Im Test: Triumph Bonneville SE Das Retro-Motorrad von Triumph im Test

Unter dem Retro-Kleid der Bonneville SE steckt moderne Technik. 2Räder war mit dem Neo-Klassiker unterwegs.

Foto: Gargolov

Die sogenannten Modern Classics sind eine stabile Säule in der Motorradlandschaft Deutschlands und darüber hinaus. Retro-Bikes liegen derzeit wieder voll im Trend, und Triumph nutzt diese Welle: Die Sonderedition SE der Bonneville unterscheidet sich optisch unter anderem durch die Zweifarblackierung, polierte Motorgehäusedeckel, verchromte Tank-embleme und die schmalere Sitzbank von der Standard-Bonneville.

Am Fahrgefühl ändert das freilich wenig. Schön niedertourig kann man mit dem Twin vor sich hin-bollern, bereits bei 1500/min in den nächsthöheren Gang schalten. Zwei Ausgleichswellen und die große Schwungmasse mindern zwar Vibrationen, aber leider auch die Drehfreude. Oberhalb von 5000/min lässt der Vortrieb spürbar nach, doch das stört kaum. Reisen statt Rasen ist die Devise der Bonnie: Früh aufsetzende Rasten verhindern große Schräglagen, die Bremsen verzögern die Bonnie nur ausreichend, und das Fahrwerk kommt bei zügiger Gangart schnell an seine Grenzen. An der Ausstattung wurde gespart: Außer verstellbaren Handhebeln und einer Stahlflexleitung vorn ist nicht viel dran an der Bonnie. Nicht einmal ein kombiniertes Zünd-/Lenkschloss. Für Puristen und Klassik-Fans spielt das keine Rolle; sie erfreuen sich am tollen, dumpfen Sound aus den konischen Endschalldämpfern, am blitzenden Chrom und dem relativ geringen Preis. Für unter 9000 Euro bekommt man ein Motorrad, das zwar nach Oldtimer aussieht, technisch aber modern ist.

Aufgefallen:

Positiv:
Laufruhiger, Drehmomentstarker Zweizylinder
Moderne Einspritzung
Entspannte Sitzposition
Schicke Retro-Optik
Unkompliziertes Fahrverhalten

Negativ:
Fahrwerk mangelt es an Dämpfung und Feedback
Bremsen allenfalls Durchschnitt
Magere Ausstattung

Anzeige
Foto: Hersteller

Konkurrenz / Fahrverhalten

Die Konkurrenz

Ducati GT 1000
92 PS verhelfen der Duc zu ordentlichen Fahrleistungen. Die bequeme Sitzposition erlaubt längeres Touren mit dem Allrounder. Preis: 10 400 Euro

Harley-D. Sportster 883 Iron

Mit ihrem zeitlosen Design, der coolen Sitzposition und dem einfachem Handling überzeugt die 883 Iron sofort. Günstig ist sie auch. Preis: 7990 Euro

Moto Guzzi V7 Classic

Einfache und robuste Technik kennzeichnet die Guzzi. Mit 48 PS ist sie ausreichend motorisiert, die Bremsen packen kräftig zu. Preis: 8135 Euro
8990

Fahrverhalten


In der Stadt

Nicht zu breit, nicht zu schwer, nicht zu hoch. In der Stadt macht die Bonnie eine gute Figur. Sie eignet sich für den Weg zur Arbeit ebenso wie für die Fahrt zum Eiscafé, vor dem sie dann interessierte Blicke auf sich zieht. Im dichten Stadtverkehr nerven die groben Lastwechselreaktionen.

Auf der Landstrasse

Zum entspannten Touren bietet sich die Triumph an. Egal ob alleine oder mit Sozius, die Bonneville lässt sich leichtfüßig und handlich um die Kurven scheuchen. 67 PS sind landstraßentaugliche Leistung. In schnellen, engen Kurven setzen die Fußrasten auf und fordern mehr Zurückhaltung vom Fahrer.

Auf der Autobahn
Die Bonnie rennt über 180 km/h, Spaß macht sie dann allerdings nicht mehr. Seine volle Leistung gibt der Twin bei 7500/min ab, er wirkt dann recht zäh, hohe Drehzahlen liegen ihm nicht besonders. Die aufrechte Sitzposition und der fehlende Windschutz lassen es hinter dem Lenker schnell stürmisch werden.



Anzeige
Foto: Archiv

Endwertung / Technische Daten

Endwertung

Motor
Der Twin schiebt schon ab 1500/min kräftig an und ermöglicht niedertouriges Fahren. Leider nervt er mit recht starken Lastwechselreaktionen.

Fahrwerk
Dem Fahrwerk mangelt es an Dämpfung, zudem fällt das Feedback eher bescheiden aus. Das Handling ist unkompliziert, aber nicht leichtfüßig.

Bremsen
Die einzelne Bremsscheibe vorn mit Doppelkolben-Schwimmsattel verzögert die SE nur ausreichend, keineswegs perfekt. ABS ist nicht erhältlich.

Ausstattung
Fast nur optisch unterscheidet sich die Sonderedition SE vom Basismodell. Einen Drehzahlmesser gibt‘s zusätzlich, mehr allerdings nicht.

Komfort
Aufrecht und bequem sitzen Fahrer und Sozius auf der weichen Sitzbank. Der offene Kniewinkel und der hohe Lenker erlauben längere Touren.

Einsteigertauglichkeit
67 PS, die geringe Sitzhöhe und ein gutmütiges Fahrverhalten machen die Bonnie für Anfänger attraktiv. Der günstige Preis kommt noch dazu.

Technische Daten

Motor: Zweizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum: 865 cm³
Kraftübertragung: Fünfganggetriebe/Kette
Leistung: 49 kW (67 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment: 69 Nm bei 5800/min
Bremse vorn Scheibe: (Ø 310 mm)
Bremse hinten Scheibe: (Ø 255 mm)
Reifen vorn: 110/70 R 17
Reifen hinten: 130/80 R 17
Federweg vorn/hinten: 120/100 mm
Tankinhalt: 16 Liter, Super
Farben: Blau/Weiß, Orange, Schwarz
Wartungsintervalle: 10 000 km
Preis: 8990 Euro inkl. Nebenkosten

Höchstgeschwindigkeit*: 185 km/h
Beschleunigung: 0−100 km/h 4,5 sek
Durchzug: 60−140 km/h 13,1 sek
Gewicht vollgetankt: 227 kg
Zuladung: 203 kg

*Werksangabe

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel