Test Kreidler Supermoto 125 DD

Die Kreidler Florett war das Synonym für das deutsche Moped-Wunder. Die Supermoto 125 DD möchte für eine erfolgreiche Kreidler-Zukunft stehen.

Foto: Künstle

Alfred Kreidler wäre diese Entwicklung bestimmt nicht geheuer gewesen. China statt Kornwestheim, Upside-down statt Faltenbalg – in der globalisierten Welt gehen die Uhren eben anders. Doch dass der Name Kreidler nach Jahren des Exils im Fahrradwesen (siehe Kasten oben rechts) wieder im angestammten Terrain zuhause ist, würde ihn gewiss zuversichtlich stimmen.

Kreidler is back. Nicht erst seit gestern, in Taiwan und China wurden schon länger Roller unter dem Kreidler-Label gefertigt. Jetzt aber mit noch mehr Schwung. Gleich neun Modelle präsentierte die Kreidler Europe Motor GmbH mit Sitz im ostwest-fälischen Rheda-Wiedenbrück auf der letzten Intermot, lag mit rund 1500 verkauften Einheiten von der Supermoto/Enduro bis November vergangenen Jahres gar hinter Honda und Yamaha auf Platz drei der Zu-lassungsstatistik im 125er-Bereich.

Angesichts dessen, was die flott gestylte Supermoto schon auf den ersten Blick für richtig kleines Geld (2299 Euro inklusive Nebenkosten) bietet, kein Wunder. Massive 41er-Upside-down-Gabel, flotte 3,25- und 3,75-Zoll-Speichenräder, Wave-Bremsscheiben vorn wie hinten und eine sportliche Linienführung wecken umgehend den hoffnungsvollen Nachwuchsdrifter im Zweirad-Youngster. Kein Wunder, dass laut Kreidler-Geschäftsführer Gerd Müller über 60 Prozent der Supermoto mit 80-km/h-Drosselung verlangt werden. Kreidler bietet diese Variante ohne Aufpreis an.

"Da ist ja auch nicht viel zu drosseln", könnte man jetzt lästern. Und hätte insofern Recht, als der China-Motor (technisch weitgehend identisch mit dem Suzuki DR 125-Antrieb, der im gleichen Werk gefertigt wurde) gemessen an modernen Konstruk-tionen kaum etwas zu bestellen hat. 11,4 PS drückt das Motörchen an der Kurbelwelle bei rund 9000/min ab. 9,8 Newtonmeter und eine ganz gelassene Gasanahme machen Beschleunigungsdrifts unmöglich. Dazu tragen auch die ultraweichen Heidenau K66-Reifen bei, die satten Grip in allen Lagen liefern, aber selbst bei diesem maßvollen Leistungsangebot am Hinterrad rasant verschleißen.

Daneben gibt es jedoch auch allerhand Gutes zu vermelden. Das Fahrwerk agiert überraschend souverän und würde sicher mehr Leistung vertragen. Handlich kippt die Supermoto in Schräglage, hält sich dort lange stabil und liefert bis zu jenem Moment satte Rückmeldung, an dem die feine Zielgenauigkeit einer spürbaren Kippeligkeit Platz macht. Auch die Bremsen agieren auf klassenüblichem Niveau. Dazu geht die Verarbeitung in Ordnung, vom langsam sich ablösenden Marken-Emblem einmal abgesehen. Das hätte es unter Alfred Kreidler in Kornwestheim sicher nicht gegeben.
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Positiv und Negativ

Positiv:
Fahrwerk handlich und stabil
Bremsen packen kraftvoll zu
Technik einfach aber robust
Ausstattung umfangreich und gut

Negativ:
Spitzenleistung mäßig
Reifen sehr verschleißfreudig


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Von Schwaben nach China

Die Geschichte von Kreidler in Kornwestheim begann mit der Produktion von Feindrähten. 1903 gründete Anton Kreidler das erste Werk dieser Art in Baden-Württemberg. Zweiräder wurden erst ein Thema, als Sohn Alfred, Maschinenbauingenieur und Motorradfan, 1942 die Firma übernahm und ab 1949 die K 50 entwickelte, die er 1951 auf der IFMA vorstellte. Fünf Jahre später, 1956, feierte dort die Kreidler Florett Premiere, die ein überwältigender Erfolg wurde.
Wie überhaupt die Kreidler-Zweiradgeschichte bis dahin Erfolgsgeschichte war. Am 28. April 1976 verlässt das 1000000ste Fahrzeug das Band. 1978/79 bricht dann der Markt für Kleinkrafträder aufgrund der hohen Versicherungsprämien zusammen. Am 12. März 1982 ist der endgültige Konkurs nicht mehr abzuwenden. Heute liegen die Namensrechte beim Fahrradhersteller Prophete in Rheda-Wiedenbrück, der 1995 mit Taiwan-Rollern in den Markt einstieg und seit Ende 2006 Kreidler-Leichtkrafträder in China fertigen lässt.
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Motor
Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, eine obenliegende, ket-tengetriebene Nockenwelle, zwei Ventile, Kipphebel, Rundschiebervergaser, Ø 22 mm, U-Kat, Lichtmaschine 120 W, Batterie 12 V/
9 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kette.
Bohrung x Hub    57,0 x 48,8 mm
Hubraum    125 cm³
Verdichtungsverhältnis    9,5:1
Nennleistung: 8,4 kW (11,4 PS) bei 9500/min
Max. Drehmoment: 9,8 Nm bei 8000/min

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Scheibenbremse vorn, Ø 220 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 210 mm.

Speichenräder mit Alu-Felgen: 3.25 x 17; 3.75 x 17
Reifen    110/70 17; 130/70 17
Bereifung im Test: Heidenau K66


Maße+Gewichte
Radstand 1405 mm, Lenkkopfwinkel 63 Grad, Federweg v/h 170/170 mm, Sitz-höhe* 870 mm, Gewicht vollgetankt* 131 kg, Zuladung* 152 kg, Tankinhalt 10,5 Liter.

Gewährleistung    zwei Jahre
Farben    Schwarz
Preis    2224 Euro
Nebenkosten     75 Euro
Messwerte
Fahrleistungen*
Höchstgeschwindigkeit1101 km/h
Beschleunigung
0–50 km/h    4,9 sek
0–80 km/h    12,5 sek
0–100 km/h    27,2 sek

Durchzug
50–80 km/h    9,2 sek
80–100 km/h    9,0 sek

Tachometerabweichung
Effektiv (Anzeige 50/100) 46/96 km/h


Verbrauch
Landstraße: 3,1 l/100 km/h
Theor. Reichweite: 340 km
Kraftstoffart: Normal

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