Test Vater-Suzuki Bandit 1200 S Mein lieber Vater

Keine Frage, der Mann könnte Schwabe sein. So einer, der keine Ruhe gibt. Tüftelt und bastelt, schraubt und feilt. Immer alles perfekt haben will. Und dann? Kein Wort, kein Ton. Bestenfalls ein »i han da was«, aber nur auf Nachfrage. Und auf der Verkleidung ein dezentes »powered bei Rainer Vater«.
Der im schwäbischen Bondorf ansässige Suzuki-Händler ist jedoch gebürtiger Brandenburger – und spricht auch nicht mit Dialekt. Aber sonst – das passt scho. Jedenfalls, was die von ihm optimierte 1200er-Bandit betrifft. »Motortuning für jedermann« hatte sich Vater ins Lastenheft geschrieben. Zuverlässig, alltagstauglich, für den kleinen Geldbeutel (1700 Euro). Und somit genau passend für den Bestseller Bandit 1200 S, seit dieser Saison auch in den Suzuki-Hausfarben Blau und Weiß lieferbar.
Die stehen der großen Banditin ebenso gut wie die Tuningmaßnahmen (siehe Kasten) dem feinverrippten Evergreen. 136 PS verspricht Vater statt der nominellen 98, wobei der Ordnung halber angemerkt werden muss, dass die von MOTORRAD gemessenen Exemplare bisher alle deutlich über der Herstellerangabe lagen. Trotzdem: Die von der Vater-Suzuki abgelieferten 138 PS an der Kupplung sind auch angesichts der 112 Serien-PS eine wunderbare Sache.
Zumal sie nicht nur mit einem Drehmomentzuwachs von 14 Newtonmetern einhergehen, sondern auch mit einer bis auf das etwas unwillige Startverhalten und einer langen Warmlaufphase allürenfreien Darbietung. Denn das, was der luft-/ölgekühlte Vierventiler unterhalb von 4000/min zur Serie aufgrund der geänderten Steuerzeiten verliert, ist in Anbetracht des immer noch ordentlichen Mumms durchaus zu verschmerzen. Vor allem, wenn man dieser Tatsache den Temperamentzuwachs gegenüberstellt, der sich ab dieser Marke einstellt. Dann spurtet die Bandit mit einer Rasanz durchs Drehzahlband und die fünf Gangstufen, dass es die pure Freude ist. Eine Freude, die sich in Zahlen (siehe Messungen) nur unvollständig ausdrückt, auch wenn fast zwei Sekunden Vorsprung von null auf 200 km/h ein Pfund sind.
Subjektiv erschließt sich eine ganz neue, quicklebendige Bandit-Welt, die sich nicht zuletzt darin manifestiert, dass die Tachonadel wie gestochen über die Skala huscht. 160, 200, 240, 260, Ende Skala. Und dann geht es noch ein Stückchen weiter. Geschätzte 290 im skalenfreien Niemandsland, gemessene 251. Die extreme Voreilung liegt an dem kleineren Ritzel (14/45 statt 15/45). Und TÜV ist in Arbeit. Denn es muss ja alles seine Ordnung haben, hier in Schwaben. sek

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