Test: Elektrobike Elektrobike Elmoto HR2

Es fährt mit Strom, erregt selbst an schicken Szeneclubs sofort Aufsehen und ist komplett "made in Germany". Das Elmoto lädt Elektronauten zu Entdeckungstouren ein.

Fotos: Bilski

"Das ist ja cool!" Jürgen, der einen 100er-Roller und einen Neunelfer-Porsche pilotiert, ist begeistert. Den Lifestyle-Test besteht das Schwäbische Stromerle, konstruiert und gebaut in Baden-Württemberg, mit Bravour. Nicht schlecht, Versicherungskennzeichen, gesetzlich limitiert Tempo 45 fahren und dennoch cool daherkommen. Liegt am trendigen Design des motorisierten Mountainbikes aus Stuttgart.

Für amtlichen Auftritt sorgt der stilsichere Komponentenmix: Rahmen und Schwinge wirken extrem wuchtig, sind aus federleichter Aluminiumlegierung geschweißt und pulverbeschichtet. Schmal und lang thront die harte Einmannsitzbank 89 Zentimeter hoch (!). Hochwertige Mountainbike-Teile bestücken das unkonventionelle Fahrzeug: Magura-Hydraulikbremsen mit Wave-Bremsscheiben (Vorderbremse links betätigt), Downhill-Gabel von Marzocchi, Stereofederbeine, "Crazy Bob"-Reifen von Schwalbe.Im Fahrbetrieb kommt der lautlose Antrieb bei den staunenden Passanten prima an, geht niemandem auf die Ohren. Gespeist von 96 Lithium-Ionen-Handyzellen versetzt ein unscheinbarer, 2,7 PS starker Radnabenmotor das Hinterrad direkt in Schwung. Er treibt das 47-Kilogramm-Fliegengewicht mit gutem Drehmoment an. Bloß an heftigen Steigungen fällt die Geschwindigkeit im Extremfall mal auf 30 km/h ab. Die Bedienung ohne Kupplung und Getriebe ist intuitiv. Lästig sind das fehlende Lenkschloss und die Handzeichen beim Abbiegen. Dazu muss rechts die Hand vom Drehgriff genommen werden (Blinker kosten extra).

Das ideale Stadtvehikel lädt zu spaßigen Entdeckungstouren im urbanen Raum ein. Es schafft selbst in Stuttgarts bergiger Topographie locker rund 60 Kilometer am Stück, ehe es an die Steckdose muss. Kosten für eine Batterieladung: rund 50 Cent. Mindestens 1000 Ladezyklen sind garantiert. Bremsenergierückgewinnung gibt es noch nicht. Doch Hallsensoren an den Bremshebeln stoppen beim Bremsen den Stromfluss (Schubabschaltung). Trialartige Passagen klappen auf den großen, schmalen Reifen kinderleicht; Elmoto wendet auf dem Handteller.

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Je enger die Kurven, desto flotter fährt das freche Öko-Bike. Handlich wie ein Fahrrad, schlägt es Haken wie ein Hase. Bei Topspeed allerdings wird es kippelig. Und auf Buckelpisten äußerst unruhig. Die Gabel mit hohem Losbrechmoment spricht grob an, federt "schrittweise", in Stufen. Und schnellt, einmal eingefedert, wieder raus wie ein Springball. Zugstufendämpfung gering. Daran hapert es auch bei den bockigen Federbeinen. Geschenkt. Seit Juli 2010 rücken in Stuttgart 500 "Elektronauten" für ein Jahr mit einem Elmoto aus, gesponsort vom Energieversorger EnBW. Sie sehen ihre Stadt mit anderen Augen. Garantiert.

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Foto: Bilski

Technische Daten

Bürstenloser Elektro-Nabenmotor, Spitzen-leistung 2 kW (2,7 PS) bei 440/min, max. Drehmoment 50 Nm am Hinterrad, Höchstgeschwindigkeit 45 km/h, Nennspannung 48 Volt, 96 Lithium-Ionen-Akkus, Batteriekapazität 25 Ah, Reichweite maximal 65 Kilometer, Batterieladezeit 2-5 Stunden (je nach Ladegerät), Rahmen und Schwinge aus Aluminium, zwei Federbeine, Reifen24 x 2,4 Zoll, je eine Scheibenbremse vorn und hinten, Gewicht 47 kg, Zuladung 148 kg, Preis: 4199 Euro, Infos: www.elmoto.com

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