Test: Reise-Enduro von Triumph Triumph Tiger 1050

Ruhig Blut, die Tiger will doch nur schmusen. Auf der Straße jedoch fährt sie ihre Krallen aus. Und beißt vielleicht auch zu.

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Auch wenn sich Tiger naturgemäss eher durchs Gelände schlagen als auf öffentlichen Straßen rumzulungern, ist die Heimat der Triumph Tiger 1050 eindeutig der Asphalt. Ihre 17-Zoll-Straßenreifen sind für Offroadeinlagen zu breit und bieten dort viel zu wenig Grip. Geht es härter zur Sache oder ist ein Passagier an Bord, ist die Hinterradfederung überfordert. Lässt man die Tiger hingegen dort laufen, wofür sie die Engländer offensichtlich konstruiert haben, kann sie ihre Stärken voll ausspielen. Dann lässt man den famosen Dreizylinder samtig hochdrehen, bis aus seinem Knurren ein Fauchen und Röhren wird - herrlich! Aus dem Schiebebetrieb geht er ruppig-hart und etwas verzögert ans Gas, außerdem kostet das Rühren im knochigen Getriebe in Verbindung mit hoher Kupplungshandkraft gelegentlich Nerven. Im Gegenzug läuft der Triple geschmeidig und vibrationsfrei und bietet bärigen Durchzug auf der Landstraße sowie viel Speed auf der Autobahn. Wegen des mauen Windschutzes will man dort aber eh nicht lange bleiben. Wütend beißen die Bremsen der Tiger zu, stauchen die auf dem ersten Arbeitsweg unterdämpfte Upside-down-Gabel arg zusammen. In schnellen Kurven stellt sich die Engländerin beim Ankern mächtig auf.
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Schade, Motor und Bremsen leisten mehr, als das Fahrwerk verkraften kann. Aller Reise-Orientiertheit zum Trotz, findet der Sozius auf seinem Platz leider keinen Komfort und ein Alleinreisender am Heck leider weder Gepäckträger noch -haken. Vielleicht gibt's deshalb für 2010 die Tiger als Special Edition: Für 12740 Euro inklusive Nebenkosten ist die Britin ab Werk mit ABS, Handprotektoren, Hauptständer und Koffern in Fahrzeugfarbe ausgerüstet. So macht ein Urlaub mit der handlichen Straßenenduro schon von Anfang an mehr Spaß. Und mal ehrlich: Wer kann diesem Prachtstück von Motor schon übelnehmen, dass er nicht ins Gelände will?
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Technische Daten

Die Daten (Werksangaben):
Motor Dreizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum 1050 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 85 kW (115 PS) bei 9400/min
Max. Drehmoment 100 Nm bei 6250/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 320 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 255 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten 150/150 mm
Tankinhalt 20 Liter, Super
Farben Grau/Schwarz, Orange, Schwarz, Weiß
Wartungsintervalle 10000 km
Preis 11 640 Euro (inkl. Nebenkosten) Messungen:
Höchstgeschwindigkeit(Werksangaben) 220 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 3,4 sek
Durchzug 60−140 km/h 7,4 sek
Gewicht vollgetankt 236 kg
Zuladung 192 kg
Verbrauch Landstraße 5,4 l/100 km
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Fazit

In der Stadt:
Frech durch vollgepfropfte Innenstädte wuseln? Kein Problem für die Tiger. Ihr weiter Lenkeinschlag und die hohe Handlichkeit machen es möglich. Im Stop-and-go-Verkehr nervt die hart einsetzende Leistung deutlich. Für kleine Piloten ist die Triumph zu hoch – sie kommen beim Anhalten ins Straucheln.

 

Auf der Landstraße
Hier ist das Revier, in dem die Raubkatze ihre Qualitäten voll ausleben kann. Super handlich hechtet sie von Kurve zu Kurve, das stabile Fahrwerk und die hohe Lenkpräzision schaffen Vertrauen. Auf die bissigen Stopper ist immer Verlass, auch wenn die Triumph beim Bremsen in Schräglage zum Aufstellen neigt.

 

Auf der Autobahn:
Selbst bei hoher Geschwindigkeit lässt sich das Fahrwerk nicht aus der Ruhe bringen, und der Motor bietet jederzeit ausreichend Leistung zum Überholen. Dank des 20-Liter-Tanks lassen sich auch große Distanzen ohne Unterbrechungen durch lästige Tankstopps bewältigen. Allein der Windschutz bedarf Verbesserung.

Abschluß-Zeugnis der Tiger:

Motor:
Bis auf den zuweilen harten Leistungseinsatz passt es: Der Dreizylinder ist durchzugsstark, drehfreudig und kultiviert - inklusive kernigem Sound.
(4 von 5 Sternen)

 

Fahrwerk:
Die Tiger bietet tolle Handlichkeit und ein voll einstellbares Fahrwerk. Einer vollen Beladung ist das schlaffe Federbein leider nicht gewachsen.
(3 von 5 Sternen)

 

Bremsen:
Bissig und gut dosierbar verzögern die Tiger-Stopper, ABS kostet leider 600 Euro Aufpreis. Alternativ greift man gleich zur Special Edition.
(4 von 5 Sternen)

 

Ausstattung:
Für eine Reiseenduro nicht gerade üppig, selbst ein Hauptständer kostet Aufpreis. Die einstellbaren Hebel und das vollständige Cockpit sind löblich.
(3 von 5 Sternen)

 

Komfort:
Der Soziusplatz liegt leider viel zu hoch, nur der Fahrer darf sich auf seinem Thron entspannen: Platz-angebot und Sitzkomfort stimmen.
(4 von 5 Sternen)

 

Einsteigertauglichkeit:
Am ehesten lässt sich die hochbeinige Triumph von groß gewachsenen, geübten Fahrern beherrschen. Zum Einstieg eignen sich andere besser.
(2 von 5 Sternen)

Kurzurteil

Plus:
●   Sehr handlich
●   Bequeme Sitzposition
●   Durchzugsstarker, drehfreudiger und vibrationsfreier Dreizylindermotor
●   Gut dosierbare, bissige Bremse
●   Motor mit Gänsehaut-Sound

 

Minus:
●   Wenig Windschutz
●   Zu weiches Federbein
●   Kaum geländetauglich
●   Ruppiger Leistungseinsatz
●   Mäßiger Beifahrerplatz

Die Konkurrenz

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