Supersportler Einzeltest: Die Ninja 2010 Kawasaki ZX-10R

Die Grünen müssen nicht ständig das Supersport-Motorrad neu erfinden. Deshalb geht für 2010 die ZX-10R nur leicht modifiziert an den Start.

Foto: Bilski
Bislang war es in der Supersport-Branche üblich, die Kundschaft im Zweijahres-Rhythmus mit komplett neuen Kanonenkugeln zu beglücken. Die Taktik war dabei meist dieselbe: Gewicht runter, Leistung rauf. Bei den sportlichen Tausendern jedoch stagnieren diese Eckdaten seit einiger Zeit und liegen aktuell bei knapp über 200 Kilogramm und rund 180 PS (Ausnahme BMW S 1000 RR). Nicht nur chronische Fortschrittsverweigerer und notorische Langsamisten fragen sich angesichts der daraus resultierenden Fahrdynamik, ob eine weitere Optimierung des Leistungsgewichts a) überhaupt sinnvoll und b) außerhalb geschlossener und idealerweise ringförmiger Anstalten auch nur ansatzweise umsetzbar ist.
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Foto: Kawasaki
Ähnliche Gedanken könnten die Verantwortlichen bei Kawasaki umgetrieben haben. Denn soviel ist klar: Wer die ZX-10R Modelljahr 2010 von der Vorgängerin unterscheiden will, braucht einen Blick fürs Detail. So wurde die Verkleidung zwar komplett neu gezeichnet, ist aber dem Vorjahresmodell so ähnlich, dass sie nur im direkten Vergleich zu unterscheiden ist. Das gilt auch für den Auspuff. Form und Volumen sind identisch, lediglich in Endkappen-Design und Oberfläche gibt es Unterschiede. Und so wundert es nicht, dass die Neue ganz die Alte ist.
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Foto: Bilski
Die Prüfstandskurven sind quasi deckungsgleich, die Unterschiede liegen im Rahmen der Messtoleranz. Und so geht auch die aktuelle Ausbaustufe im unteren Drehzahlbereich recht verhalten ans Werk, um just mit Erreichen des grünen Bereichs auf dem Drehzahlmesser bei 6000 Umdrehungen um so energischer an der Kette zu ziehen. Eine Eigenschaft, die auf den kleinen und engen Bergsträßchen, auf denen dieser Test stattfand, durchaus wache Sinne erfordert. Die aber zum Wesentlichen der Marke Kawasaki passt. Die Grünen wollen immer ein bisschen böse sein, und die Zehner ist es auch. Die betont sportliche Sitzposition vermittelt ein gutes Gefühl für das Vorderrad.
Foto: Bilski
Die Bremse, einmal auf Temperatur gebracht, glänzt mit klarem Druckpunkt, geringer Handkraft, guter Dosierbarkeit und kräftiger Wirkung. Ebenso das Fahrwerk, das es erlaubt, die einmal eingeschlagene Linie blitzschnell zu korrigieren, wenn es die um diese Jahreszeit auch in Südfrankreich durchaus vorhandenen Eisplatten hinter der Biegung erfordern.

Bleibt letztendlich die Preisfrage. Solange Kawasaki Vorjahres-Jackpot-Modelle für 11995 Euro anbietet, gibt es harte interne Konkurrenz.
Zeichnung: Archiv

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 43 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 424 W, Batterie 12 V/10 Ah, me-chanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 41:17.
Bohrung x Hub 76,0 x 55,0 mm
Hubraum 998 cm3
Verdichtungsverhältnis 12,9:1
Nennleistung 138,0 kW (188 PS) bei 12500/min
Max. Drehmoment 113 Nm bei 8700/min


Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, Lenkungsdämpfer, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebel-system, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 190/55 ZR 17
Bereifung im Test Pirelli Diablo Corsa III vorne "N"


Maße und Gewichte:

Radstand 1415 mm, Lenkkopfwinkel 64,5 Grad, Nachlauf 110 mm, Federweg v/h 120/125 mm, Sitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 210 kg, Zuladung* 178 kg, Tankinhalt 17,0 Liter.Garantie zwei Jahre
Service-Intervalle 6000 km
Farben Grün, Schwarz, Weiß
Preis 14595 Euro
Nebenkosten zirka 180 Euro


Messwerte:
Fahrleistungen:

Höchstgeschwindigkeit(Messungen) 298 km/h

Beschleunigung
0-100 km/h 3,2 sek
0-140 km/h 4,7 sek
0-200 km/h 7,6 sek

Durchzug
60-100 km/h 4,2 sek
100-140 km/h 3,4 sek
140-180 km/h 3,5 sek

Tachometerabweichung
Effektiv (Anzeige 50/100)47/93 km/h


Verbrauch:

Landstraße 5,7 l/100 km/h
Kraftstoffart Super
Theoretische Reichweite 298 km

Foto: Kawasaki

Was ist neu?

Antrieb

  • Endschalldämpfer mit neuem Design
  • Überarbeiteter Schaltmechanismus


Fahrwerk

  • Lenkungsdämpfer mit neuem Design


Optik

  • stärker konturierte Frontverkleidung
  • neue Innenverkleidung
  • Seitenverkleidung neu gezeichnet
  • neues Dekor


Preis

  • 14595 Euro (2009: Listenpreis 13995) Euro, als Jackpot-Modell 11995 Euro) jeweils ohne Nebenkosten

Aufgefallen

Plus:
  • Bremse; kräftig, transparent, wirksam
  • Gasannahme: weich und direkt
  • Charakter: kompromisslos sportlich
  • Verbrauch: recht bescheiden
Minus:
  • Sitzposition: ziemlich unbequem
  • Bremse: ABS nicht erhältlich
  • Wartungsintervalle: mit 6000 km sehr kurz

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