Test: Yamaha FZ1 ABS FZ1: Yamahas Nacktsportler im Test

Weil Yamahas Nacktsportler unten herum nicht so souverän agiert, wie es der Hubraum gebietet, hat Yamaha reagiert und in der neuen FZ1 viele Bits und Bytes in ein neues Mapping gepackt.

Foto: Bilski

Test: Yamaha FZ1 ABS

Wenn es um das Preis-Leistungsverhältnis im Wortsinn geht, war Yamahas Naked-Sportler FZ1 schon immer ein ganz heisser Tip. Kaum irgendwo gab es im Bereich der Naked Bikes für gemäßigte 11000 Euro so viel Power, nämlich satte 150 PS. Trotz beeindruckender Eckdaten hörte man dennoch hier und da etwas Kritik an der Leistungscharakteristik. Der von der Supersportlerin R1 stammende, drehfreudige Vierzylinder ließ zwar reihenweise die Herzen der Sportfreaks höher schlagen, die Souveränität im Alltag indes ein wenig vermissen. Wer im hohen Gang aus der Ecke heraus beschleunigen oder lässig Drehmomentwellen absurfen wollte, wunderte sich. Im Drehzahlkeller tat sich nicht besonders viel, da musste man beim Zwischenspurt erst einmal die Gänge durchsteppen.

Dabei wurde der in seinen Ursprüngen aus der R1 stammende Tausender recht aufwendig mittels geringerer Verdichtung, höherer Schwungmasse, zahmerer Nockenwellen und angepasster Kennfelder für Zündung und Einspritzung von nominell 180 auf 150 PS "gedrosselt". Das Problem dabei: Die Umwandlung vom Racer zum Fighter gelang trotz des beträchtlichen Aufwands nur bedingt, weniger Power oben brachte leider nicht mehr Drehmoment unten. Ein neues Mapping für das Modelljahr 2010 soll dieses Manko beheben. Fakt ist allerdings, dass sich im Wesentlichen nichts an der Charakteristik geändert hat. Nach wie vor geht die neue FZ1 bis rund 6000 Umdrehungen eher verhalten zu Werke, um darüber um so energischer zuzulegen. Was für Freunde ambitionierter Fortbewegung sicher einen gewissen Kick hat. Den subjektiven Eindruck untermauern die Prüfstandsläufe: Die Leistungskurven der aktuellen Version und der Vorgängerin sind weitgehend deckungsgleich. Hauptunterschied ist der noch stärkere Leistungsanstieg zwischen 7000 und 8000 Touren bei der Neuen. Die man daher eher wie eine 600er bewegen muss: Schön auf Drehzahl halten und viel schalten, was angesichts der exakten Sechsgang-Schaltbox eine leichte Übung ist. Der gezähmte Vierer gibt im landstraßenrelevanten Drehzahlbereich permenent leichte Vibrationen ab, die aber durch gummigelagerte Lenker und Fußrasten vom Fahrer fern gehalten werden.
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Foto: Bilski
Mit Dunlop Sportmax D 221 bestückt, setzt die Yamaha auf vertrauensbildende Maßnahmen. Frei von Tücke stromert sie durch verwinkeltes Geläuf, die voll einstellbare Upside-down-Gabel sowie das bis auf die Druckstufe ebenfalls voll einstellbare Federbein hinten arbeiten hinreichend transparent und lassen auch höhere Tempi zu. Also ran ans Werk, Kurve voraus, Einlenkpunkt anpeilen, runterschalten, mit der nunmehr serienmäßig ABS-bestückten, kräftigen und fein dosierbaren Bremse das Tempo anpassen, abwinkeln und: kkkkrrrrrrrkkk. Früh streifen die Nippel über den Asphalt. Da hilft nur rausdrehen oder abrubbeln. Im Zweipersonenbetrieb gehen die Rasten noch schneller auf Grund. Der Sozius sitzt im Übrigen deutlich besser, als es das recht kleine Sitzbrötchen vermuten lässt, allerdings fehlen Haltegriffe ebenso wie Gepäckhaken. Im Alltag stört außerdem der fehlende Hauptständer, den es nur bei der Fazer gibt. Den nunmehr komplett schwarzen statt zweifarbigen Auspufftopf hingegen haben beide.
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Zeichnung: Archiv

Technische Daten & Leistungsdiagramm

Motor:
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, je zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, fünf Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 42 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 560 W, Batterie 12 V/11 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 45:17.
Bohrung x Hub 77,0 x 53,6 mm
Hubraum 998 cm3
Verdichtungsverhältnis 11,5:1
Nennleistung 110,3 kW (150 PS) bei 11000/min
Max. Drehmoment 106 Nm bei 8000/min

Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 245 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1460 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 109 mm, Federweg v/h 130/130 mm, Sitzhöhe 815 mm, Gewicht vollgetankt 230 kg, Zuladung 180 kg, Tankinhalt/Reserve 18,0/3,4 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Blau-Silber, Schwarz,Weiß
Preis 11195 Euro
Nebenkosten zirka 170 Euro
Foto: Bilski

Plus- und Minuspunkte

Plus:

  • Bremse ABS jetzt serienmäßig an Bord
  • Reichweite 300 Kilometer sind drin
  • Service-Intervall mit 10 000 km praxisnah
  • Sozius sitzt fast so komfortabel wie Fahrer


Minus:

  • Schräglagenfreiheit begrenzt
  • Drehmoment unten immer noch mau
  • Knieschluss durch fetten Tank breit
  • Hauptständer nur bei Fazer erhältlich

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