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TunerGP 2015 - Hertrampf-Suzuki GSX-S 1000 im Einzeltest Die Power-S

Gelungenes Tuning heißt nicht immer brutale Top-Leistung. Wer sein Handwerk versteht, weiß Schwächen gekonnt anzugehen und auszumerzen. Hertrampf hat das an der Suzuki GSX-S 1000 vorgemacht.

Die Suzuki GSX-S 1000 kam gerade erst dieses Frühjahr auf den Markt und ergänzt nun endlich das Programm der Japaner um ein nacktes, aber eben sehr sportliches und vor allem potentes Bike. Für Suzuki-Händler und Tuner Denis Hertrampf die Steilvorlage für den diesjährigen TunerGP, denn das Serienbike bietet mit dem Konglomeratsvierzylinder aus der K5 bis K8 eine tolle Basis für fetten Punch in allen Lagen. Aber die GSX-S bekam durch die Naked Bike-Anpassung ein paar Eigenheiten mit auf den Weg, die nach sachkundiger Tuner-Hand schreien, um daraus ein piekfeines Aggro-Eisen für die Rennstrecke und ein entsprechend entfesseltes, harmonisches Bike für freie Runden für freie Bürger zu machen.

Für den geplanten Einsatzzweck eines Naked Bikes sind die von uns in der Serie gemessenen 157 PS an der Kurbelwelle schon mal eine Hausnummer. Auch Hertrampf sah hier kaum Handlungsbedarf, obwohl er noch mal drei PS obendrauf packte. Zulangen musste er allerdings bei der welligen Leistungskurve, welche die Suzuki GSX-S 1000 gerade im Bereich zwischen 5000 und 7000/min als Schnappatmer enttarnt. Dort hängen nämlich der Punch und das Drehmoment durch – für ein Naked Bike leider nicht ideal. Auch oberhalb von 8000/min zeigt die Serienaufzeichnung einen kleinen Hänger.

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Quatschen ist gut, fahren viel besser

Noch bevor wir einen Blick auf die TunerGP-Prüfstandskurven werfen und mit Denis Hertrampf über seine technischen Lösungen für die Schwachstellen der Serien-Suzi sprechen können, steht schon der erste TunerGP-Turn an, zieht der Tuner die Reifenwärmer ab und wirft den Vierzylinder an. Das ist die Art von Einladung, die wir lieben. Quatschen ist gut, fahren viel besser. Mit aggressivem Knurren aus der Airbox rollt die Suzuki GSX-S 1000 hinaus auf die Strecke und fällt extrem auffällig gleich in die erste haarnadelartige Rechts Ende Start/Ziel. Holla, ist das ein agiles Ding! Und schon wirft sie sich auf links den Berg hinunter. Nur beim Umlegen und Gasöffnen fällt die sehr harte Gasannahme auf, die schon zum Manko der Serie gehört. Unten im Omega, in das man am Sachsenring das Bike etwas hineinrollen lässt und es am Scheitel bis fast zur Fahrbahnmitte manövriert, um mit Schmackes zielgenau den Berg wieder hochzukommen, merkt man diese Unart abermals.

Oben auf der Kuppe unter Halbgas spielt das keine Rolle, hier glänzt die Hertrampf-Suzuki GSX-S 1000 wieder mit ultra-gierigem Einlenken, sodass man die Linie über diesen blinden Hügel wirklich sauber setzen muss. Die Kartbahn-Abfahrt hinab zeigt das Bike dann, dass bei der Leistungsentfaltung ganz schön etwas passiert ist. Mit jedem Dreh am Gasgriff stürmt die GSX-S hemmungslos vorwärts. Dass das kein Trugbild ist, unterstreicht das nächste Bergauf-stück nach der Brücke. Mit fettem Punch stürmt das Hertrampf-Bike hoch und versüßt mit diesem agilen Handling das Einlenken in die nächste blinde Doppel-Links.

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Nachsitzen mit gutem Ende

So könnte es weitergehen, aber neben der ruppigen Gasannahme stören die früh schleifenden Rasten, der Schalthebel und etwas auch die Neigung, am Kurvenausgang zu untersteuern. Kein Problem also, dass gerade die Suzuki auf der Start-/Zielgeraden die schwarze Lautstärkenflagge bekommt und direkt in die Box muss. Die Raceflex-Rasten mit dem Exzenter sind nagelneue Teile von ABM, und obwohl die Suzuki GSX-S 1000 schon in Serie sehr sportliche Kniewinkel verlangt, müssen wir auf der Rennstrecke noch etwas mehr Bodenfreiheit hinbekommen und drehen den Exzenter auf maximale Höhe. Denis klopft unterdessen den db-Eater rein und kümmert sich dann um die Gasannahme. Das macht er per Rechner über die digitale Beschleunigerpumpe, stellt die Parameter abhängig von Drosselklappenstellung und Öffnungsgeschwindigkeit neu ein.

