Test Cagiva Raptor 650 Gloria Raptoria

So ganz scheinen die wirtschaftlichen Verhältnisse des Mutterkonzerns MV Agusta noch nicht im Lot zu sein: Bereits im vergangenen Jahr präsentierte Cagiva auf der Münchner Messe Intermot die überarbeitete Raptor 650, doch erst jetzt kommt sie auf den Markt. Äußerlich nur leicht überarbeitet, ist die wichtigste Änderung der Umstieg auf den aktuellen Motor der Suzuki SV 650 mit Einspritzung. Im
japanischen Original werden die Abgase mittels Sekundärluftsystem sowie U-Kat auf Euro-2-Stand gebracht und über einen einzelnen Schalldämpfer entsorgt.
Die Cagiva schafft dieselbe Übung ebenfalls mit Sekundärluftsystem, jedoch ohne Kat und stellt jedem Zylinder einen eigenen Auspufftopf zur Verfügung. Damit ändert sich die Leistungsentfaltung deutlich spürbar. Bis knapp unter 5000 Umdrehungen hinkt die Raptor der SV um rund fünf PS hinterher, um darüber bis 6500/min denselben Betrag draufzulegen. Im oberen Drehzahlbereich gleichen sich die Kurven wieder an und sind im Zenit schließlich deckungsgleich. Und mit gemessenen 77 PS übertrifft die Raptor sogar die Werksangabe von 75 PS.
Soll es zügig voran gehen, will der Zweizylinder gedreht werden. Das bereitet Mensch und Maschine keine Probleme, die Kupplung flutscht mit zwei Fingern, und die sechs Gänge rasten sauber mit kurzen Schaltwegen ein. Getrübt wird das Bild vom großen Spiel im Antriebsstrang, den daraus resultierenden Lastwechselschlägen sowie der recht harten Gasannahme.
In puncto Wirkung und Dosierbarkeit gibt die vordere Doppelscheiben-Bremsanlage mit Stahlflex-Bremsleitungen keinen Grund zur Klage – vorausgesetzt man erreicht den Bremshebel. Der ist zwar einstellbar, jedoch selbst in der letzten Position nur von Langfingern mühelos erreichbar. Die hintere Scheibe, ebenfalls stahlflexbewehrt, bietet wirkungsvolle Unterstützung.
Auch das Fahrwerk steht dynamischer Fortbewegung aufgeschlossen gegenüber. Der Gitterrohrrahmen aus Stahl ist nicht nur verwindungssteif, sondern nebenbei viel schöner als das klobige Alu-Gussteil der SV. Vorne sorgt eine nicht einstellbare 43er-Upside-down-Gabel von Marzocchi für die Radführung, hinten übernimmt dies ein mittels Umlenkhebel mit der Schwinge verbundenes und in der Federbasis verstellbares Sachs-Federbein. Die Abstimmung der Federelemente ist eher straff, aber nur auf wirklich üblen Straßen wird man kräftig geschüttelt. Ansonsten freut sich der Cagiva-Fahrer ob der Transparenz und Rückmeldung, die eine SV so nicht bietet. Kinderleicht lässt sich die Raptor
in die Ecken werfen und folgt zielgenau der angepeilten Linie.
An Schräglagenfreiheit mangelt es nicht. Und der Spaß wird lange Zeit nicht mal von einem Tankstopp unterbrochen, weil die Kombination aus 19-Liter-Tank und einem Landstraßenverbrauch von lediglich fünf Liter Superbenzin eine enorme Reichweite ermöglicht. Da lechzen untrainierte Hintern schon vor dem Aufleuchten der Reservelampe nach einer Pause, denn besonders bequem ist die neu gestaltete Sitzbank nicht.
Bleibt zu hoffen, dass die Raptor endlich auf die Stückzahlen kommt, die sie verdient hat. Sie ist eine knackige, sportliche Alternative zur SV 650. sgl

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