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Vorstellung: Honda-Umbau von Louis Der Honda CB Seven Fifty-Umbau von Louis

Hauseigene Katalog-Umbauten haben bei Detlev Louis eine lange Tradition. Doch so materialabtragend wie für den 2011er Wälzer wurde in Hamburg noch nie gearbeitet. Ein Live-Bericht aus dem Epizentrum des Winkelschleifer-Infernos.

Eine Honda CB Seven-Fifty hat durchaus überzeugende Qualitäten. Das bestätigen eindrucksvoll über 16000 beim Kraftfahrtbundesamt registrierte Exemplare der Ur-Enkelin der legendären CB 750 von 1969. Doch im Gegensatz zu dieser kann die Seven-Fifty in den Disziplinen Metall-Erotik oder Leidenschaft so gar nicht punkten – nicht selten das Los eines nahezu perfekten Allrounders. Da verwundert es auch nicht, dass bei der Bildersuche im Internet praktisch keine Umbauten zu finden sind. Ein Bugspoiler ist schon mutig.

Sommer 2010: In der Hamburger Louis-Zentrale sitzen die Technik-Einkäufer mit der Schrauber-Crew zusammen. Thema sind die Motorrad-Umbauten für den 2011er Katalog, die den Kunden Anregungen zur Verwendung des angebotenen Zubehörs geben sollen. Der Dialog zur Entscheidungsfindung fällt diesmal hanseatisch kurz aus: "Cafe Racer sind hip." "Wurde doch alles schon zig Mal gemacht." "Nicht alle." "Wie jetzt?" "Seven Fifty." "Wie viele gibt’s davon?" "Reichlich!"

Ebenso reichlich ist dementsprechend das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt, ein williges Opfer ist also schnell gefunden. Baujahr 1994, knapp über 40000 Kilometer gelaufen, auffallend gut gepflegt, 1800 Euro letzter Preis. Als der Verkäufer bemerkt, dass er seine CB soeben an ein Mitglied der Louis-Schrauber-Crew verkauft hat, fragt er verunsichert: "Waaas habt ihr damit vor?" "Sag ich Dir lieber nicht", entgegnet sein Gegenüber, wohl wissend, dass bei diesem Umbau vehement von der Flex (korrekt: Winkelschleifer) Gebrauch gemacht werden soll.

Während der eine Teil der Schrauber-Crew nun mit dem Strippen des Bikes beginnt, erstellt der andere die Zielvorgabe am Computer. "Wenn das so klappt, wird’s richtig lecker", so der einhellige Kommentar zum Entwurf. Doch nun schlägt die dunkle Seite der Demokratie gnadenlos zu. Als es um die Details geht, driften die Vorstellungen nicht selten komplett auseinander: "Das muss in Mattschwarz." "Quatsch, das gehört poliert!" "Das lassen wir einfach weg." Das Weglassen-Schicksal teilt sich schließlich eine beachtliche Zahl an Serienteilen, die entweder ersatzlos gestrichen oder durch Filigraneres ersetzt werden.

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Foto: Louis

Augenfälligste Änderung ist das nahezu gänzlich freigelegte Rahmendreieck mit den Ausmaßen einer handelsüblichen Babyklappe. Nur noch die Batterie thront in einem massiven Halter, dessen Material, wie das aller anderen Halter und Abdeckungen übrigens auch, aus dem hauseigenen Altmetall-Container stammt.

Der Einmann-Höcker (ursprünglich für eine Yamaha SR 500 gedacht) beherbergt fortan einen Großteil der Elektrik. Für seine Montage muss ein gutes Stück des Rahmenhecks amputiert werden. Damit es durch diese Änderung am Fahrwerk kein böses Erwachen gibt, wird die Ausführung zuvor mit dem örtlichen TÜV-Mitarbeiter des Vertrauens abgesprochen – ein ganz heißer Tipp für alle, die so etwas mit ihrem Bike im Sinn haben. Gleiches gilt übrigens für die nackt im Wind stehenden Power-Luftfilter: Auch hier gibt es Toleranzen in der Toleranz der Abnahmebefugten. Und die sollte man vorab ermitteln.