Danach bekommt das Federbein der Hertrampf-Suzuki GSX-S 1000 weniger Druckstufe, um dem Untersteuern entgegenzuwirken. Und schon geht es wieder hinaus auf den Ring. Als der Marshall die schwarze Flagge auf Start/Ziel diesmal im Köcher lässt, wird Feuer gegeben. Abermals darf der Pilot diesen brachial und ohne Mucken nach oben drehenden Motor genießen. Die Lastwechsel beim Gas zu/Gas auf sind immer noch da, aber schon viel viel weniger geworden. „Mit mehr Prüfstandsabstimmung über den Power Commander bekommt man das auch ganz weg“, beruhigt der Tuner später.

Suzuki GSX-S 1000 lenkt super agil ein

Nach wie vor lenkt die Suzuki GSX-S 1000 super agil ein – vielleicht sogar eine Spur zu wild für so ein Naked Bike, wozu sicher auch die Pirelli-Slicks beitragen und was mit normalen Straßensport-Pellen sicher nicht so mächtig auffallen dürfte. Das Untersteuern ist weniger geworden, aber man merkt deutlich, dass dieses Naked Bike nicht in erster Linie für die Rennstrecke gebaut wurde. Seine Kopflastigkeit geht auf Kosten des Feedbacks von hinten, doch das ist – wie gesagt – ein Phänomen vor allem der Rennstrecke. Über jeden Zweifel erhaben ist die Gabel, auch wenn die glatte Piste des Sachsenrings mit wenig echten harten Bremspunkten ihr sicher nicht das Letzte abverlangt. Doch das Gefühl für das Vorderrad ist superb, und auch am einzig wirklich feisten Bremspunkt Ende der Startgeraden stemmt sie sich sauber gegen die ­Lasteinwirkung auf den Vorderreifen.

Hier ist die Bremse selbst nicht ganz so transparent. Leichtes Anlegen der Beläge lässt sie quasi kalt, ist ihr keinerlei Mitteilung wert, aber wer sofort entschlossen reinlangt, erlebt dann fette Verzögerung von den überarbeiteten Bremszangen. Das ist entsprechend Geschmackssache. Jedem Sportsfreund gefallen muss die Sitzposition. Der Lenker, die Rasten (nach dem Drehen jetzt mit genügend Schräglagenfreiheit) und der Sitz (Serie) betten den Piloten aktiv, aggressiv – genau richtig für diese Power-S. Und noch ein Wort zum Design der Hertrampf-Suzuki GSX-S 1000: Sauber ausgeführt und sehr harmonisch, was bei einem Naked Bike gar nicht so einfach ist!

Video zum TunerGP 2015

Videoreportage zum TunerGP 2015 auf dem Sachsenring.
Foto: markus-jahn.com
Hertrampf-Suzuki GSX-S 1000.
Hertrampf-Suzuki GSX-S 1000.

Technische Daten Hertrampf-Suzuki GSX-S 1000

Technische Daten Hertrampf-Suzuki GSX-S 1000

Gewicht
189 kg
vorn/hinten 52,9/47,1 %

Leistung
160,3 PS

Preis
ca. 23.490 Euro

Technische Daten Suzuki GSX-S 1000 (k.A.)
Modelljahr 2015
Motor
Zylinderzahl, Bauart 4 , Reihenmotor
Bohrung/Hub 73,4 / 59,0 mm
Hubraum 999 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile pro Zylinder
Verdichtung 12,2
Leistung 107,0 kW ( 145,5 PS ) bei 10000 /min
Max. Drehmoment 106 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Brückenrahmen
Federweg vorn/hinten 120 mm / 130 mm
Reifen 120/70 ZR 17 , 190/50 ZR 17
Bremse vorn/hinten 310 mm Vierkolben-Festsättel / 250 mm Einkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1460 mm
Lenkkopfwinkel 65,0 °
Nachlauf 100 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe 810 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 400 kg
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
Preis
Neupreis 11495 Euro
Foto: markus-jahn.com
Alles richtig gemacht hat Tuner Hertrampf im Vergleich zur Serie. Jetzt dreht der Motor der Suzuki GSX-S 1000 sauber hoch und zeigt keinerlei Zögern und Zaudern.
Alles richtig gemacht hat Tuner Hertrampf im Vergleich zur Serie. Jetzt dreht der Motor der Suzuki GSX-S 1000 sauber hoch und zeigt keinerlei Zögern und Zaudern.

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