, den Großserienhersteller auf keinen Fall mehr über die Hürden der EG-Zulassung bekommen würden. Wie das beim Beschleunigen kehlig röhrt, im Schiebebetrieb lüstern brabbelt und im Leerlauf satt vor sich hin bollert, gigantisch. V2-Sounddesign vom Feinsten. Leistungsmäßig hat die Klangorgie nichts gebracht. Eine dezenter auftretende Ducati Hypermotard mit dem gleichen 1100er-Motor schiebt zwei PS mehr Richtung Hinterrad. Dennoch vermisst man auf Landstraßen nichts. Zwischen 3000 und 7000 Umdrehungen fühlt sich der V2 pudelwohl, bietet spontanen Biss und leistet genug, um wirklich flott unterwegs zu sein. Zumal das weit gespreizte, etwas lang übersetzte und gut schaltbare Sechsganggetriebe immer die passende Fahrstufe parat hält. Schalten macht Spaß mit der DB6R, die Gänge hoch geht das zur Not auch ohne Kupplung, nur mit einer kurzen Zugkraftunterbrechung. Runterschalten mit Zwischengas zaubert die schönsten Klangkaskaden aus den beiden Auspuff-Endstücken. Und damit kommen wir zum Kern der Geschichte.
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Foto: Künstle

Kurvenjagd

Wie kaum eine andere wirbelt die Bimota über die Landstraße. Die vollgetankt 195 Kilogramm leichte, gertenschlanke italienische Schönheit lässt sich brutal durch die Kurven jagen. Wofür der Name Bimota in den 80er Jahren stand – exzellente Fahrwerke –, das verkörpert wieder die neue DB6R. Und setzt sie weit über die bereits oben erwähnte Ducati. Eine überragende Handlichkeit, trotzdem ein sattes Fahrgefühl. Neutral in jeder Schräglage, gleichwohl stur geradeausfahrend. Gute Rückmeldung, genügend Schluckreserven selbst auf schlechten Belägen. Und dass diese ganzen tollen Eigenschaften von einem wirklich hübsch verarbeiteten und einzigartig aufwendigen Gitterrohrfahrwerk mit herrlich fetter Gabel und filigraner Gitterrohrschwinge hervorgezaubert werden, passt in die langjährige Tradition der Firma.

Aber wie schon immer bei Bimota, steht der wirklichen Perfektion manches entgegen. Am Schlimmsten: die Sitzbank. Was erlauben Robbiano? Der Bimota-Designer kann kein Motorradfahrer sein. Er baut das kürzeste Sitzbänkchen der Welt. Wer soll sich darauf wohlfühlen? Kombiniert mit dem unglücklich geformten Tank, wird aus Fahrspaß schnell Dauerschmerz. Etwas weniger schlimm: die Trockenkupplung. Deren Rasseln mag ja ganz lustig sein, die hohen Handkräfte und das nervige Rupfen beim Einkuppeln sind es definitiv nicht. Zumal die DB6R im ersten Gang blitzschnell auf dem Hinterrad steht. Noch akzeptabel: das Federbein, dessen Druckstufendämpfung ganz zugedreht werden muss, um auch bei länger Fahrzeit noch gut zu dämpfen. Denn es sitzt leider direkt über dem Krümmer des stehenden Zylinders und heizt sich sehr stark auf.

Genug genörgelt. Den hübsch geklemmten, konifizierten Lenker in die Hände genommen und herzhaft Gas gegeben. Und die 21953 Euro? Dafür gibt es in manchen Läden gerade mal eine Uhr, die defintiv nur zum Anschauen taugt.

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