Hauptständer sind etwas für Kettenpflege-Weicheier, das störende Bauteil samt seiner Aufnahme am Rahmen wird daher außer Dienst gestellt. Auch an der Front sind reichliche Verluste zu verzeichnen: Das Blumenkasten-Cockpit und fast alle seine Nachbarn dürfen nicht mehr mitfahren. Mini-Instrumente und in die obere Gabelbrücke montierte Kontrolllampen bilden nun das Informationszentrum. Dummerweise sind die unteren Lenkeraufnahmen und die Serien-Gabelbrücke in einem Stück gegossen, was bei der Verwendung von Lenkerstummeln außerordentlich albern aussieht (der alternative Ansatz, daraus einen Currywurst-Halter zu machen, wurde wieder verworfen). Statt diese Knubbel zu egalisieren, entschieden sich die Louis-Schrauber für eine komplett neue Brücke.

Doch wie fährt sich die Sieben-Fünfzig nun und vor allem: Wie reagiert der Motor auf den geänderten Lungen- und Mastdarm-Bereich? Gerade wegen der Power-Luftfilter prophezeiten die üblichen Mahner und Warner endlose Abstimmungsarbeiten. Doch ebenso wie Hubraum ist auch Erfahrung durch nichts zu ersetzen. Und so hat Louis-Schrauber-Urgestein Detlef "Stüde" Stüdemann nach Erfahrungswert die Vergaserabstimmung geändert.

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Foto: Louis

Erster Startversuch. Stüde konzentriert am Bike, die restliche Schrauber-Crew und der Mahner-Warner-Club (inklusive "Never-Ever"-Grinsen) drum herum. Nach weniger als drei Kurbelwellenumdrehungen röhrt es aus der mattschwarzen Megacone-Vier-in-Eins, alle vier Töpfe laufen unüberhörbar mit. Choke raus und vorsichtig steigernde Gasstöße – kein Husten, kein Hänger, nix. Der Motor wirkt, als hätte er erstmalig sein zweites Nasenloch in Betrieb genommen.

Dieses Urteil ändert sich auch nicht nach der ersten Probefahrt, von der Stüde mit einem heftigen Dauergrinsen zurückkehrt. Die Schrauber-Crew gibt sich die Fünf, der andere Club hat längst Dringendes in seinen Büros zu erledigen. Ungeklärt bleibt vorerst, ob durch die geänderte Motorabstimmung vielleicht das eine oder andere PS an Spitzenleistung auf der Strecke geblieben ist. Subjektiv ist dem nicht so, doch auch wenn, was soll’s? Einen Cafe Racer zu fahren, bedeutet, mit Brigitte Bardot einen leidenschaftlich swingenden Rock ‘n‘ Roll zu zelebrieren; Headbanging zu Metallicas "Seek And Destroy" hat an anderer Stelle seinen Reiz.

Das Fahren mit Brigitte – pardon – der Seven-Fifty ist trotz unverändertem Fahrwerk nun versammelter und leichtfüßiger als im Serienzustand. Das verwundert ob des opulenten Teileverzichts aber nicht wirklich. Der Rest ist bis auf die Sitzposition und das furztrockene Feedback des Einmannhöckers wie vom Original gewohnt.

Die Liste der insgesamt verwendeten neuen Komponenten liest sich wie das „Who is who” der Zubehörindustrie: LSL, moto-detail, Lucas, Gimbel und andere. Wer eine CB Seven-Fifty sowie eine Flex sein eigen nennt und es genau wissen will, schaut einfach in den 2011er Louis-Katalog. Wer keine CB Seven-Fifty und auch keine Flex besitzt, der kann natürlich auch irgendein anderes Bike und eine Eisensäge nehmen, um daraus einen so appetitlichen Cafe Racer entstehen zu lassen. Der Vater von Brigitte Bardot hieß mit Vornamen übrigens Louis . . .

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