Test: KTM 690 SMC

Supermoto mit Rennstreckenqualität und Straßenzulassung sucht sportlichen Piloten. Hobby: Racing, Wheelies, Drifts.

Foto: KTM
Sie sind auf der suche nach einer kompromisslosen Partnerin? Sie soll Rennstrecken wie Landstraßen dieser Welt entlangbrennen, als gäbe es kein morgen? Und sie soll eine Einzylinderin sein? Dann sollten Sie ruhig auf obige Kontaktanzeige antworten. Das orangefarbene Knallbonbon bietet zwar keinen Komfort, darf aber wohl den Titel "motorisierte Frechheit auf zwei Rädern" tragen. Im Gegensatz zu anderen Motorradherstellern hat KTM ein Herz für Straßeneinzylinder – ein großes, wie der beeindruckende Auftritt der 690 SMC beweist.  In ihrem Einzylinder mit 654 cm3  Hubraum galoppieren stramme 63 Pferde, die mit den 154 Kilogramm der Österreicherin leichtes Spiel haben. Angesichts dieser Werte verwundert es nicht, dass sich die Supermoto wie ein Spielmobil bedienen und von einer Ecke in die andere pfeffern lässt. Das Fahrwerk funktioniert mit seiner gelungenen Dämpferabstimmung ordentlich. Allerdings arbeitet die Gabel nicht gerade sensibel und das Federbein trampelt über harte Kanten derb hinweg. Zwischen 4500/min und 7500/min stürmt die KTM leidenschaftlich vorwärts, dreht willig hoch. Darunter gibt sich der Single weit weniger dynamisch und unter 3000/min peitscht er gar lustlos auf der Kette herum – auf der Landstraße stört das wenig, in der Stadt nervt es. Dorthin gehört sie trotz ihrer Kompaktheit ohnehin nicht, ebenso wenig wie auf die Autobahn – nicht zuletzt wegen des winzigen Zwölf-Liter-Tanks.

Dann lieber durch enges Kurvengewirr knallen oder gleich direkt auf die Rennstrecke. Dort ist sie die ganz Große und wird dem C wie Competition im Modellnamen SMC locker gerecht. Bei soviel selbstbewusster Race-Performance kommt leicht das Gefühl auf, die KTM komme auch ohne einen zurecht. Was soll's – Single-Sein kann wirklich schön sein. Zumindest wenn man KTM 690 SMC heißt.

Kurzurteil:

Positiv:
● Stabiles Fahrwerk
● Schön leicht
● Drehfreudiger Motor mit ordentlich Leistung
● Anti-Hopping-Kupplung
● Sensationell zupackende, hervorragend dosierbare Bremsen

Negativ:
● Lediglich Einsitzer
● Kleiner Tank
● Motor läuft unter 3000/min sehr ruppig
● Begrenztes Einsatzgebiet

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Foto: fact

In der Stadt

Sie ist wendig, sie ist leicht, man behält auf ihr den Überblick. Und doch ist die 690 SMC wenig für die Stadt geeignet. Erst über 3000/min läuft der Motor halbwegs rund, darunter hackt er nur genervt auf der Kette herum. Seine Bestimmung liegt bei höheren Drehzahlen. Und die erreicht man in der Stadt eher selten.

Auf der Landstraße:
Ihr Spielplatz ist dort, wo sich Kurve an Kurve reiht. Mit Handlichkeit und Stabilität gleichermaßen gesegnet, zeigt die Supermoto größeren Bikes nur allzu oft ihr keckes Hinterteil, ballert Supersportlern einfach davon. Achtung: Die KTM verführt zu waghalsiger Fahrweise. Die jedoch gehört auf die Rennstrecke.

Auf der Autobahn:
Drehen kann sie wie der Teufel und Stabilität bei hohem Tempo ist der SMC nicht fremd. Doch auf Grund fehlenden Windschutzes, kleinen Tanks und harter Sitzbank verlässt man Schnellstraßen freiwillig so bald wie möglich. Für weite Strecken gibt es ja Anhänger oder den Autozug. Oder die Landstraße.
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Foto: fact

Abschluss-Zeugnis der KTM 690 SMC

Motor
Ein Power-Würfel, der gedreht werden will und ab 4500/min richtig zupackt. Unterhalb von 3000/min ist außer rüpeligem Motorlauf nix zu holen.

4 von 5 Punkten

Fahrwerk
Für KTM typisch satt dämpfende Federelemente. Die Gabel könnte jedoch feinfühliger ansprechen, das Federbein bei harten Kanten sensibler agieren

4 von 5 Punkten

Bremsen
Wer sagt es denn: Eine Einzelscheibe vorn reicht locker, um die SMC zu bändigen. Super Dosierung, erstklassige Wirkung – Vollblut-Sportlerin.

5 von 5 Punkten

Ausstattung
"Weniger ist mehr" hat die KTM in der Supermoto-Schule gelernt und dieses Motto seither beherzigt. Wer Ausstattung will, darf nicht SMC fahren.

1 von 5 Punkten

Komfort
Komfort ist, wenn man trotzdem lacht: Vibrationen und die harte Sitzbank machen das Anheben der Mundwinkel zur schwierigen Aufgabe.

0 von 5 Punkten

Einsteigertauglichkeit
Finger weg. Nicht weil sie unbeherrschbar wäre, sondern ein extremes Motorrad-Konzept verkörpert. Das macht es Anfängern unnötig schwer.

1 von 5 Punkten

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