Aber der Weg nach Nardo war dafür umso schöner.

Vergleichstest: Deutschland sucht das Superbike Das Tagebuch des Mega-Tests

Schluss mit der grauen Theorie. 180 PS und mehr - was geht da wirklich? Nach dem Alltagstest machten wir uns auf ins süditalienische Nardò. Der Auftrag: testen am Anschlag. Wer beschleunigt am schnellsten auf 250 km/h? Wer verzögert am effektivsten? Wie hoch ist die Höchstgeschwindigkeit? Wer verbraucht am meisten? Und, ganz wichtig: Wie halten die Motoren diesen Stress aus?

Foto: Jahn
Aber der Weg nach Nardo war dafür umso schöner.
Aber der Weg nach Nardo war dafür umso schöner.
Wenn MOTORRAD Deutschlands bestes Superbike sucht und mit neun Supersportlern ausrückt, steckt dahinter jede Menge Logistik, viel Einsatz und dann die Erkenntnis, dass nicht alles planbar ist. Das am  spätesten verfügbare Testmotorrad bestimmt den Zeitplan. Das ist immer so. In diesem Fall ist es die italienische Fraktion. Nicht einen Tag früher wäre die neue MV Agusta von der Präsentation in Almeria wieder in Varese gewesen. Und Ducati konnte eine 1198 S ohnehin nur bereit stellen, weil Pirelli-Testchef Salvo Pennisi dafür gesorgt hatte, dass Pirelli-Leute die Testmaschine in Süditalien einfuhren. In Norditalien war zu diesem Zeitpunkt Schneechaos. Später durfte es aber nicht werden, weil der High-Speed-Kurs in Nardò nur an diesem einen Sonntag zur Verfügung stand. Für die Test-Truppe bedeutete dies:

Die Superbike-Trilogie 2010

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Tag 1: Sechs Motorräder, am Tag zu-vor aus halb Deutschland herangekarrt, werden in Stuttgart verladen. Ein Sprinter mit drei Motorrädern fährt über Varese, die MV abholen. Ein zweiter (ebenfalls mit drei Motorrädern beladen) über Noale, eine Aprilia einladen. Treffpunkt mit Salvo in Bologna, wo er die 1198 S bereits bei Ducati ausgefasst hatte. Zu fahrende Strecke jeweils: rund 1000 Kilometer.

Tag 2: Von Bologna aus per Achse zum zweiten Stopp auf die Gargano-Halbinsel (564 Kilometer). Dabei alle 80 Kilometer Fahrertausch, spätestens alle 150 Kilometer Tankstopp. Es wird akribisch Buch geführt - und dauert. Wie immer länger als erwartet. Bis zum späten Abend nämlich.

Tag 3: Fotofahrten auf süditalienischen Landstraßen. Pünktlich zum Frühstück beginnt es zu regnen. Die unbekannten Straßen sind nicht nur nass, sondern dreckig und rutschig. Wir quälen uns mit den neun 180-PS-Raketen über 130 Kilometer durch engstes Geläuf, machen einige Regenfotos, immer auf der Suche nach der Sonne. Frust macht sich breit.

Tag 4: Aufbruch nach Nardò. Wieder Regen. Wieder keine Fotos. Kurz vor Taranto, dem Autobahnende, dann unerwartet Sonnenschein. Der Fotograf hat reagiert, wartet bereits im Begleit-Sprinter an einer Tankstelle. Schnell umziehen, Leder an, Formationsflug. Der Fotograf knipst und lenkt gleichzeitig, während sich neun Fahrer auf einer dreispurigen Autobahn in Formation und Position bringen müssen. Wer weiß, wie lange die Sonne noch scheint. Ab Autobahnende noch rund 100 Kilometer Küstenstraße bis Nardò. Neun komplett verdreckte Motorräder werden gereinigt. Sonnenschein, aber keine Kurve weit und breit. Dafür eine Kuppe. Ein zufällig vorbeifahrender GSX-R-Fahrer stoppt den Gegenverkehr für das Foto. 18 Uhr. Treffpunkt an der Nardò-Pforte (siehe Seite 24). Geschafft!

Tag 5: Sechs Uhr aufstehen, acht Uhr Start der Testfahrten, 9.10 Uhr Aprilia kaputt, ein paar Stunden später auch die anderen vier. Was nun? Reichlich Telefonate, ein paar Einzelfotos, einpacken, Schluss.
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Tag 6: Morgens Krisensitzung, unzählige Telefonate. Italien-Korrespondentin Eva Breutel spricht mit MV und Aprilia, Testchef Gert Thöle von Stuttgart aus mit Suzuki, KTM und Yamaha. KTM moniert falschen Treibstoff (siehe Kasten Seite 28). Der Rennstreckentest muss zunächst ausfallen. Nicht schlimm, es regnet ohnehin. Wir fahren zurück nach Rodi di Gargano. Auf der Rückfahrt zerschlägt ein Stein den Fireblade-Kühler, Wilk quetscht die Rippen mit einer Zange zusammen. Es hält.

Tag 7: Langsam, nach noch mehr Telefonaten, ein Plan. Rainer und Sven fahren mit dem Sprinter nach Bologna, treffen dort auf MV- und KTM-Leute. Die F4 wird repariert, die RC8 R ausgetauscht. Nachts um drei sind sie wieder am Hotel, um vier starten Karsten und Stefan nach Nardò, das Programm mit beiden nachfahren. Salvo hat das arrangiert. Grazie mille!

Tag 8: Morgens um neun Uhr stehen die beiden erneut in Nardò vor der Pforte, fahren KTM, BMW (mit Super Plus) und MV nach. Nachmittags Rückfahrt nach Rodi.

Tag 9: Testfahrt auf endlich trockenen Landstraßen. Und endlich Fotos!

Tag 10: Zurück nach Bologna, Ducati abgeben. Dann ab nach Hause. Insgesamt 1500 Kilometer. In Stuttgart hat der Testchef bereits Ersatzmaschinen organisiert, das Wetter wird endlich besser.

Tag 11: Wir starten erneut mit neun Motorrädern. Testfahrt auf der bekannten Route, alles noch einmal verifizieren. Der Rennstreckentest muss leider später folgen.

Die Bilanz: Zeitaufwand (zehn Personen): elf Tage Gefahrene Gesamtkilometer (zwei Sprinter, ein PKW, neun Motorräder): 28740 Verbrauch: 2565 LiterGesamtkilometer Motorräder: 18940Gesamtverbrauch Motorräder: 1315 Liter Geschlafene Stunden pro Teammitglied: viel zu wenig. Am nächsten Morgen in der Redaktionskonferenz hat der Chef gute Laune. Hat ja doch alles geklappt!

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