Top-Test Suzuki Bandit 1200 S Erfolgsgarant

Seit langem belegt die 1200er-Bandit-Baureihe einen Platz unter den Top Ten der Zulassungsstatistik. Das neue Modell mit ungeregeltem Katalysator sorgt auch im Top-Test für eine erfolgreiche Vorstellung.

Foto: fact
Die beliebte Suziki Bandit 1200 S - jetzt mit ungeregeltem Kat
Die beliebte Suziki Bandit 1200 S - jetzt mit ungeregeltem Kat
Sensation oder gepflegte Normalität, Lamborghini Gallardo oder VW Golf – beides kommt gleichermaßen an beim
Publikum. Auf welcher dieser beiden Erfolgsschienen die Suzuki Bandit 1200 S fährt, steht angesichts des konservativen Stylings nicht in Frage.
Lieber gefallen als auffallen ist ihre
Devise, die Bandit macht auf Understatement, obwohl weder ihr 1200 cm3 großer Vierzylinder noch das komfortable Fahrwerk sich vor der Konkurrenz verstecken müssen. Ihren Fahrer nimmt die Bandit freundlich auf, weil der hohe Lenker und die tiefen Fußrasten eine entspannte
und perfekte Sitzposition ermöglichen.
So taugt die Suzuki zum Beispiel prima für eine flotte Tour an einem sonnigen Frühlingstag durch den Schwarzwald.
Aufrecht sitzend genießt man nicht nur einen schönen Blick auf die gerade
aus dem Winterschlaf erwachende Natur mit dem ersten Grün an den Bäumen,
sondern zudem eine gute Sicht nach vorn und durch die großen, weit ausladenden Rückspiegel auch nach hinten. Dazu passt
dieser bärige, ausgeruhte Vierzylinder, der allerdings trotz Gummilagerung und großer Ausgleichsgewichte an den Lenkerenden und unter den Fußrasten seine Vibrationen nicht ganz verbergen kann. Besonders
in dem für ein gemütliches Cruisen bevorzugten Drehzahlbereich zwischen 4000 und 5500/min läuft der Motor recht rau und überträgt die Schwingungen deutlich spürbar in den Rahmen.
So zeigen sich nach einer mehrstündigen Fahrt erste Ermüdungserscheinungen in Form von eingeschlafenen Fingern. Schon zuvor beginnt jedoch das Hinterteil zu schmerzen. Wer anfangs noch glaubte, einen komfortablen Platz auf der breiten Sitzbank geboten zu bekommen, muss nach längerem Aufenthalt spüren, dass diese zu weich ist, das Polster sitzt sich
regelrecht durch. Noch schlimmer trifft es den Sozius, dessen Rasten aufgrund des hoch angebrachten Endschalldämpfers – der nun einen ungeregelten Kat beherbergt und deswegen etwas länger ausfällt – sehr hoch platziert sind, was einen spitzen,
unbequemen Kniewinkel verursacht.
Kupplungs- und Bremshebel dagegen sind vierfach verstellbar, lassen sich auf die individuellen Bedürfnisse des Fahrers perfekt anpassen. Überhaupt erweist sich die Bandit als sehr gut ausgestattet
mit Warnblinkanlage, zahlreichen Verzurrmöglichkeiten, Hauptständer und einem kleinen Staufach unter der Sitzbank. Nicht
zu vergessen die klassischen und gut
ablesbaren Rundinstrumente, die darüber hinaus mit einer Uhr und einer in Balkenform dargestellten Benzinanzeige alle
nötigen Informationen bereit halten.
Wünschenswert wären nur noch eine Wegfahrsperre und zumindest gegen Aufpreis ein ABS, das gerade zur Bandit sehr gut passen würde. Aber dazu später mehr, wenn sich die große Suzuki auf dem Top-Test-Parcours bewähren muss.
Auf der Landstraße zeigt sich die 1200er von ihrer Schokoladenseite. Das bullige Triebwerk übertrifft die Werks-
angabe von 98 PS mit gemessenen 112 PS deutlich. Das sind sogar zwei PS
mehr als bei der zuletzt gemessenen
Version ohne Kat, was sich auch in den besseren Fahrleistungen widerspiegelt. Erfreulicherweise fällt zudem der Verbrauch mit 4,9 Litern auf 100 Kilometer Landstraße 0,4 Liter geringer aus als beim Modell des vergangenen Jahres. Vorbildlich harmoniert der durchzugsstarke Vierzylinder, der durch lineare Leistungsentfaltung und geschmeidiges Lastwechselverhalten überzeugt, mit dem leicht zu schaltenden Fünfganggetriebe. Ein fülliger Drehmomentverlauf mit einer Spitze von 101 Nm bei 6300 Umdrehungen kaschiert die sehr lange Übersetzung, die zwar
