Test Hyosung GT 125 R Im roten Bereich

Understatement ist nicht das Ding der Hyosung GT 125 R. Hüllt sich selbstbewusst in die schnittige Vollverkleidung der GT 650 R, protzt dazu mit elektronischem Cockpit. Ihr Vorderrad führt sie
in einer stabilen, wenn auch nicht einstellbaren Upside-down-Gabel, und ein in der Vorspannung justierbares Zentralfederbein mit Umlenkung übernimmt die Dämpfungsarbeit an der Hinterhand.
Befeuert wird die heiße Rote durch einen luftgekühlten Viertakt-V2, der seine Zylinder im ungewöhnlichen Winkel von 75 Grad spreizt. Jeweils zwei oben liegende Nockenwellen kümmern sich um die Steuerung der vier Ventile pro Zylinder. Für das thermische Wohlbefinden ist ein Ölkühler zuständig. Ein enormer baulicher Aufwand für 14 angegebene und gemessene PS.
Die Pferdchen sind allerdings von der hochtourigen Sorte. Für flottes Anfahren sind wenigstens sieben-, besser noch achttausend Umdrehungen nötig. Scheu vor hohen Drehzahlen sollte man auf der GT 125 ohnehin nicht haben. Denn richtig Leben kommt erst ab 9500/min in die zwei Zylinder. 1000 Umdrehungen später droht zwar bereits der rote Bereich. Ihre Spitzenleistung erreicht sie dennoch erst jenseits dieser Marke bei 11000/min. Und wer
sie mit Topspeed über die Autobahn jagt, treibt die Drehzahlmessernadel eben-
falls weit in den roten Bereich hinein. Auf flüssig geschwungenen Landstraßen reicht ihr Temperament für flottes Vorankom-
men allemal. Nur an Steigungen verlangt das 125er-Aggregat ziemlich schnell nach dem nächst niedrigen Gang und Drehzahlen. Rein akustisch wirkt der kleine Zweizylinder bei aller Drehfreude etwas angestrengt, gefällt dafür durch ausgesprochen gute mechanische Laufkultur.
Noch besser ist jedoch, was die GT 125 R in Sachen Wendigkeit auf Lager hat. Extrem handlich klappt sie in Kurven, reagiert in Schräglage fast schon übersensibel auf den leisesten Lenkimpuls.
Dem sportlichen Anspruch der GT 125 R nicht ganz gerecht wird die Einscheiben-Bremsanlage im Vorderrad. Aus dem Doppelkolben-Schwimmsattel lässt sich nur mit kräftiger Hand angemessene Verzögerung herauspressen. Dabei würden das straffe, allerdings auf Absätzen unsensible Federbein und die relativ soft abgestimmte, gut ansprechende Gabel sportliches Tempo durchaus verkraften. Überhaupt kommt der Komfort auf der GT 125 R nicht zu kurz. Die Ergonomie passt langen und kürzeren Piloten gleichermaßen, die Lenkerstummel liegen angenehm zur Hand, und die Rasten sind, ein Novum bei einer 125er, in mehreren Positionen justierbar. Dazu hält die Hyosung nette Dinge wie ausreichend Gepäckhaken oder praxisgerechte Rückspiegel bereit. Ausgedehnten Touren steht also nichts im Weg, zumal ihr der üppige 17-Liter-Tank einen enormen Aktionsradius beschert.
Getrübt wird die Freude nur beim Blick ins Detail. Grobschlächtige Verkleidungshalter oder nicht einstellbare Handhebel sollten angesichts des mehr als stolzen Preises von 4470 Euro nicht sein. Wie es um das Stehvermögen der Hyosung bestellt ist? Das stellt die GT 125 R derzeit als neues Mitglied unseres Dauertest-Fuhrparks unter Beweis. abi

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