Test: März-Ducati Monster S2R mit Kompressor

Warum sind wir nicht schon früher drauf gekommen: Ein Kompressor macht müde Motoren munter. Tuner VeeTwo aus Australien bläst eine Ducati Monster in den siebten Drehmomenthimmel.

Foto: fact

Das Wichtigste für einen Motor ist Luft. Ohne Luft keine Leistung. Sprit kann man immer dazumischen, aber ohne genügend Sauerstoff in den Brennräumen entsteht keine Kraft. Wie bekommt man möglichst viel Luft rein? Da beginnt das große Einmaleins der Motorenkonstrukteure. Zwei große Einlassventile, die möglichst lang offen bleiben, gerade Ansaugkanäle, möglichst noch im Schwingungsverhalten abgestimmte Ansauglängen mit großem Luftfilterkasten: Der frei saugende Viertaktmotor bietet allerlei Möglichkeiten, sich zu verlustieren.

Oder man bläst ihn auf. Wie? Mit einem Lader, der einen Überdruck herstellt und so mehr Luft in die Brennräume fördert, als es der Motor selbst je schaffen könnte. Das hilft besonders bei Motoren wie dem Ducati-Zweiventiler. Weder große Ventilquerschnitte noch gerade Ansaugkanäle kann er sein Eigen nennen, also ein dankbarer Kandidat für eine Aufladung. VeeTwo, renommierter Ducati-Tuner aus Australien, hat nun einen Kompressor-Anbaukit entwickelt, der einer Ducati Monster S2R richtig was reindrückt.

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Was bringt's? Zunächst einmal wichtige Optik. Denn der Lader muss mechanisch angetrieben werden, was bei der Ducati über Zahnriemen geschieht. Glücklicherweise werden ihre Nockenwellen ja ebenfalls von Zahnriemen angetrieben, davon kann man abgreifen. Rutschkupplung und Übersetzung zum Lader hoch, der über dem liegenden Zylinder trohnt, geschieht über zwei Zahnriemen. Sieht wichtig aus und wird dank herrlich verarbeiteter Frästeile auch schön in Szene gesetzt.
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Unspektakulär der Start. Der Ducati-V2 springt an, bollert satt im Leerlauf mit stabilem Standgas. Hm, alles Attrappe? Mitnichten. Schon beim ersten Losfahren erschreckt die Duc mit ungestümem Vorwärtsdrang. Da geht was. Und zwar schon ab 2000/min.

Die aufgeblasene Ducati legt Manieren an den Tag, die man der Serienmaschine nur wünschen kann. Sanfte Gasannahme auch in niedrigen Drehzahlen, nachdrückliche Beschleunigung in jeder Lebenslage. Dabei wurde die Einspritzanlage hervorragend auf die neuen Gegebenheiten abgestimmt. Fühlt sich wirklich gut an. Sogar Euro 3 wird eingehalten. Darf's ein bißchen mehr sein? Okay. Attacke! Gasgriff auf Anschlag, die Monster zieht los wie ein Ochse. In den unteren Gängen kommt das Vorderrad zackig hoch, da muss man vorsichtig agieren. Ab dem Vierten ist nur noch Vorschub angesagt. Ganz geile Gefühle erzeugt die Durchzugsübung im Sechsten. Da schiebt die Duc wie von einer mächtigen Riesenfaust geschoben nach vorn. Subjektiv gibt es einen solchen Dampf nur noch in der Suzuki B-King. Was für ein Hammer!

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Noch selten hat ein Tuning-Motorrad einen solch überragenden Auftritt hingelegt. Da passt alles. Ist der Kompressor also der große Heilsbringer? Wenn die Motor- und Getriebebauteile darauf abgestimmt sind, dann schon. Denn der mächtige Druck malträtiert Kolben, Pleuel, Getriebe und Kette ganz schön. Deshalb zauberten die VeeTwo-Boys auch "nur" 115 PS in den normalerweise gut 90 PS starken Desmo-V2. 150 PS wären bei höherem Ladedruck möglich, die Lebensdauer aber wahrscheinlich ziemlich begrenzt. Verglichen mit dem Serienmotor liegt die Kompressor-Leistungskurve durchweg drüber. Bis zu 25 Prozent mehr Drehmoment sprechen für sich, 40 PS bei 3800/min auch.

Um Klingelschäden an den Kolben zu vermeiden, muss Super Plus getankt werden. Mit dem kostbaren Nass geht der aufgeblasene 1000er aber recht sparsam um, auf der Landstrasse rennen keine fünf Liter auf 100 Kilometer durch die Düsen. Dazu hilft auch die drehzahlschonende Charakteristik . Also nochmals den Motor losziehen lassen, den satten Anzug im dritten Gang zelebrieren - uuuups! Fast auf die Klappe gelegt. Es ist leicht feucht, und der Hinterreifen dreht einfach durch! Bridgestone BT 014 geht hier gar nicht. Zu den 4500 Euro Kitkosten mit Einbau also noch richtige Sportreifen einkalkulieren.
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Technische Daten

MOTOR
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, Kurbelwelle quer liegend, je eine obenliegende, zahnriemengetriebene Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, desmodromisch betätigt, zahnriemengetriebener Roots-Kompressor mit 0,4 bar Ladedruck, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 45 mm, ungeregelter Katalysator, Lichtmaschine 520 W, Batterie 12 V/16 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 94,0 x 71,5 mm
Hubraum 992 cm³
Verdichtungsverhältnis 10:1
Nennleistung* 83,8 kW (114 PS) bei 7700/min
Max.Drehmoment*113 Nm bei 6000/min

FAHRWERK
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Motor mittragend, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis und Zug- und Druckstufendämpfung, Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zug-stufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 245 mm, Zweikolben-Festsattel.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

MAßE+GEWICHT
Radstand 1440 mm, Lenkkopfwinkel 66,0 Grad, Nachlauf 94 mm, Federweg v/h 130/148 mm, Gewicht vollgetankt* 208 kg, Zuladung* 182 kg, Tankinhalt 14,0 Liter.
Preis Anbaukit 3995 Euro
Anbaupreis zirka 500 Euro

KONTAKT
MÄRZ Motorradhandel GmbH
Einsteinstraße 39-41
76275 Ettlingen
Tel 07243/765113
Fax 07243/765129
www.maerz.biz

*MOTORRAD-Messungen

Foto: MRD

Messwerte

MESSWERTE
Fahrleistungen (S2R Serie)
Höchstgeschwindigkeit
224 km/h (210 km/h)
Beschleunigung
0-100 km/h 3,7 (3,6) sek
0-140 km/h 6,0 (6,4) sek
0-200 km/h 12,9 (20,2) sek
Durchzug
60-100 km/h 3,8 (4,6) sek
100-140 km/h 3,4 (4,6) sek
140-180 km/h 3,9 (6,6) sek

Verbrauch
Landstraße 4,5 l/100 km/h
Theor. Reichweite 321 km
Kraftstoffart Super Plus

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