Test KTM 990 Super Duke R Hartgerechte Haltung

Die Super Duke R war bislang schon eine echte Herausforderung. Jetzt haben die Österreicher sie mit einer Extraportion PS aufgepeppt.

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Vorsicht bissig. Diesen Aufkleber sollten sie gefälligst auf den Tank kleben. Dorthin, wo bei allen anderen Bikes die Warnung prangt, dass Fahren ohne Helm gefährlich ist. Die aufgemotzte Super Duke R ist der Alptraum eines jeden Tourenfahrers und praktisch nur für eins konstruiert: Angriff! Offensives Fahren. Akrobatik. Wer jemals gedacht hätte, dass in der Ruhe die Kraft liegt, wird im Sattel der R-Duke eines Besseren belehrt.

Doch was heißt Sattel. Nennen wir es einfach Sitzfläche. Oder noch treffender: zugewiesene Ecke. Die ist ungefähr so komfortabel wie ein Eisenträger, der mit einem Aufkleber gepolstert ist. Warum das so ist? Klar, die Geburtsstätte der scharfen R-Version ist die Rennstrecke. Und dort wünscht man sich kristallklares Feedback – das Gefühl, als wären die Nervenenden des Körpers direkt mit dem Asphalt verwoben. Im Fall der R-Duke ist das den Österreichern auch gelungen. Federbein und Gabel sind dermaßen straff abgestimmt, dass der Fahrer den exakten Unterschied zwischen Kieselstein und Erbse spürt. Die Super Duke R ist die motorisch-mechanische Personifizierung der Begriffe konsequent, kompromisslos, gierig und aggressiv. Das wird einem schon klar, wenn man vor ihr steht. Und noch klarer, wenn sie auf Knopfdruck zum ersten Mal aus den Edelstahlrohren brüllt. Jeder noch so winzige Dreh am leichtgängigen Gasgriff beantwortet der Motor spontan-digital mit Hochdrehen. Es fühlt sich an, als hätte der zierlichste V2 seiner Hubraumklasse eine Kurbelwelle, die eigentlich in einer 50er rotieren müsste. Das nahezu schwerelose Gefühl täuscht nicht. Um höhere Drehzahlen (10500/min statt 9600/min) gefahrlos zu ermöglichen, hat man die Kurbelwelle erleichtert und gleichzeitig am Ventiltrieb abgespeckt: Die Einlassventile sind drei Millimeter größer, wiegen dabei aber weniger – Titan sei Dank.
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Vorsicht: bissig!

Sicher, es geht letztlich nur um ein paar Gramm. Dieser Unterschied ist jedoch spürbar. Der Vau dreht noch williger hoch als zuvor. Reagiert gieriger, blitzartiger und bedingungslos auf Gasbefehle. Und setzt sie schonungslos um. Im Alltag bedeutet das: Der Leerlauf ist so flatterhaft, das man an der Ampel ständig das Gefühl hat, das Herz der Duke könnte abrupt stillstehen. Dann Kupplung ziehen – ein Job, der mindestens drei Finger erfordert –, und los: Ab 6000/min pumpt der Neue so viel Energie nach hinten, dass es vorn unglaublich leicht wird. Man fährt öfter Wheelie als geplant. Und das auch im zweiten Gang. Die Gasannahme ist allerdings extrem ruppig, und Drehzahlen unter 3000/min mag der Motor gar nicht. Ebenso wenig wie 30-km/h-Zonen. Gegenüber dem Basismodell produziert die R-Version zwölf PS mehr. Das maximale Drehmoment von 103 Nm ist geblieben, liegt aber bei der R-Version gut 1000/min später an.

Insgesamt ist die „normale“ im mittleren Bereich kräftiger. Ihr Motor ist durch die etwas größere Schwungmasse gelassener, relaxter, suggeriert mehr Punch. Hart gesagt: Die R-Version stempelt die normale Super Duke quasi zum Tourenmotorrad. Dabei ist eigentlich sie schon so scharf, dass man bei jedem Ausritt Gefahr läuft, die Gesetze der Straßenverkehrsordnung zugunsten des Fahrspaßes persönlich neu zu definieren.

Kommen wir zur Kernfrage: Wer braucht so etwas? Die Super Duke R ist die ideale Ergänzung für Menschen, die mit Vorliebe auf Nagelbrettern nächtigen, sich per Vollkontakt-Kung-Fu den Körper massieren lassen und sich mit Samuraischwertern Butterbrote schmieren – kurz gesagt: Sie kickt gewaltig. Und damit ist kein Kickback gemeint. Dieses Motorrad ist die beste Medizin für alle Gaskranken. Und gehört eigentlich auf die Rennstrecke. Wohl aus diesem Grund hat KTM die Rennserie Duke-Battle initiert. Dort kann die R artgerecht bewegt werden.

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