Test Honda XR 125 L Der Preis ist heiss

2890 Euro – damit räubert die neue Honda XR 125 L im Preissegment der chinesischen und koreanischen Hersteller. Japan-Qualität zum China-Preis?

Foto: fact
Honda XR 125 L im Test
Honda XR 125 L im Test
Die meisten kennen das Problem, auch wenn es vielleicht schon ein paar Jahre her ist. Den Führerschein
vom Munde abgespart, der coole Replika-Helm, die restliche Schutzbekleidung
waren Geburtstags-Weihnachts-Ostergeschenke, und im Geldbeutel herrscht Ebbe. Wie also die Eltern davon überzeugen, dass nun noch ein neues Motorrad her muss? Günstig, mit bewährter Technik und japanischer Qualität – das wäre doch eine gute Argumentationsgrundlage.
An der Ausstattung hat Honda bei der XR 125 L jedenfalls nicht gespart. Feudal lässt sich der luftgekühlte Viertakter per E-Starter zum Leben erwecken. Anfahren wird jedoch zum Fingerspiel, will man das Triebwerk nicht direkt wieder abwürgen: Die Anfahrschwäche der Honda muss mit hoher Drehzahl und schleifender Kupplung überspielt werden.
Natürlich kann man von den ange-
gebenen und gemessenen elf PS keine
Heldentaten erwarten, mit denen die
Honda nicht mal das gesetzliche Limit von 15 PS ausschöpft. Immerhin hält sie der Viertakter von 7000 bis 10000/min.
Die elf Pferdestärken bringen die Bremsen praktisch nie in Verlegenheit. So reicht die Trommelbremse hinten
vollkommen, um das Rad jederzeit zum Stillstand zu zwingen. Und die Scheibenbremse vorne packt so vehement zu, dass sie unbarmherzig die Schwächen der Gabel aufdeckt. Dem Kürzel XR, das bislang den kompromisslosen Crossern von Honda vorbehalten war, werden
die Federelemente keineswegs gerecht.
Aufgrund mangelnder Dämpfung schlägt
die Gabel beim harten Bremsen schnell durch, und auch das Federbein kommt bei voller Zuladung schon auf der Straße schnell an seine Grenzen. Im Gelände sind die Federelemente der XR schlicht überfordert.
So erhält man für 2890 Euro zwar ein japanisches Markenprodukt, das jedoch wegen der Fahrwerksschwächen und
des kraftlos wirkenden Motors keine rechte Begeisterung aufkommen lässt. Und dazu noch ein eher konservatives Design – da bleibt abzuwarten, ob die Jugendlichen die anstrengenden Verhandlungen mit den Eltern auf sich nehmen.

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