Test KTM 990 Super Duke

Die kantige KTM ist kein Bike für Weicheier, Tourenfahrer oder Alltagsbummler. Die Super Duke fordert den ganzen Kerl, bietet dafür aber Fahrspaß ohne Ende.

Foto: Jahn
Glattgebügelte, weichgespülte Softies gibt es woanders. Die KTM zeigt nicht nur äußerlich Ecken und Kanten und provoziert mit martialischem Design, sie erweist sich auch beim Fahren als kompromissloses Charakter-Bike jenseits der langweiligen Alleskönner-Liga. Beifahrer? Will sie nicht, braucht sie nicht. Deswegen hat der Sozius auf der KTM nichts zu lachen. Gepäck? Reisetauglichkeit? Ist alles nicht ihr Ding. Mit lausigen 176 Kilogramm Zuladung zeigt sie das deutlich. Gänzlich unbequem ist sie dennoch nicht – der Fahrer sitzt entspannt, leicht sportlich nach vorn gebeugt und genießt ein fast perfektes Paket aus Motor, Fahrwerk und Bremsen. Perfekt für den sportlichen Fahrspaß. Der V2 läuft zwar unter 3000/min etwas ruppig, brennt aber darüber ein Feuerwerk an Druck und Drehfreude ab, das sich gewaschen hat. Die kurze Übersetzung des leicht schaltbaren Getriebes passt perfekt zum gierigen Motor-Charakter, und das Fahrwerk ist knackig-straff abgestimmt und gefällt mit neutralem Fahrverhalten, messerscharfer Präzision und toller Handlichkeit. Trotz allem nervt die KTM aber nicht mit übertriebener Härte. Die Bremsen? Ein Gedicht. Gnadenloser Biss, gepaart mit vorbildlicher Dosierbarkeit. ABS ist jedoch leider nicht verfügbar. Es gibt wenig zu mäkeln an der Super Duke. Sie ist nah dran an der perfekten Fahrmaschine für sportlich veranlagte Solisten, die es gern auf der Landstraße brennen lassen. Besser geht’s kaum. Obwohl: Es gibt ja noch die edle Schwester Super Duke R (siehe Seite 29) – die ist noch hochwertiger ausgestattet, noch stärker, aber auch 1300 Euro teurer.

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Foto: Archiv
Schlankes Heck: Aus den eng anliegenden, hochverlegten Endtöpfen ballert markanter V2-Sound.
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Aggressive Front: Die geduckt lauernde KTM blickt grimmig aus ihrem Scheinwerfer. Das Licht ist mäßig.
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Technische Daten

Motor Zweizylinder-Viertakt/V
Hubraum 1000 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 88 kW (120 PS) bei 9000/min
Max. Drehmoment 100 Nm bei 7000/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 320 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 240 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten 135/160 mm
Tankinhalt 18,5 Liter, Super
Farben Orange, Schwarz, Weiß
Wartungsintervalle 7500 km
Preis 12 495 Euro (plus Nebenkosten)

 

Die Messwerte
Höchstgeschwindigkeit(Werksangabe) 220 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 3,4 sek
Durchzug 60−140 km/h 7,5 sek
Gewicht vollgetankt 204 kg
Zuladung 176 kg
Verbrauch Landstraße 5,6 l/100 km

Foto: Archiv

Fazit

In der Stadt:
Die äußerst spontane, fast schon zu giftige Gasannahme erfordert im Stadtverkehr etwas Feingefühl, der unter 3000/min ruppige V2-Motor eine Prise Toleranz. Wirklich praktisch ist die KTM im Alltag nicht, aber sie ist leicht und handlich, fällt auf und taugt prima für flotte Ampelsprints.

