Test Voxan Black Magic Standaufnahme

Wie sie schon dasteht: kunstvoll geschwungene Edelstahlkrümmer, Supertrap-ähnliche Endtöpfe, gebürsteter Alu-Tank und ein V-Motor, der jede Faser seiner Muskeln offen zur Schau trägt. Eigentlich ist die Voxan Black Magic zum Testen fast zu schade.

Foto: Gargolov
Schwindel – die Black Magic ist gar nicht schwarz! Zumindest sind es nicht jene dominierenden Partien, die einen magisch in ihren Bann ziehen wie der
lang gezogene, silberne Alutank, der sich zur Sitzbank hin auf den unterarmdicken Stahlrohren aufstützt. Er nimmt Anleihen an urwüchsigen englischen Spritfässern der 50er und 60er Jahre, die etwa eine Norton Manx oder Venom Thruxton zierten. Oder die Auspuffanlage mit von der Hitze des Gefechts goldgelb gefärbten Krümmer aus Edelstahl. Sie schmiegen sich virtuos von hinten nach vorn und wieder zurück um die V-förmig angeordneten Zylinder, um dann nach einer atemraubenden Kurvenführung hoch liegend in eine lange
Gerade überzuleiten. Knapp unterhalb der Sitzbank führen sie ans Heck, und wie Korken eine Sektflasche schließen zwei voluminöse Endschalldämpfer das Kunstwerk ab. Da ist kein Platz für eine Doppelsitzbank. Nur noch für einen Einmann-Höcker, der einem Rochen gleich zwei Flügel schützend über die Auspuffschellen hält.
Praktischer wäre es gewesen, das lange
Endrohr gleich mit zu verdecken, damit die aufsteigende Hitze nicht die Oberschen-
kel malträtiert. Kein Problem, solange der Fahrtwind die heiße Luft nach hinten weht. Kommt die Voxan indes zum Stillstand, kann der Fahrer nur die Grätsche machen und hoffen, dass die rote Ampelphase nicht zu lang dauert.
Genug geguckt, der Motor brummt inzwischen, die Black Magic wird, Schön-
heit hin oder her, jetzt getestet. Der lange Tank, der kurze Höcker und die unter der oberen Gabelbrücke montierten Stummellenker bedingen eine gestreckte, sport-
liche Haltung. Wären nicht die zu hoch montierten Fußrasten, deretwegen sich der Pilot ab der Hüfte abwärts wie ein Klappmesser zusammenfalten muss, ginge sie sogar noch als bequem durch. So hilft es nichts, dass die Rasten vierfach in Höhe und Länge verstellbar sind, da bereits die günstigste Position gewählt wurde.
Beim Ritt auf der Black Magic gehören die Knie an den Tank – allein schon wegen der engen Platzverhältnisse. Alles andere sähe zudem stillos aus. Leichtes Hanging-off als Gewichtsverlagerung wäre aber durchaus angebracht. Denn von selbst fährt die 220 Kilogramm schwere Voxan nicht ums Eck. Langer Radstand und schmaler Lenker – das widersetzt sich schnellen Richtungswechseln. Ebenso stellt sich die eher softe Federungsabstimmung betont sportlicher Fahrweise entgegen. Daran vermag auch die Verstellbarkeit von Dämpfung und Federbasis an der Upside-down-Gabel und am Zentralfederbein nur wenig ändern, da beide grundsätz-
lich auf Komfort ausgelegt sind. Außerdem verlangen die Brembo-Vierkolbenzangen nach einer kräftigen Hand, sollen sie bei hohen Tempi auf den Punkt genau und
ordentlich an den schwimmend gelagerten, vorderen Bremsscheiben zupacken.
Schräg und zügig geht’s mit der Black Magic gleichwohl. Der Verbund aus 60 Millimeter dicken Stahlrohren und angeflanschtem Lenkkopf sowie Schwingen-
lagerung sorgt für eine verwindungssteife Rahmenkonstruktion. Die hoch gesetzten Fußrasten erlauben enorm große Schräg-
lagen, und die Michelin Pilot Power bauen reichlich Grip auf, um mit der Voxan sportlich ambitioniert, präzise und treffsicher ums Eck zu pfeifen.
Den passenden Soundtrack dazu liefert der Motor. Vom Brückenrahmen völlig freigestellt, wummert der wassergekühlte 72-Grad-V-Zweizylinder ohne störende mechanische Geräusche bassbetont vor sich hin. Mit jedem Gasstoß poltert es
Urlaute aus den mächtigen Endtöpfen. Ab 3500/min schiebt das Triebwerk mit sanfter Gewalt los, mobilisiert stetig steigend bis zu 98 gemessene PS, die bei 8400
Umdrehungen erreicht sind. Begleitet von zweizylindertypischen Vibrationen, die wie eine sanfte Massage auf den Fahrer wirken, dreht der V-Twin ohne Ausgleichswelle, aber mit gelungenem Massenausgleich sowie ordentlich Schwungmasse hoch und erzeugt lebhaft Druck. So muss es sein,
so will man es spüren.
Was Akustik und Fahrgefühl noch kaschieren, können Daten und Fakten nicht verbergen. Nüchtern betrachtet, fallen die Fahrleistungen der Black Magic für einen 1000er-Zweizylinder bescheiden aus und reichen weder in Beschleunigung noch im Durchzug an die Anfang letzten Jahres getestete Voxan Café Racer heran. Ursache: die Euro-2-Norm. Nominell drei PS schwächer (95 statt 98 PS) und um drei Zähne länger übersetzt, kostet das in allen Dis-
ziplinen Zeit. So verliert die Black Magic
beispielsweise in der Beschleunigung von null auf 200 km/h mit 15,2 zu 12,8 satte
2,4 Sekunden. Oder im Durchzug von 60 auf 100 km/h fehlen ihr mit 6,0 zu 4,8 ebenfalls schon 1,2 Sekunden.
Die lange Übersetzung, aber auch die schlechte Gasannahme unterhalb 3000/min tragen dazu bei, dass man sich beim flotten Landstraßenbetrieb häufiger als gewohnt des präzise schaltbaren Sechsganggetriebes bedienen muss. Für manch enge Kurve sogar hinunter bis in den ersten Gang. Da verwundert es auch nicht, dass der Kraftstoffverbrauch im flotten Landstraßenbetrieb die Sieben-Liter-Marke knackt.
Doch angesichts des stolzen Einstandspreises von rund 15000 Euro fällt die Trinkfreudigkeit des V-Twins kaum mehr ins Gewicht. Exklusivität hatte schon immer ihren Preis – nur 250 Exemplare sollen von der Black Magic gebaut werden, wie Voxan verlautbaren ließ.

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