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Die letzte Modernisierungskur gab es 2013. MOTORRAD ist die erneut überarbeitete Wildkatze gefahren und berichtet.

Triumph Tiger 1050 Sport im Fahrbericht Eierlegender Wollmilchtiger

Street Twin, Speed Triple, Tiger Explorer, Thruxton – in Hinckley sind sie derzeit ganz schön umtriebig. In der überarbeiteten Triumph Tiger Sport 1050 findet die Triumph-Modelloffensive nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Wir sind gefahren, damit Sie nicht den Tiger im Sack kaufen müssen.

Als der liebe Gott das Hinterland von Nizza erschuf, dachte er ziemlich sicher schon an uns Kradler. In Reichweite der Côte d’Azur schlängeln sich hier verwegen feine Sträßchen durch die südlichsten Ausläufer der Seealpen. Hier treffen sich die Route Napoléon und die Route des Grandes Alpes, sind der Col de Turini und der Bonette keine Tankfüllung weit entfernt. Hierhin reist man am besten mit dem Motorrad – egal ob allein, zu zweit oder in der Gruppe. An Gepäck gerade so eben, was es braucht, und dann vom Hotel aus in Tagestouren dieses wunderschöne Fleckchen Erde erfahren. Insofern liegt Triumph goldrichtig, die überarbeitete Triumph Tiger 1050 Sport genau hier aus dem Käfig zu lassen.

Jenes langbeinige Asphalt-Multifunktionswerkzeug, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Schnittmenge zwischen Reisekomfort und Sportlichkeit zu maximieren. Genau das also, was man für einen Ausflug in diese reizvolle Gegend will. Die Modernisierungskur der zuletzt 2013 erneuerten Zehnfuffziger-Sportkatze konzentriert sich, so kennt man das mittlerweile, neben Feinschliff im Detail in erster Linie auf Euro 4 und ein moderneres Elektronikpaket. Ganz ähnlich wie bei der jüngst überarbeiteten Speed Triple, mit der sich die Triumph Tiger 1050 Sport die Dreizylinder-Gene teilt.

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Noch glattere Drehmomentkurve

Auch hier macht nun ein Ride-by-Wire Schluss mit dem Gaszug – und den Motor der Triumph Tiger 1050 Sport damit fit für die Zukunft. Die elektronische Steuerung der Drosselklappen ermöglicht verschiedene Fahrmodi, diesmal stehen deren drei zur Auswahl. Und die sind recht selbsterklärend: Rain, Road und Sport. Neben dem Ansprechverhalten des Motors verändern diese Modi das Regelverhalten des ABS (in zwei Stufen) und der neu hinzugekommenen Traktionskontrolle (ebenfalls zweistufig, zudem abschaltbar).

Und genau wie in der Speed Triple ist der modifizierte Motor auch in der Triumph Tiger 1050 Sport ein extrem umgängliches Aggregat, glänzt mit feinster Dosierbarkeit, geringen Lastwechselreaktionen und seidigem Schmalz – egal bei welcher Drehzahl. Nennleistung und maximales Drehmoment sind zwar praktisch unverändert (plus 1 PS und 2 Nm), aber Triumph verspricht eine noch glattere Drehmomentkurve und damit gleichmäßigere Leistungsabgabe. Charakterlich passt der Dreizylinder jedenfalls ganz wunderbar in so ein GT-Motorrad.

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Foto: Triumph
Trotz Euro 4 schnurrt und faucht der neue Tiger eher wilder als zuvor. Kehlig, aber dezent – ein schönes Geräusch.
Trotz Euro 4 schnurrt und faucht der neue Tiger eher wilder als zuvor. Kehlig, aber dezent – ein schönes Geräusch.

Stressfreie Leistungsabgabe und angenehm vibrationsarmer Lauf, unangestrengter Punch für kraftvolle Fahrleistungen, so lässt es sich tagelang unterbrechungsfrei tigern. Und wie schon bei der Speed Triple profitiert auch die Triumph Tiger 1050 Sport sehr von der überarbeiteten Schaltmechanik, dank derer die Gangwechsel sehr angenehm vonstatten gehen. Ob die Handkraft der neuen, servounterstützten Anti-Hopping-Kupplung wirklich um volle 48 Prozent geringer ausfällt als beim Vorgängermodell, ließe sich nur im direkten Vergleich erfahren, für sich genommen jedenfalls ist der Kraftaufwand recht gering.

Und das Vorhandensein einer Rutschkupplung ist beim sportlichen Ritt immer ein willkommener Bonus. Gleiches gilt für die neue Traktionskontrolle der Triumph Tiger 1050 Sport, die so feinfühlig und dezent agiert wie jene in der neuen Speedy. Regeleingriffe erfolgen nicht ganz so spät, was dem veränderten Einsatzzweck des Fahrzeugs Rechnung trägt, dafür aber sanft und nachvollziehbar.

Fahrfertig wiegt die Triumph Tiger 1050 Sport 241 Kilogramm

Ebenfalls nicht ganz so scharf appliziert wie beim Speedy-Pendant ist der Blockierverhinderer der Triumph Tiger 1050 Sport, er öffnet die Bremse etwas früher, auch wenn die ABS-Hardware hier wie da die gleiche ist. Dies dürfte aber auch auf die andere Fahrzeuggeometrie und insbesondere das höhere Gewicht von fahrfertig 241 Kilogramm (Werksangabe) zurückzuführen sein.

