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Test: Die heiße BMW F 800 R in auffälligem Design BMW F 800 R "Toxico Azureus" im Kompakttest

Die Jungdesignerin Pamela Baehr hat die Toxico Azureus so auffällig und radikal wie noch nie gezeichnet.

So auffällig wie diese stand noch keine BMW F 800 R vor ihr auf den Rädern. Die Toxico Azureus hat Jungdesignerin Pamela Baehr (30) radikal anders gezeichnet, mit großem Rundscheinwerfer, funkelnden Speichenrädern und weiß-blauen Werks- wie Warnfarben: wie beim blauen Pfeilgiftfrosch Dendrobates azureus. Dass sein Gattungsname in Toxico, „giftig“, umgewandelt wurde, deutet an, dass dieser Roadster nicht nur optisch, sondern auch fahrdynamisch verfeinert wurde: „Klein, giftig, spritzig“ nennt Pamela Frosch und Motorrad.

Ein Power-Luftfilter von Blue, der sechseckige Remus-Sportschalldämpfer und vor allem die knackig-kürzere Übersetzung mit kleinerem Ritzel machen dem 85-PS-Reihentwin ganz schön Beine. Er beantwortet jeden klitzekleinen Dreh am Gasgriff mit spürbarem Schub-Zuwachs, untermalt von kernig blubberndem und bellendem Klang in Boxer-Art. Die akustische Illusion ist perfekt. Die optische, ein völlig neues Motorrad zu fahren, erst recht. Das hat Gründe. Pamela Baehr studiert seit 2008 Industriedesign. Nach dem Vordiplom sollte sie beim BMW-Spezialanbieter Wunderlich im Rahmen einer dreimonatigen Semesterarbeit eigentlich nur den Karl-Dall-Blick des Roadsters durch einen ästhetischeren, klassischen Rundscheinwerfer mit integrierten Originalinstrumenten ersetzen. So wie einst an der Münch 4 TTS 1200 Mammut.

Doch was so simpel klingt, war „eine echte Herausforderung“. Die F 800 R ließ sich kaum „retroisieren“. Daher entwickelte Pamela ein neues Konzept: „futuristisches Retrodesign.“ Was klingt wie ein Widerspruch in sich, zieht sich konsequent durch von Front-Kotflügel bis Heckverkleidung.

„Karbon statt Chrom“ lautet Pamelas Motto. Weiß-blau getüncht, so wie an der Tankattrappe überm Luftfilter, und in „Negativ-Lackierung“: Die Zierlinien sind einfach der freie Blick auf darunterliegendes Echt-Karbon. Verdammt flott und frech schwingt diese 800er durchs Kurvenrevier. Ihre Kineo-Speichenräder sind optisch attraktiv und technisch innovativ, mit CNC-gefrästen Alufelgen plus Naben und schlauchlos-tauglich. Dazu sind sie leichter als die Seriengussfelgen, reduzieren die ungefederten Massen. Und lassen die Toxico Azureus ansatzlos direkt abklappen, klasse handlich, spielerisch. Wie an der Schnur gezogen, fast schon telepathisch, pfeilt diese F 800 R durchs Asphaltdickicht. Hochpräzise und stabil. Fein folgt das modifizierte Öhlins-Federbein jeder Art von Fahrbahnrelief. Ein Gedicht ist die Gabel, das Meisterstück des Wunderlichen Fahrwerks.

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Foto: Schmieder
Klein, giftig, spritzig ist diese 800er. Ihr weiß-blaues Warnkleid erinnert an den Pfeilgiftfrosch.
Klein, giftig, spritzig ist diese 800er. Ihr weiß-blaues Warnkleid erinnert an den Pfeilgiftfrosch.

Wahnsinn, was sie wegfiltert. Äußerlich original, sitzen im Inneren Kartuschen-Einsätze aus einer ehemaligen IDM-Yamaha R6. Wo die billige Seriengabel recht plump federt wie dämpft und wenig Reserven bietet, sind Ansprechverhalten und Durchschlagssicherheit für rund 2000 Euro Teilekosten (!) nun grandios. Die Toxico Azureus ist ein sportiver Gleiter mit richtig Brems-Biss!

Pamela plant bereits ein neues Motorrad für ihre Diplomarbeit, eine Kreuzung aus Supermoto und Straßenmotorrad. Die nächste Mutation, das nächste süße Gift.

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Foto: Schmieder
Von der Muse geküsst: Die heiße BMW entwarf Jungdesignerin Pamela Baehr.
Von der Muse geküsst: Die heiße BMW entwarf Jungdesignerin Pamela Baehr.

Umbau-Infos

Als Projekt und Studienarbeit bleibt diese spezielle BMW F 800 R ein Einzelstück. Ihren exklusiven und einzigartigen Rundscheinwerfer kann man nicht kaufen. Wohl aber viele andere Komponenten aus dem riesigen Wunderlich-Programm. Dazu zählen:
Öhlins-Federbein: 499 Euro
Brems-/Kupplungshebel einstellbar: je 119 Euro
Aluminiumlenker: 99 Euro
Schutzgitter für Wasserkühler: 69,90 Euro
Remus-Endschalldämpfer: 499 Euro
Schutz für Ölfilter/Wärmetauscher: 99,90 Euro
LED-Rücklicht: 149 Euro
Abschließbarer Ölstopfen: 44,90 Euro
Karbonteile (komplett): 1400 Euro
Bremsscheiben Moto-Master vorne: je 229 Euro
Die wunderschönen, leichten Speichenräder von Kineo bietet Wunderlich nicht an, der Satz kostet zirka 2400 Euro. Infos zur Lackierung: www.lcw-aw.de
Kontakt: Wunderlich GmbH, Kranzweiherweg 12, 53489 Sinzig, Telefon 0 26 42/97 98-0,
www.wunderlich.de

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