Test Gilera GP 800 Große Sause

Noch nie war ein Roller so leistungsstark, noch nie war ein Roller so schnell. Ist der Gilera GP 800 überhaupt noch ein richtiger Roller?

Foto: Künstle
Autobahn, linke Spur, Tempo 160. Der Golf zieht rechts rüber. Endlich kann der Gilera vor-bei und locker weiterbeschleunigen. 180, 190 sind schnell erreicht. Aber es geht noch weiter. 200, 210. Erst kurz vor 220 km/h findet die Tachonadel auf dem Ziffernblatt Ruhe, weil der V-Zweizylinder unter der Vollverschalung sanft in den Begrenzer läuft. Unglaublich! Auch wenn die Geschwindigkeitsanzeige etwas voreilig ist, noch vor wenigen Jahren wären die 193 km/h, die Gilera offiziell für den GP 800 angibt, schier undenkbar gewesen. Und Gileras neuer Überroller steckt das Tempo locker weg, was für die stabile Rohrrahmenkonstruktion, die großen, vorn 16- und hinten 15-Zoll-Räder, aber auch für die gute Fahrwerksabstimmung spricht.

Stolze 272 Kilogramm wiegt der mit 2237 Millimeter ellenlange Scooter, den man am besten schwungvoll mit dem rechten Bein über die Sitzbank wie ein Motorrad besteigt. Der hohe Mitteltunnel zwingt zu solch akrobatischen Einlagen.

Einmal in Fahrt, spürt man das hohe Gewicht nicht mehr. Leichtfüßig schwingt der GP 800 von Kurve zu Kurve, lenkt präzise ein, zieht zielsicher seine Radien. Sensibel sprechen die Federelemente an, finden in der Dämpfung eine gute Balance zwischen nötigem Komfort und sportlicher Härte. Die Bremsen geben sich bei mittlerer Handkraft betont wirkungsvoll. Dann noch der Motor, der aus jedem Geschwindigkeits­bereich kräftig lossprintet und direkt am Gas hängt – damit spielt der Gilera eher in einer Liga mit dem Yamaha TMax als mit dem luxu­riösen Suzuki Burgman 650.

Und auch sonst unterscheidet er sich stark vom Burgman. Bis auf das Fach unter der Sitzbank, in das nicht viel mehr als ein Integralhelm passt, ist beim Gilera kein weiterer Stauraum vorhanden. Der Windschutz der kleinen, elektrisch höhenverstellbaren Scheibe ist mäßig. Und während man beim Burgman zwischen zwei Automatikstufen oder sequentiellem Schalten wählen kann, übernimmt beim Gilera immer die Automatik den Gangwechsel. Erstaunlich, da die Aprilia Mana, die den gleichen Motor besitzt, die Wahlmöglichkeit ebenfalls bietet. Des weiteren ist derzeit kein ABS für den GP 800 lieferbar, und statt eines wartungsfreien Endantriebs besitzt er eine Kette, die regelmäßig geschmiert werden muss – was alles andere als rollertypisch ist.

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