Die Ergonomie ist unverändert aufrecht, das Arrangement aus Sitzbank, Lenker und Fußrasten dürfte für die Mehrzahl aller Piloten angenehmes Räubern möglich machen. Dank einer neuen, leicht zu verstellenden Scheibe sowie der kleinen Windabweiser und Handguards ist auch der Wind- und Wetterschutz der Triumph Tiger 1050 Sport dieser Fahrzeugkategorie angemessen. Erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten baut sich spürbar Druck auf, bis dahin herrscht angenehm verwirbelungsfreie Ruhe. Und klarer Durchblick, denn hier stört keine Kante die freie Sicht.

Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort

Gut so, denn unser Tourguide Julien, französischer Stunt-Fahrer und bislang halbwegs zivil unterwegs, hat sich nach dem Mittag einen doppelten Espresso mit viel Zucker gegönnt, jetzt lässt er den Tiger von der Leine. Wir wechseln in den Sport-Modus und hängen uns dran. Für ein Motorrad dieser Größe lässt sich der Allrounder bemerkenswert flink bewegen, gibt sich besonders aus der Mittellage heraus schön leichtfüßig. Bis zu ziemlich aberwitzigem Tempo. Okay, der Schwerpunkt liegt nicht unbedingt weit unten, die Masse ist immer präsent. Aber das Einlenken geschieht flüssig und linear, die Hüftsteifigkeit mancher Langgabelsportler ist der Triumph Tiger 1050 Sport fremd. Der als Erstbereifung montierte Pirelli Angel ST harmoniert prima mit dem Motorrad, liefert zudem schöne Rückmeldung.

Die unverändert vom Vorgänger übernommenen Showa-Federelemente (vorne voll einstellbar, hinten in Vorspannung und Zugstufe) federn mit der korrekten Rate und dämpfen auf der satten Seite, finden damit unterm Strich einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Einzig das Bremsen in Schräglage mag die Triumph Tiger 1050 Sport überhaupt nicht. Das Aufstellmoment ist enorm, daher empfiehlt es sich generell, hinten etwas mitzubremsen. Untadelig arbeitet die Bremsanlage, die nicht übertrieben bissig, aber schön dosierbar und im Fall der Fälle mit der nötigen Vehemenz zupackt. Schließlich sei noch erwähnt, dass die Verarbeitung, gerade angesichts des bodenständigen Preises, extrem solide ist.

Foto: Triumph
Das gut ablesbare Cockpit ist bis auf die Ganganzeige praktisch unverändert. Neu: drei Fahrmodi und Traktionskontrolle.
Das gut ablesbare Cockpit ist bis auf die Ganganzeige praktisch unverändert. Neu: drei Fahrmodi und Traktionskontrolle.

Wie eben bei der Speed Triple zieren schönere Schrauben, feinere Gussteile und insgesamt ein makelloses Finish die Straßenraubkatze. Und, wie es sich für ein Konzept mit Reiseambition gehört, findet sich im Originalzubehör der obligatorische Tankrucksack, ein Koffersystem, Heizgriffe und eine niedrige Sitzbank. Fazit? Wer sich an den Top-Test der neuen Speed Triple in Heft 8 erinnert, wird ein kleines Déjà-vu erleben. Keine der Neuerungen an der neuen Triumph Tiger 1050 Sport ist für sich genommen weltbewegend.

Auch die neue Triumph Tiger 1050 Sport bleibt ein echter Einer-für-alles-Allrounder. Als eierlegender Wollmilchtiger rundum nachgeschärft, mit Euro 4 und modernerer Elektronik.

Foto: Triumph
Triumph Tiger 1050 Sport.
Triumph Tiger 1050 Sport.

Technische Daten Triumph Tiger 1050 Sport

Technische Daten Triumph Tiger 1050 Sport (k.A.)
Modelljahr 2016
Motor
Zylinderzahl, Bauart 3 , Reihenmotor
Bohrung/Hub 79,0 / 71,4 mm
Hubraum 1050 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile pro Zylinder
Verdichtung 12,2
Leistung 92,9 kW ( 126,3 PS ) bei 9475 /min
Max. Drehmoment 106 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb x-Ring-Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Brückenrahmen
Federweg vorn/hinten 140 mm / 150 mm
Reifen 120/70 ZR 17 , 180/55 ZR 17
Bremse vorn/hinten 320 mm Vierkolben-Festsättel / 255 mm Doppelkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1540 mm
Lenkkopfwinkel 67,2 °
Nachlauf 89 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe 830 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 457 kg
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Preis
Neupreis 12700 Euro
Foto: Triumph
Triumph Tiger 1050 Sport.
Triumph Tiger 1050 Sport.

2016er-Tiger - was ist neu?

Motor

  • Euro 4-Homologation
  • Zylinderkopf und Einlasskanäle geändert, größere Einspritzdüsen
  • Auspuff mit 38 Prozent mehr Durchsatz
  • Kupplung Anti-Hopping-Kupplung mit Assist-Funktion für weniger Handkraft
  • Lichtmaschine mit mehr Leistung
  • Getriebe mit geänderter Schaltmechanik

Elektronik

  • Ride-by-Wire für geschmeidigere Gasannahme und drei verschiedene Fahrmodi
  • Traktionskontrolle zweistufig, abschaltbar
  • ABS zweistufig

Sonstiges

  • Windschild mit geänderter Form, einfach verstellbar, zusätzliche Windabweiser
  • Handprotektoren
  • Bugspoiler geändert
  • Tempomat
  • USB-Bordsteckdose

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