 

Auf der Landstraße:
Hier gefällt der gierige, drehfreudige Motor am besten. Dampf ist stets genügend vorhanden, das exzellente Fahrwerk glänzt mit neutralem und stabilem Fahrverhalten, und die Handlichkeit ist sagenhaft. Auch die bissigen, gut dosierbaren Bremsen sind kaum zu toppen – ein Landstraßenbrenner vom Feinsten.

 

Auf der Autobahn:
Eins ist klar: Windschutz gibt’s keinen. Und für Langstrecken gibt’s viel bequemere Bikes. Aber dafür läuft die KTM auch jenseits der 200 km/h stabil geradeaus, Verbrauch und Reichweite sind akzeptabel, und flotte Überhol-Sprints machen  Spaß und lassen den KTM-Fahrer Linke-Spur-Blockierer schnell vergessen.

Abschluss-Zeugnis

Motor
4 von 5 Sternen
Der V2 hat etwas von einem nervösen Rennpferd. Er läuft unter 3000/min ruppig, dreht dann aber mächtig auf und hängt gierig am Gas.

 

Fahrwerk
5 von 5 Sternen
Sportlich-straff und stabil, aber nicht knüppelhart, neutral, präzise und super handlich – mehr kann an ein Fahrwerk kaum loben.

 

Bremsen
5 von 5 Sternen
Die Brembo-Bremsen bieten nicht nur gnadenlosen Biss, sie sind auch exzellent dosierbar. Wenn es sie mit ABS gäbe, wären sie perfekt.

 

Ausstattung
3 von 5 Sternen
Die KTM bietet hochwertige Anbauteile und ist toll verarbeitet, schleppt aber keinen Ausstattungs-Firlefanz mit sich rum.

 

Komfort
3 von 5 Sternen
Die Sitzhaltung ist bequemer, als man vermutet, das Fahrwerk nicht knüppelhart. Die KTM ist keine Sänfte, aber durchaus erträglich.

 

Einsteigertauglichkeit
1 von 5 Sternen
Neulinge sollten nicht auf einem nervösen Rennpferd wie der KTM Erfahrungen sammeln, sondern mit einem braven Pony beginnen.

Kurzurteil:

Plus:
●  Sehr leicht, ultrahandlich
●  Sehr spritziger V2-Motor
●  Exzellente Bremsen
●  Toll abgestimmtes Fahrwerk
●  Aktive, aber dennoch ent-spannte Sitzhaltung

 

Minus:
●  Kein ABS verfügbar
●  Kaum Beifahrer-Komfort
●  Mäßig alltagstauglich

Die Konkurrenz

Foto: Archiv

Die mit 139 PS noch stärkere, ähnlich leichte Tuono kommt der KTM in ihren Eigenschaften sehr nah. Ihr Fahrwerk ist eine Wucht.

 

Preis: 13999 Euro

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Mit ebenfalls radikalem Design, ruppigem, aber bärenstarkem V2 und bissigen Bremsen wird die Ducati ihrem Namen gerecht.

 

Preis: 18 955 Euro

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Die hübsche Italienerin glänzt mit Gitterrohrrahmen, edelsten Fahrwerks- und Anbauteilen und gierigem, aber durstigem V2.

 

Preis: 14 145 Euro

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Die Nobel-Duke

Modelle mit dem Kürzel R wie Racing haben meist kompromisslos sportliche Ambitionen. So erscheint es logisch, dass die Super Duke R als Einsitzer ausgelegt ist.

Wegen des fehlenden Soziusplatzes konnte am Rahmen deutlich Gewicht gespart werden. Auch am Motor wurde um jedes Gramm gefeilscht: Die leichtere Kurbelwelle beschert dem V2 eine geringere Schwungmasse und lässt ihn noch gieriger hochdrehen.

Nicht gespart wurde an Leistung: Unter anderem größere (Titan-)Einlassventile sorgen für nun 132 PS. Beim Kaufpreis hört das Thema Sparen endgültig auf: Mit 13 795 Euro ist die R-Version deutlich teurer als die Standard-Super-Duke.

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