Test: Elektro-Enduro Quantya Strada Elektro-Enduro mit Straßenzulassung

Kein Sound, kein Auspuff und doch ein Motorrad? Richtig, die erste straßenzulassungsfähige Elektro-Enduro – die Quantya Strada.

Foto: Jahn
Die Wandergruppe gibt den Weg nur widerwillig frei. Der Streit scheint programmiert. Und doch sind die Damen und Herren in Kniebundhosen verunsichert. Sie sehen ein Motorrad, hören es aber nicht. Was sie vernehmen, sind die Worte der Fahrer: "Vielen Dank, und noch ’nen schönen Tag." Das plötzlich freundlich klingende "Gleichfalls" hört der Motorradler nicht mehr. Er ist bereits hinter der nächsten Biegung verschwunden – so geräuschlos wie er kam. Alltag auf der Quantya, der ersten straßenzulassungsfähigen Enduro mit Elektromotor.

Quantya, kein Lärm, kein Abgas und dennoch ein Motorrad. Oder sagen wir Moped. Immerhin darf die Strada, so ihr Modellname bereits, ab 16 Jahren mit dem A1-Führerschein gefahren werden. Viel dran ist ohnehin nicht an dem im schweizerischen Lugano produzierten Offroad-Bike. Einfacher Rohrrahmen mit Stahlschwinge, eine 41er-Upside-down-Gabel, ein nicht einstellbares Zentralfederbein, zwei Scheibenbremsen. Quasi eine Mischung zwischen Downhill-Mountainbike und 125er-Enduro. Tut aber zunächst wenig zur Sache. Denn was zählt, ist der Antrieb. 17 PS leistet der Elektromotor, der Lithium-Polymer-Akku bietet modernste Speichertechnik. Zündschlüssel umdrehen, fertig. Danach reicht es, Gas zu geben und zu bremsen. Schalten und kuppeln wird überflüssig, der Motor besitzt weder Kupplung noch Schaltgetriebe. Braucht er auch nicht. Denn Elektromotoren entwickeln bereits bei geringen Drehzahlen hohes Drehmoment.
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Foto: Jahn

Lautloser Auftritt

So packt die Quantya aus dem Stand bissig an, beschleunigt sogar eine der sportlichsten 125er, die Yamaha YZF-R 125, bis 50 km/h um eine halbe Sekunde aus, schiebt weiter bis auf Topspeed 70. Lässt sich zudem spielerisch leicht in die Ecken werfen und bremst gut. Toll – und trotzdem nur zweitrangig. Denn auf der Quantya ist die Welt nicht mehr die selbe. Der lautlose Auftritt eröffnet verblüffende Perspektiven. Der Abstecher auf den Waldweg, obwohl auch für elektrobetriebene Fahrzeuge eigentlich nicht erlaubt, wird meist toleriert. Der kleine Offroad-Parcours hinterm Haus – wen stört er?

Der stille Weg zur Arbeit oder zur Schule hängt dagegen stark von der Einsatz-Intensität ab. Bei Vollgas auf der Landstraße ist nach einer halben Stunde Schluss. Im Stadtverkehr oder bei der motorisierten Feldbegehung sind deutlich über eine Stunde Laufzeit drin. Danach fallen gerade mal etwa 50 Cent Stromkosten an. Nach einer Stunde sind 80 Prozent der Kapazität erreicht, die volle Ladung dauert drei Stunden. Was die Zukunfts-Euphorie momentan allerdings dämpft, ist der Preis der Quantya: 9531 Euro verwandelt die Elektro-Enduro eher in eine Kristallkugel, die andeutet, was in der Zukunft möglich sein wird. Zumal die Akku-Entwicklung derzeit rasend schnell voranschreitet.

Dennoch: Die Zukunft in der Gegenwart erlebbar machen zwei sogenannte Quantya Parks im bayerischen Siegsdorf und Landshut. Dort lässt sich für 15 Euro pro Viertelstunde auf Miet-Maschinen Captain Future spielen – in aller Stille.
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