auf der Autobahn niedrige Drehzahlen
garantiert, die Bandit jedoch schon im vierten von fünf Gängen fast ihre Topspeed erreichen lässt.
Zum Touring-Charakter des Antriebs passt das Fahrwerk. Die komfortable
Abstimmung bügelt auch derbe Schläge aus. Wie auf einer Sänfte bewegt man
sich über Holperstrecken. Obwohl darunter die Rückmeldung etwas leidet, kann das den Piloten nie beunruhigen. Als
besondere vertrauensbildende Maßnahme darf man den stoischen Geradeauslauf nennen. Egal, ob bei 230 Sachen – wo-
bei die Halbschalenverkleidung mit einem
guten Windschutz überrascht – oder bei voller Beschleunigung über Bodenwellen, die Suzuki bleibt immer auf Kurs. Selbst wenn sie für die große Urlaubstour mit den maximalen 208 Kilogramm beladen wird.
Dass die Bandit kein Muster in Sachen Lenkpräzision ist, macht sich in lang gezogenen Kurven bemerkbar, dies wird vor allem im Top-Test-Parcours deutlich. Im langsamen Slalom schieben die 246 Kilogramm mächtig über das Vorderrad und machen es einem nicht leicht, eine enge Linie zu halten. Dabei wirkt sich sogar ein unterschiedlicher Tankinhalt aus. Mit wenig Benzin an Bord geht die Lenkpräzision
in Ordnung, doch voll getankt lässt
die Bandit einiges an Zielgenauigkeit vermissen. Mehr als durch den vollen Sprit-
behälter wird die Suzuki allerdings von der
begrenzten Schräglagenfreiheit und dem serienmäßig aufgezogenen Michelin Macadam 100 X beeinträchtigt. Obwohl die
Reifen so große Schräglagen ermöglichen, dass auf der rechten Seite neben den Fußrasten der Endschalldämpfer und auf der linken Seite der Seitenständer hart aufsetzen, schaffen sie es nicht, dem Fahrer ein Vertrauen erweckendes Gefühl für den Grenzbereich zu vermitteln.
Noch mehr Kritik aufgrund ihrer schlechten Rückmeldung müssen die
Michelin bei der Bremsmessung einstecken. Gerade weil die Sechskolbenzangen mit sehr guter Verzögerung und Dosierung arbeiten und nur im allerersten Moment weniger giftig zur Sache gehen dürften,
ist es sehr schwierig, die Haftgrenze des Vorderreifens zu erahnen. Mit dem Resultat, dass das Vorderrad ohne Vorwarnung blockiert. Mit einer Verzögerung von 9,6 m/s2 erreicht die Bandit zwar einen guten Wert, der aber aufgrund der kräftigen Bremse und der hohen Bremsstabilität noch besser ausfallen könnte, wenn der Vorderreifen sich im Grenzbereich gutmütiger verhalten und mehr Feedback bieten würde. Dreimal während der
Bremsmessungen blockierte ansatzlos der Vorderreifen, einmal schrammte Top-Tester Georg nur um Haaresbreite an einem
Abflug mit gut 100 km/h vorbei.
Auf holprigen Strecken tritt dieses
Problem wegen der sehr weichen Gabel, die sich lediglich in der Vorspannung einstellen lässt und somit schnell an ihre Grenzen kommt, noch sehr viel früher auf, da das Vorderrad hier gelegentlich den
Bodenkontakt verliert und dann sofort
stillsteht. Womit wir wieder beim Thema ABS sind. Damit wäre eine Vollbremsung nicht nur sicher, sondern wahrscheinlich auch der Bremsweg kürzer. Doch schon der Wechsel auf die ebenfalls eingetragenen Bridgestone BT 020 bringt eine deutliche Verbesserung des Bremsverhaltens, zugleich eine höhere Lenkpräzision und sogar ein noch besseres Handling.
Das war es aber dann auch mit
unliebsamen Überraschungen. Ansonsten erweist sich die 1200er-Suzuki als ein
ausgereiftes Motorrad ohne große Schwächen, dem der sehr faire Preis von 8130 Euro zu einem überragenden Verkaufserfolg verhilft. Mit dem ungeregelten Kat hat der Topseller der letzten Jahre in dieser Saison alles, was er für eine Fortsetzung seiner Erfolgsgeschichte braucht. Fehlt
nur lediglich noch eine andere Serien-
bereifung und die Wiedereinführung eines ABS, das es für die große Bandit 1997
ja schon einmal gab.

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