Test Honda FES 250 Foresight Große Klasse

Mit dem FES 250 Foresight will Honda verlorenen Boden in der Roller-Oberklasse wieder gutmachen.

Das Comeback war fällig. Schließlich galt Honda in der Vergangenheit als Vorreiter in Sachen Groß-Roller. Mit dem Helix CN 250 sorgten die Japaner für Verblüffung beim Publikum und lange Gesichter bei der Konkurrenz, doch mittlerweile ist der Grandseigneur aller Sofa-Roller in die Jahre gekommen. Beim Antrieb ihres neuen Groß-Scooters beschränkten sich die Honda-Ingenieure auf eine Überarbeitung des Helix-Viertakters, verpflanzten ihn aber in ein neues Fahrwerk.
Sanft rückt die Fliehkraftkupplung ein und setzt den massigen Roller in Bewegung. Extrem leise und weitgehend vibrationsfrei werkelt der Viertakter unter dem roten Plastikkleid vor sich hin. Dabei fehlt es dem von 17 auf 19 PS erstarkten Zweiventil-Single nicht an Leistungsvermögen: In 3,7 Sekunden beschleunigt der Foresight von null auf 50 km/h, in knapp neun Sekunden auf 80 km/h - unter Rollerfahrern beachtliche Werte. Ebenso wie die Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h, die der Honda allerdings erst nach längerem Anlauf erreicht.
Das Fahrwerk legimiert den Foresight als würdigen Helix-Erben. Derart weich und bequem durch die Lande gleiten kann man derzeit wohl kaum mit einem anderen Roller. Kleinere Unebenheiten schlucken die Federelemente weg, ohne auch nur einen Hauch davon an die Besatzung weiterzugeben. Der Pilot kann sich außerdem über seine bequeme Sitzposition und den guten Windschutz freuen. Den Beifahrer hingegen trifft wegen des erhöhten Sitzkissens der Fahrtwind beinahe ungehindert, und die nur rudimentär vorhandenen Fußrasten zwingen ihn zu einer unnatürlichen Beinhaltung.
Die Kehrseite des weich ausgelegten Fahrwerks: Der Foresight rollt leicht schwammig um Biegungen, sportliche Fahrweise bestraft er zudem mit aufsetzendem Hauptständer und deutlichem Kippen um die Längsachse. Doch auch wenn’s nur geradeaus geht, bringt die lenkerfest montierte Scheibe bei schneller Fahrt deutliche Unruhe in das Fahrwerk.
Licht und Schatten auch bei den Bremsen. Das Honda-eigene Verbundbremssystem CBS verzögert den Foresight zwar vehement und sicher, ist aber sehr gewöhnungsbedürftig. Weil der linke Handhebel auf Vorder- und Hinterradbremse wirkt, der rechte dagegen nur auf zwei der drei vorderen Kolben, muß die linke Hand die Hauptarbeit erledigen. Die Feststellbremse, bei der mit einem Druckknopf der linke Bremshebel blockiert wird, läßt sich nur mit großem Kraftaufwand bedienen.
Ansonsten glänzt der Foresight mit durchdachter Ausstattung und perfekter Funktion. Das Helmfach ist großzügig, das Licht mit dem Freiflächen-Doppelscheinwerfer der CBR 1100 XX Extraklasse, und die Armaturen sind ebenso übersichtlich wie komplett. Das alles hat natürlich seinen Preis: 9790 Mark sind für den Foresight fällig, vielleicht viel für einen Roller, aber wenig für einen solchen Genuß-Gleiter.

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