Triumph Street Cup.

Triumph Street Cup im Fahrbericht Cuppuccino

Mit der Street Cup präsentiert Triumph die nun dritte Variante der Street Twin-Baureihe. Statt Holzfällerhemd wie beim Scrambler trägt die Triumph Street Cup allerdings Bikiniverkleidung, dazu Lenkerstummel und Einmannsitzbank – ein Café Racer also. Schaumschläger oder Sportgerät?

Die N 435, etwa 20 Minuten nordwestlich von Sevilla, ist ein Stück allerfeinster Gourmet-Asphalt. Begnadete Straßenbauer haben hier eine verwegen gewundene Teerschneise mitten ins Nirgendwo geschlagen, wie direkt aus den feuchten Träumen sportaffiner Kradler: fordernde Radien sämtlicher Couleur, nicht zu eng und nicht zu weit. Rauer, ultragrippiger Belag, meist fast topfeben und so gut wie immer warm und trocken. Kuppen, Senken, hängende und überhöhte Kurven. Wenig bis kein Verkehr. Hier kann man sich schwindelig fahren, wie in einer spanisch-rostbraunen ­Variante der Grünen Hölle. David Lopez, bei Triumph für die Fahrwerke zuständig und ein Mann des engagierten Strichs, tut gerade genau das. Winkelt gekonnt und tief ab, lässt den Pirelli schuften, bittet dann ­jedes der 55 Pferde mit Nachdruck zum Tagwerk. Wir tun es ihm nach und zweckentfremden die neue Triumph Street Cup ­damit vielleicht schon ein bisschen.

Anzeige

Schräglagenfreiheit bemerkenswert gut

Erste Erkenntnisse der beherzten Landstraßenpartie: Die Gentleman-sportslike-Ergonomie der Street Twin-Schwester mit dem kecken Bürzel taugt. Hoch verlegte Fußrasten bedeuten eine bemerkenswert gute Schräglagenfreiheit, viel besser als beim zeitgleich präsentierten Scrambler. Leicht vorderradorientiert logiert man, dank einer etwas seltsam anmutenden Lenkerkonstruktion aus Riser auf der Gabelbrücke und wild gebogenem Verbindungsrohr, welches am Ende Stummel aufnimmt. Der Lohn dieser Übung: Die Alltagstauglichkeit bleibt voll erhalten. Eine schmucke Bikiniverkleidung schützt überraschend gut vor dem ärgsten Fahrtwind, und die Sitzbank in Alcantara-Optik gelang schön schmal und bequem. Bei der Triumph Street Cup handelt es sich eigentlich um einen Zweisitzer, die Soziusabdeckung gehört zum Lieferumfang. Retro-profilierte Pirelli Sportscomp schauen nicht nur chic aus, sondern funktionieren auch ausgezeichnet. Wie die Street Twin rollt auch die Cup vorne auf 18 Zoll, das neutralere Lenkverhalten bietet allerdings die mit 19-Zöller ausgerüstete Scrambler. So lenkt der Café Racer zwar flink ein, wird mit zunehmender Schräglage aber etwas ungelenk und stellt sich auf der Bremse auf. Was für die Sitzposition gilt (sieht sportlich aus, ist aber eher für jeden Tag gemacht), gilt letztlich auch für das Chassis.

Motor läuft angenehm und stressfrei

Wie alle Street Twins verfügt auch die Baby-Thruxton über einfachste Federelemente, die transparent, wenngleich ein wenig straff arbeiten. Eher Pfeifenraucher als Sportsmann ist der wassergekühlte 900er-Zweizylinder, wurde er doch von Haus aus ex­trem auf Dampf bei niedrigsten Drehzahlen getrimmt. Üppige 80 Newtonmeter stellt er gefühlt kurz über Standgas bereit, schiebt damit bärig von ganz unten. Um am schnellen David dranzubleiben allerdings reicht das heute nicht, dafür müssen wir den Charakter-Twin mit 270 Grad Hubzapfenversatz auspressen. Das macht er zwar klaglos mit, aber sein Elan ebbt ab der Mitte des Drehzahlbereichs sehr ab. Wie beim Scrambler gilt auch bei der Triumph Street Cup: Neben dem schönen Drehmoment ganz unten und einem wunderbaren Sound ist das ­eigentliche Pfund dieses Motors sein angenehmer Lauf, sein stressfreies Wesen. Die vordere Einzelscheibenbremse tut genau das, was man von ihr verlangen kann: zuverlässig, sicher und ABS-unterstützt Geschwindigkeit abbauen.

Wertiges Neo-Retro-­Café-Racerchen für Genießer

Wir nehmen auch etwas Fahrt raus und bewundern beim Cuppuccino die tolle Verarbeitung. Auch an dieser Classic-Triumph stimmt einfach alles. Zeitlos elegante Linie, feines Finish. Edle Tankembleme, viel gebürstetes Aluminium, die schicken Analoguhren der Thruxton und handgemalte Tankverzierungen stellen klar, was die Triumph Street Cup eigentlich ist: ein schönes, voll alltagstaugliches, wertiges Neo-Retro-­Café-Racerchen für Genießer, die es unkapriziös und stressfrei mögen.

Technische Daten Triumph Street Cup

Triumph Street Cup

Motor

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihen­motor, zwei Ausgleichswellen, eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Rollenkipphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 1 x Ø 38 mm, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, Lichtmaschine 630 W, Batterie 12 V/10 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, X-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 2,412.
Bohrung x Hub: 84,6 x 80,0 mm
Hubraum: 899 cm³
Verdichtungsverhältnis: 10,5:1
Nennleistung: 40,5 kW (55 PS) bei 5.900/min
Max. Drehmoment: 80 Nm bei 3.230/min

Fahrwerk

Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 255 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Traktionskontrolle, ABS.
Alu-Gussräder: 2.75 x 18; 4.25 x 17
Reifen: 100/90 H 18; 150/70 R 17

Maße + Gewichte

Radstand 1.435 mm, Lenkkopfwinkel 65,7 Grad, Nachlauf 98 mm, Federweg vorn/hinten 120/120 mm, Sitzhöhe 780 mm, Trockengewicht 200 kg, Tankinhalt/Reserve 12,0 Liter
Garantie: vier Jahre
Farben: Gelb/Grau, Schwarz/Grau
Preis: 10.500 Euro
Nebenkosten: 450 Euro

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote