Test Kawasaki ZZR 1400 Silver Surfer

Stärker, sauberer, schärfer: Die Kawasaki ZZR 1400 des Modelljahres 2008 wartet mit G-Kat, mehr Dampf und vielen feinen Modifikationen auf. Ebenfalls neu ist ihr silberner Lack.

Foto: Jahn

Pech für den Porsche-Fahrer: Ausgerechnet die mächtigste Kawasaki klebt bei sich öffnender, dreispuriger Bahn in seinem Rückspiegel. Nur einen Sekundenbruchteil später zieht die 1400er vorbei, als sei der Sportwagen ein VW Polo. Doch bei der Renovierung des Sporttourers für 2008 ging es um mehr als pures Tempo-Bolzen. Zwar fährt die ZZR nun 193 PS Nennleistung in den Papieren spazieren, drei mehr als bislang. Bei voller Fahrt sollen es dank Ram-Air-Effekts sogar noch einmal zehn PS mehr sein, wenn bei knapp 300 km/h die herzförmige Aussparung vorn in der Verkleidung nach kühler Luft schnappt, die dann mit über 80 Metern pro Sekunde einströmt.

Nach wie vor wird der Topspeed elektronisch eingebremst. Doch darauf kommt es nicht an. Wichtiger ist, dass der äußerlich unveränderte, modellgepflegte Sporttourer nun Euro-3-Zulassung hat. Dazu braucht er insgesamt drei Kats: Wie bisher je zwei in den Schalldämpfern und nun einen dritten im Zwischenrohr der im Inneren völlig neuen Auspuffanlage. Saubererem Abgas dienen ebenfalls vergrößerte Querschnitte des Sekundärluftsystems, feiner zerstäubende Einspritzdüsen und ein neues Motorsteuergerät. All das soll auch einen bulligeren Drehmomentverlauf bringen. Nachrüsten an alten 1400ern lassen sich die Teile indes nicht.

Schade, denn der 2006 erschienene Vorgänger, der den Dauertest über 50000 Kilometer mit Bravour bestand (MOTORRAD 3/2008), hatte eine Krux: Nicht gar so fett aus den Ecken zu drücken, wie man das von solch einem Boliden erwartet. Mit Schmackes aus den Kehren raus? Dann musste mitunter schon der erste Gang bemüht werden. Nun, beim 2008er-Modell, tut‘s auch der Zweite, man surft entspannt auf einer breiten Drehmomentwoge. Unter 3000 Touren zerren rund zehn Newtonmeter mehr an der Kette als zuvor. Allerdings sind‘s zwischen 5400 und 7300/min auch deren fünf weniger. Heißt in der Praxis: Besserer Durchzug von ganz unten, minimal schlechterer in der Mitte. Nicht spürbar ist, dass sich ganz oben „bloß“ echte 180 Pferde auf dem Prüfstand versammeln, sieben Prozent weniger als versprochen.

Anzeige
Anzeige

Sportliche Zugmaschine

Denn auch so stürmt die ZZR ab 6000 Touren nach vorn, als sei der Leibhaftige hinter ihr her. Wie das noch jenseits von Tempo 250 anreißt, einfach unglaublich. Die Tachonadel steigt wild, während die Kollegin im Drehzahlmesser ganz gelassen bleibt – willkommen in einer verrückten Welt. So viel Power erfordert vorausschauende Fahrweise. Um so erfreulicher: Die 1400er liegt stabil wie auf Schienen, die immense Zielgenauigkeit trifft hohes Überholprestige – beim Aufblenden brennen sechs Lampen die Spur frei. Die Bridgestone-Reifen BT 014 in Sonderkennung schlucken High-Speed-Attacken ungerührt. Nur beim Beschleunigen aus großer Schräglage heraus schmieren sie gern mal unvermittelt weg.

Das unangetastete Fahrwerk ist ebenso unerschütterlich-stabil wie komfortabel. Ein toller Kompromiss. Vor allem das Federbein agiert nahezu perfekt. Die Federn in der Upside-down-Gabel sind hingegen ein wenig weich. Die Front taucht beim Griff zu den radialen Vierkolbenbremsen relativ weit ab. Die Stopper sind im Gegensatz zum direkten Konkurrenten Suzuki Hayabusa mit ABS bestückt, und das auch noch serienmäßig und fein regelnd. Aufpreispflichtig sind der Hauptständer für happige 249,40 Euro und die höhere MRA-Tourenscheibe. Sie kostet 91,20 Euro und schirmt sehr ordentlich ab.

Die ZZR bleibt ein sehr verlässliches Motorrad. Eines, dessen Sitzposition, mit moderat tiefen Lenkerstummeln, gemäßigt sportlich ausfällt. Und 13795 Euro Grundpreis sind gegenüber Porsches ein Schnäppchen.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel