Test Derbi GPR 125 Racing Der Bringer

Der Ducati-Pilot hat gegrüßt und der VTR-Fahrer genauso. Klar, bei der Front, mit formschönen Blinkerspiegeln und erwachsenem Multireflektor-Doppelscheinwerfer. Respekt. Auch wenn man
in Ersteren kaum Rücksicht genießt und Fern- wie Abblendlicht jeweils nur eine Lampe leuchten lassen. Egal, die Derbi sorgt für verdammt fette Auftritte mit
125 cm3. Rasch ist die parkende GPR von 16- und 17-Jährigen umringt.
Schließlich ist die schöne neue Spanierin zusammen mit der Aprilia RS 125 und der Cagiva Mito das sportlichste Youngster-Gerät. Und wird wie die Italienerinnen von einem kräftigen Zweitaktmotor auf Trab gebracht. Er wird von Yamaha gebaut und mit U-Kat und Sekundärluftsystem auf die Abgasnorm Euro 2 getrimmt.
Nur beim Kaltstart, cool per Knöpfchen, entweichen blaue Wölkchen aus dem
rattenscharfen Underseat-Schalldämpfer. Früh darf der Choke am linken Lenkerende zurückgeschoben werden. Ruck- und
stotterfrei kommt die Derbi in Fahrt. Hui, da geht was, echte 15 PS können selbst alten Hasen richtig Laune machen.
Allerdings heißt es dafür fleißig im Sechsganggetriebe zu rühren, lange Schaltwege zu ignorieren und den Motor bei Laune zu halten, zwischen 7000 und 9000 Touren. Im fünfstelligen Bereich lässt der Schub wieder nach, dafür nehmen die Vibrationen in Kunststofftank, Fußrasten und Griffen stark zu. 125 Sachen rennt die 125er. Nur nie den Schwung verlieren!
Auf engen, kurvenreichen Strecken zeigt das 134 Kilogramm leichte Fliegengewicht auch Supersportlern unverschämt lang das kecke Rücklicht. Wirklich wahr. Irre präzise folgt der Bonsai-Racer der
Linie, reagiert auf kleinste Lenkimpulse. Pure Physik: Schmalere Reifen erfordern fürs gleiche Tempo weniger Schräglage als breit bereifte Big Bikes. Und diese Gummis, Pirelli Sport Demon, grippen bestens.
Der stabile, von Benelli gebaute Alu-Brückenrahmen klemmt eine Upside-down-Gabel (!) ein. Sie agiert sportlich-straff, doch nicht unsensibel. Lediglich das direkt an der Alu-Dreiecksschwinge angelenkte Zentralfederbein ist tendenziell weich, zwingt zum Vorspannen. Es fängt auf arg zerfurchten Strecken leicht zu pumpen an.
Noch ein Highlight: die vordere Bremse mit radial verschraubtem Vierkolben-Festsattel. Derlei hatten vor drei, vier Jahren noch nicht einmal 1000er serienmäßig. Allerdings erfordert der radial wirkende Handbremshebel bei Vollbremsungen hohe Betätigungskräfte. Die Wirkung ist tadellos, die Dosierbarkeit leidet ein wenig darunter, trotz Stahlflexleitungen.
Auf dem zweiteiligen Sitzkissen genießt man prima Kontakt zum Bike. Der breite Lenker liegt gut zur Hand, die Fußrasten sind recht hoch. Bald fühlt man sich wie Jorge Lorenzo, Derbis Werksfahrer in der 125er-WM. Echt der Bringer.
Schade nur, dass bei der Verarbeitung der GPR Genialität und Schludrigkeit Tür an Tür wohnen. Billige Blechschrauben halten die Verkleidung, die obere Gabelbrücke in plumpem Sandguss beleidigt das Auge. Und der selbsttätig einklappende, zu kurze Seitenständer ist uncool und wenig standfest. So etwas gilt wohl kaum als trendy, bei 5000 Euro Kaufpreis. tsr

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