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Selbst hubraumstärkere Motorräder bekamen die GSX-R 750 von TTSL Rennsporttechnik meist nur von hinten zu sehen.

TTSL-Suzuki GSX-R 750 beim PS-TunerGP 2015 Echte 161 PS bei 166,6 Kilo

Leistung ist ­alles. Allerdings nur am Stammtisch, wie diese Suzuki GSX-R 750 von TTSL beim PS-TunerGP 2015 auf dem Sachsenring zeigt.

Wahrscheinlich gab es auf unserem Planeten noch nie eine Suzuki GSX-R 750, die ab Werk die versprochene Leistung von 150 PS erfüllte. Abhilfe schafft beispielsweise das Duo Rainer Tschauder und Franz Lesl von TTSL. Im Laufe der Jahre haben die beiden schon einige Dreiviertel-Gixxer unter ihren Fittichen gehabt und betreuen obendrein auch einen Fahrer in der GSX-R 750- Challenge. „Dafür, dass dieses Motorrad auf dem Markt eigentlich nicht existent ist, richten wir ziemlich viele von den Dingern her“, erzählt Rainer, als wir in der PS-Box am Sachsenring sitzen und uns über die Maschine unterhalten. „Viele sagen, eine Tausender bringt mich um, ich hätte gerne etwas, das fahrbarer ist und schön funktioniert. Genau darum kümmern wir uns dann.“

Um vorab das nun einmal vorhandene Leistungsdefizit der Suzuki GSX-R 750 zu beheben, gibt es drei mögliche Anlaufstellen: einen Zubehör-Auspuff und Racing-Krümmer montieren, dann den Motor ordentlich abstimmen. Hinsichtlich der TTSL-Maschine handelt es sich in beiden Fällen um slowenische Ware von Akrapovic. Zur Abstimmung wurde ein PC5 mit Autotune verwendet und die originale ECU umgeschrieben. So kommt man erst einmal auf wenigstens 140 PS. Werden die Nockenwellen bearbeitet und Hand an der Verdichtung angelegt, spuckt der Prüfstand endlich 150 Pferdchen aus.

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Fast alles Serie, aber nicht im Originalzustand

Alles, was leistungsmäßig darüber hinaus gehen soll, erfordert eine aufwendigere Brennraumbearbeitung. Die TTSL-Suzuki GSX-R 750 drückt 161 PS bei 13.800/min auf die Rolle und beansprucht mit 166,6 Kilo die Position der zweitleichtesten Maschine im Umfeld des diesjährigen TunerGP. Laut TTSL stecken in dem Projekt mehr als 300 Stunden Arbeitszeit. Beispielsweise blieb am Zylinderkopf kaum etwas unangetastet. Trotzdem entsprechen nahezu alle Motorteile des Inline-Fours der Serie, aber fast keines davon befindet sich im Originalzustand. Die einzelnen Komponenten wurden akribisch aufeinander abgestimmt und zugunsten von Leistung überarbeitet. So besitzen die Ventile eine höhere Vorspannung und die Pleuel wurden angeglichen. Die Kolbenhemden wurden für weniger Gewicht und bessere Belüftung gekürzt.

Beim Ventiltrieb und den Nockenwellenprofilen probierten die Tuner verschiedene Varianten aus und entschieden sich für die am besten funktionierende Kombination. Tornado schliff die Nockenwellen für mehr Hub sowie längere Ein- und Auslasszeiten um. Die TTSL-Suzuki GSX-R 750 dreht 900/min höher als ein Serienmodell, worauf Ventiltops und Ventilkeile ausgelegt werden mussten. Zu guter Letzt geht es um die Beatmung des Motors, was über ein aufgebohrtes Drosselklappengehäuse mit eigens angefertigten Klappen und Trichtern geschieht. Die speziell angepasste Verkleidung führt mehr Luft zu, wodurch die Kühlung im Schnitt um vier Grad verbessert werden konnte.

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TTSL-Suzuki GSX-R 750 schiebt merklich in die Kurven

Rainer ist ein bekennender Anhänger der Zweitakt-Ära, weshalb er die Slipper-Kupplung von TSS mit modifizierten Federn für möglichst wenig Bremskraft auf dem Hinterrad ausgerüstet hat. Die 750er schiebt darum merklich in die Kurven hinein, was ein Zögling der Viertakt-Kultur nicht unbedingt gleich versteht. Nichtsdestotrotz zählt die TTSL-Suzuki GSX-R 750 zu der Sorte von Maschine, mit der man ohne lange Eingewöhnungszeit schnelle Rundenzeiten fahren kann.

