Test Yamaha FZ6 S2 Neue Fazer mit mehr Leistung

Die beliebte Yamaha FZ6 wurde endlich gründlich überarbeitet. Und startet als Modell S2 mit 98 PS wieder mit voller Leistung in die neue Saison.

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Etwas enttäuscht und ratlos blickten Freunde der FZ6 drein, als Yamaha vor knapp zwei Jahren die halbverkleidete FZ6 überarbeitete und als Fazer S2 auf den Markt brachte, ihren Favoriten aber wie übrigens auch die "gewöhnliche" Fazer – auf versicherungsgünstige 78 PS gedrosselt fast unverändert im Programm beließ. Dazu gelang die Leistungsreduzierung wenig überzeugend: Der bis dahin serienmäßig 98 PS starke, drehfreudige Vierzylinder war seiner Spritzigkeit beraubt. Gegen 50 Euro Aufpreis ließ er sich entkorken – eine Modellpolitik, mir der sich die Käufer nicht recht anfreunden konnten. Etwas enttäuscht und ratlos blickten Freunde der FZ6 drein, als Yamaha vor knapp zwei Jahren die halbverkleidete FZ6 überarbeitete und als Fazer S2 auf den Markt brachte, ihren Favoriten aber wie übrigens auch die "gewöhnliche" Fazer – auf versicherungsgünstige 78 PS gedrosselt fast unverändert im Programm beließ. Dazu gelang die Leistungsreduzierung wenig überzeugend: Der bis dahin serienmäßig 98 PS starke, drehfreudige Vierzylinder war seiner Spritzigkeit beraubt. Gegen 50 Euro Aufpreis ließ er sich entkorken – eine Modellpolitik, mir der sich die Käufer nicht recht anfreunden konnten. Nun kommt auch die FZ6 wieder serienmäßig mit 98 PS und in den Genuss jener technischen Änderungen, die der Fazer als S2 schon 2006 zuteil wurden: neue Instrumente, eine komfortablere Sitzbank, Alu-Gussschwinge und knackige Vorderradbremse. Allein das übersichtlich gegliederte Cockpit mit seinen gut ablesbaren Instrumenten wie digitalem Tachometer und analogem Drehzahlmesser statt des verspielten Mäusekinos der Vorgängerin ist einen Teil der Preisdifferenz von 700 Euro wert. 7495 Euro verlangt Yamaha nun für die neue FZ6, 6795 Euro waren es bei der alten.

Unpraktisch sind leider die Rückspiegel mit ihren kurzen Auslegern, in Leder gehüllte Oberarme versperren den Blick auf den rückwärtigen Verkehr. Indes erleichtern die um zwei Zentimeter tiefer positionierten Fußrasten, die einen bequemeren Kniewinkel ermöglichen, dem Sozius die Mitfahrt. Wie der Beifahrer profitiert auch der Fahrer von dem nun rutschfesten Sitzbankbezug und genießt wie schon auf der alten FZ6 eine sehr kommode Sitzhaltung, das spielend leichte Handling und die uneingeschränkt hohe Lenkpräzision trotz insgesamt komfortabler Fahrwerksabstimmung, die besonders auf schlechten Straßen angenehm zur Geltung kommt. Die Alu-Gussschwinge soll die Stabilität verbessern, wobei in der Praxis kein Unterschied auszumachen ist. Schöner sieht die neue Lösung allemal aus, vor allem der Anblick der Prismenführung für die hohlgebohrte Hinterachse ist ein Kaufargument.
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Bremsen und ABS

Einen spürbaren Schritt nach vorn macht die S2 dagegen aufgrund der einteiligen Vierkolben-Bremssättel aus der FZ1. Die Vorgängerin bremste noch mit einfachen Doppelkolben-Schwimmsätteln. Viel knackiger ist nun der Druckpunkt, präziser die Dosierbarkeit, und es genügen zwei Finger, um die Yamaha vehement zu verzögern. So, wie man es von einem sportlich ambitionierten Naked Bike eigentlich erwartet. Ausgiebige Verzögerungsmessungen im ABS-Regelbereich relativieren allerdings den guten Gesamteindruck. Mit im Schnitt gerade mal 8,0 m/s2 und einem Bremsweg von rund 52 Metern aus 100 km/h sind die Resultate sehr mäßig. Beim gleichzeitigen Einsatz von Vorder- und Hinterradbremse verbessert sich zwar die Verzögerung auf 8,5 m/s2 und der Bremsweg auf 45,4 Meter, doch diese Übung absolvierte die FZ6 früher schon mal besser, nämlich als sie noch kein ABS hatte. Im Top-Test in MOTORRAD 21/2003 brachte es die FZ6 Fazer auf enorme 9,9 m/s2 und einen Bremsweg von nur 39 Metern.

Das spricht freilich keineswegs gegen ein ABS. Denn die Bremsversuche werden unter optimalen Bedingungen von Profis durchgeführt, bei Schreckbremsungen im Alltag sind solche Werte kaum reproduzierbar. Erfreulicherweise ist ein ABS in dieser Klasse mittlerweile Standard. Das regelt bei der FZ6 bei höheren Geschwindigkeiten noch fein, im Handhebel kaum spürbar pulsierend. Mit abnehmender Geschwindigkeit werden die Regelintervalle gröber und kurz vor dem Stillstand manchmal so ruppig, dass die FZ6 zu unerwarteten Stoppies neigt.

Der geschmeidig surrende Vierzylinder erfuhr keinerlei Änderung. Mit gemessenen 100 PS steht er gut im Futter, nimmt weich Gas an, verträgt niedrige Drehzahlen, ohne allzu schwachbrüstig zu wirken. Aber er macht auch keinen Hehl daraus, dass er seine Power aus hohen Drehzahlen schöpft. Das Sechsganggetriebe schaltet sich leichtgängig und präzise. Angesichts des stets hohen Drehzahlniveaus überrascht der durchschnittliche Verbrauch von fünf Litern nicht, gleichwohl wäre mehr Sparsamkeit wünschenswert. Insgesamt ist es aber begrüßenswert, dass Yamaha mit dem "S"-Modell das Profil des beliebten Naked Bikes wieder geschärft hat. Eine 34-PS-Variante für Einsteiger soll demnächst folgen. Und in der 78-PS-Klasse ist künftig die XJ 6 Diversion im Programm.
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