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Test: Ducati 1199 Panigale R Traummotorrad und Supersportler

Die Ducati 1199 Panigale schwimmt voll auf der Erfolgswelle. Der am zweitbesten verkaufte Supersportler auf dem Markt hat den Nerv der Fans voll getroffen. Nun zündet Ducati mit der noch stärker auf Renntauglichkeit getrimmten Ducati 1199 Panigale R die nächste Stufe.

Technik und Ausstattung der Ducati Panigale 1199 R

Im vierten Gang Vollgas über eine blinde Kuppe, Spitzkehre anbremsen, abwinkeln, aufrichten. Dann einen Kilometer volle Brause, Ohren anlegen - alles, was geht. Der Tacho klettert auf 290, 291, 292 - Blick heben, die Augen suchen hektisch das 200er-Schild, Anker werfen. Wahnsinn. Der Circuit of the Americas (COTA) in Austin/Texas, Schauplatz des US-GP, ist der Hammer. Und eine angemessene Bühne für die Ducati 1199 Panigale R. Eine 5,5 Kilometer lange, hochmoderne Strecke. Breit, mit 40 Metern Höhenunterschied und vollkommen knitterfreiem Belag. Schnell, knifflig, harte Bremsecken und fließende Kurvenpassagen, die nach höchster Präzision verlangen. Ein extremer Ort, gewiss.

Aber die Ducati 1199 Panigale R ist auch ein extremes Eisen. Nie war ein Serien-Superbike leichter: 165 Kilogramm Trockengewicht verspricht Ducati. Nie war ein Serien-Twin stärker und drehte höher: 12 000/min und damit noch mal 500 mehr als die Panigale S. Titan-Pleuel sparen 630 Gramm oszillierende Masse ein und ermöglichen in erster Linie die fulminante Spitzendrehzahl. Die Kipphebel bekamen eine harte DLC (Diamond-like Carbon)-Beschichtung verpasst. Das Schwungrad speckte ganze 700 Gramm ab. Gut für spontanes Hochdrehen. Und weil die Ducati 1199 Panigale R höher dreht, kürzten die Techniker die Übersetzung um zwei Zähne (15/41 statt 15/39). Gut für den Durchzug.

Aber „R“ heißt „Racing“, beste Performance auf der Rennstrecke. Ergo besitzt sie die leichten Schmiederäder und die Elektronik, die auch bereits die Ducati 1199 Panigale S auszeichnet: ABS, achtstufige Traktionskontrolle, drei Motor-Mappings, einstellbare Motorbremse. Und natürlich die elektronisch einstellbaren Öhlins-Federelemente. Dazu ein GPS-unterstütztes Data-Recording. Außerdem wird jede Ducati 1199 Panigale R zusätzlich mit einer Termignoni-Racing-Auspuffanlage mit passendem Mapping und einem höheren Racing-Windschild ausgeliefert. Mit diesen Teilen waren auch die Testmaschinen bestückt.

Karbonblenden über Federbein und Ansaugkanälen sparen noch einige Gramm und sehen schick aus. Für Racer aber viel wichtiger: Der Schwingendrehpunkt lässt sich in 2-mm-Schritten von zwei Millimeter höher bis vier Millimeter tiefer einstellen, um das optimale Setup herauszufinden. Der Aufpreis zur Ducati 1199 Panigale S ist mit 7000 Euro allerdings happig. Und was bringt’s? Abwarten.

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Video: Ducati 1199 Panigale S; Beschleunigung in Nardo.
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Video: Ducati 1199 Panigale R auf dem Circuit of The Americas.
Foto: Hersteller

So fährt die Ducati Panigale 1199 R

Raus auf die Strecke. Ende Start/Ziel, wo es einen gewaltigen Hang hinaufgeht, Spitzkehre - und wieder hinab stürzt sich die Strecke. Vollmundig röhrt die Ducati Panigale 1199 R aus den offenen Termignonis, hängt sehr direkt am Gas. Die Abstimmung des Ride-by-Wire sorgt nun für spontaneres, energischeres Öffnen der Drosselklappen. Kürzere Übersetzung, neues Mapping und offener Auspuff lassen die Ducati 1199 Panigale R im mittleren Bereich ausgesprochen druckvoll und freier wirken. Unter 7000/min noch verhalten, reißt der Twin darüber mächtig an und stellt die Panigale im zweiten Gang regelmäßig aufs Hinterrad.

Gewaltig, wie der 90-Grad-V2-Motor der Ducati 1199 Panigale R in der zweiten Drehzahlhälfte zur Sache geht, wie stramm er voranmarschiert, aggressiv aus der  Mitte lospowert. Ihn bis zum Begrenzer zu pushen bringt allerdings nicht viel, weil ab 11000/min der Leistungszenit bereits überschritten scheint. Doch bietet der Motor nun willkommene Drehzahlreserven, um vor der Kurve noch den einen oder anderen Schaltvorgang einzusparen.

Ansonsten reicht es, bereits knapp hinter 11000/min über den sensiblen Schaltautomaten den nächsten Gang hineinzudrücken. Die höhere Verkleidungsscheibe sorgt für beachtlichen Windschutz bis in Topspeed-Regionen. Und selbst über 290 km/h fangen die Monoblock-Zangen die Ducati 1199 Panigale R souverän wieder ein. Bei schnellen Schräglagenwechseln bietet zudem das mit einem speziellen Überzug versehene Sitzpolster ausgezeichneten Halt. Allerdings kann sie eine merkliche Nervosität im Geradeauslauf bei hohem Tempo nicht verhehlen.

Also kurz in die Box abbiegen, die Schwingenachse in die tiefste Position drehen lassen und gleichzeitig noch etwas mehr Druckstufe für die Gabel. Und wieder raus. Erstaunlich, was vier Millimeter Unterschied an der Schwingenachse bewirken. In den schnellen Schikanen verlangt die Ducati 1199 Panigale R zwar ein wenig mehr Nachdruck. Doch krallt sich nun der Hinterreifen noch erbarmungsloser in den Asphalt, bleibt das Heck beim Beschleunigen trotzdem ruhiger. Vor allem aber brennt sie nun wesentlich stabiler, satt und sauber über die lange Vollgas-Gerade. So werden vor allem ambitionierte Racer an den Features ihre Freude haben, womit die Erfolgsgeschichte der Ducati 1199 Panigale R weitergehen dürfte.

Foto: Ducati

Technische Daten Ducati 1199 Panigale R

Motor
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, desmodromisch betätigt, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 68 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 440 W, Batterie 12 V/6 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 41:15.
Bohrung x Hub 112,0 x 60,8 mm
Hubraum 1198 cm³
Verdichtungsverhältnis 12,5:1
Nennleistung 144,0 kW (196 PS) bei 10750/min
Max. Drehmoment 135 Nm bei 9000/min

Fahrwerk
Monocoque aus Aluminium, Upside-down-Gabel-, Ø 43 mm, mechanisch verstellbare Federbasis, elektronisch verstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, hydraulisch, Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein, liegend, mit Hebelsystem, elektronisch verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 330 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 245 mm, Zweikolben-Festsattel, ABS, Traktionskontrolle.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 200/55 ZR 17

Maße + Gewicht
Radstand 1437 mm, Lenkkopfwinkel 65,5 Grad, Nachlauf 100 mm, Federweg v/h 120/130 mm, Sitzhöhe* 825 mm, Trockengewicht* 165 kg, Tankinhalt 17,0 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farbe Rot
Preis 31690 Euro
Nebenkosten 305 Euro

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