Hallo meine Hübsche, wollen wir zusammen heldenhaft durch das Feld dort draußen pflügen? Nichts lieber als das! Man fühlt sich auf der TTSL-Suzuki GSX-R 750 gut untergebracht, da am Arbeitsplatz alle Instrumente an der richtigen Stelle sitzen. Durch die relativ breiten Lenkerstummel von PP Tuning mit 28 Millimeter Offset fällt es leicht, das Motorrad auf der anvisierten Linie in Schräglage zu dirigieren. Außerdem sind die Gilles-Fußrasten griffig und bieten guten Halt. Der TTSL-eigene Rennsitz positioniert den Fahrer recht hoch und knüppelhart, was die Rückmeldung aber positiv beeinflusst.

Bremsmanöver gelingen auf den Punkt

Von einer brachialen Tausender kommend, wirkt die TTSL-Dreiviertel-Gixxer trotz ihres umfangreichen Motortunings auf der Zielgeraden natürlich weniger kräftig. Der Vorteil ist, dass die Maschine ihrem Piloten mehr Zeit zum Nachdenken lässt und das Hirn der Beschleunigung auch mal vollständig hinterherkommt. Am Kurveneingang sammelt die TTSL-Suzuki GSX-R 750 dann mit ihrer Genauigkeit und am Kurvenausgang mit ihrer Handlichkeit ordentlich Pluspunkte. Man kann mit der 750er nicht selten bedeutend engere Bögen fahren und früher ans Gas gehen als mit einem Superbike. In einer rauffreudigen Gruppe vollzieht sich so häufig dasselbe Spiel: Entspannt abwarten, den Gegner genau beobachten und dann im rechten Moment vorbeiziehen, was auch auf der Bremse geschehen kann. Mit den Brembo M4-Sätteln, Brembo-Radialpumpe, Brembo-HP-Scheiben (5,5 mm) und Belägen von Vesrah gelingen Bremsmanöver auf den Punkt. Beim Fahrwerk entschieden sich die Tuner am Heck für ein TTX-GP-Federbein von Öhlins. In der Gabel steckt ein Closed-Cartridge, ebenfalls aus Schwedengold. Zudem wurde die Gabel TiN-beschichtet.

Als besonders auffällig erweist sich das front- wie heckseitig straffe Setup. Obwohl Rainer Tschauder selbst mit seinem Bike schon einige Hobbyrennen gewinnen konnte, hält Arne Tode härtere Kritik bereit. „Das Fahrwerk arbeitet zu wenig, und proportional zur Handkraft könnte bei der Bremse etwas mehr unten ankommen“, lautet die Einschätzung des Ex-Moto2-Fahrers. Rainer nimmt daraufhin etwas Dämpferöl aus der Gabel heraus und passt Zug- und Druckstufe an. Mit dem Ergebnis, dass die TTSL-Suzuki GSX-R 750 satter liegt und das Feedback höher ausfällt. 

Wie dem auch sei: Der Autor kann sich ein zufriedenes Lachen kaum verkneifen, wenn er an die hubraumstärkeren Motorräder denkt, welche die TTSL-Suzuki GSX-R 750 heute hauptsächlich von hinten sahen. Keiner von euch dort draußen hätte anders gefühlt.

Foto: fact
Der Reihenvierer dreht rasant nach oben und rennt bei knapp 14.000/min in den Begrenzer. Mehr als 10.000/min sollten für eine Attacke allerdings anstehen.
Der Reihenvierer dreht rasant nach oben und rennt bei knapp 14.000/min in den Begrenzer. Mehr als 10.000/min sollten für eine Attacke allerdings anstehen.

Daten und Messwerte

Gewicht
166,6 kg
vorn/hinten: 55/45 %

Leistung
161 PS

Umbaukosten
ca. 33.000 Euro

Foto: fact
TTSL-Rennsporttechnik
Rainer Tschauder & Franz Lesl GbR
Im Gansbruch 29
52441 Linnich
www.ttsl.de.
TTSL-Rennsporttechnik Rainer Tschauder & Franz Lesl GbR Im Gansbruch 29 52441 Linnich www.ttsl.de.

TTSL Rennsporttechnik

Rainer Tschauder & Franz Lesl GbR

Im Gansbruch 29
52441 Linnich

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