Test Jawa 650 Style Style-Vorlage

Klassische Straßen-Einzylinder im Stil einer Yamaha SR 500 oder Honda XBR 500 sind völlig aus der Mode gekommen. Jetzt zielt Jawa, Tschechiens letzte, ruhmreiche Motorradfirma, mit der 650 Style in diese Marktlücke.
Osteuropäisch rustikal aufgehübscht, knüpft sie stilistisch an das noch in den 90er Jahren gebaute Modell 639 an, Jawas letztes Straßenmodell mit einem 350er-Zweitakter. Von diesem veralteten Motor hat man sich getrennt, die neue Style wird angetrieben vom wassergekühlten Rotax-Viertakter, der schon seit langem in der BMW F 650 kraftvoll und zuverlässig Dienst tut. Technisch eher konservativ ist die Peripherie ausgestattet: keine Benzinpumpe, keine Einspritzung, kein lambdasondengeregelter Katalysator, keine Drosselklappensensoren, daher auch nur Euro 2. Stattdessen ein 33er-Bing-Vergaser mit Choke zur Kaltstarthilfe, mit dem der Einzylinder zwar etwas zögerlich am Gas hängt, aber der die Style letztlich doch noch recht munter vorantreibt.
Auf der Prüfstandsrolle lieferte der Single in der Jawa immerhin 45 PS, doch weist die Leistungskurve eine sichtbare Delle bei rund 3500/min auf, die auch im Fahrbetrieb deutlich spürbar ist. Im Schnitt 5,4 Liter Superkraftstoff auf 100 Kilometer Landstraßenbetrieb genehmigt sich der
Rotax-Einzylinder. Kein Spitzenwert, der in Verbindung mit dem 17 Liter fassenden Tank zu einer Reichweite von mehr als 300 Kilometer führt.
Die lassen sich bei bequem aufrechter Sitzposition und solide gepolsterter Sitzbank locker auf einer Backe abrutschen. Komfortabel geben sich auch die einfach gehaltenen Federelemente, zeigen allerdings früh ihre Grenzen auf. Forsche Gangart quittiert die Style mit schwammigem Fahrverhalten, und der Schräglagenfreiheit sind enge Grenzen gesetzt. Außerdem zeigt die Gabel bei den durchaus gut verzögernden Scheibenbremsen auf löchriger Strecke schon mal ihre Durchschlagskraft.
Jawas Straßen-Single steht auf klassischen Drahtspeichenrädern mit 16 Zoll Durchmesser. Sie sind Garanten für leichtes Handling. Doch bei der Wahl der Bereifung haben die Tschechen aufs falsche Pferd gesetzt. Die flach konturierten, heimischen Mitas-Pneus mögen zwar gut für den Gespannbetrieb sein (die Style wird auch mit Beiwagen geliefert), doch im Soloeinsatz geben sie sich kippelig und besitzen nur mäßige Haftung. Dafür kostet das Pärchen inklusive Montage gerade mal 120 Euro. Angesichts des Einstandspreises der 650 Style von 6420 Euro inklusive Nebenkosten ein schwacher Trost. nk

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