Vorstellung: efw-Suhl E-Schwalbe Die Schwalbe fliegt wieder

Mit markant-klassischem Design, Elektromotor und moderner Technik kehrt die Schwalbe ganz neu zurück. Der Retroroller soll Kultcharakter mit sauberem Antrieb verbinden. Guten Flug!

Foto: Schmieder

Auf den ersten Blick ist die Illusion perfekt. Diese Formen, diese Rundungen - man erkennt sie aus 50 Metern noch als Schwalbe. Nur dass dieser funkelnde Vogel, 25 Jahre nach Produktionsende, kein perfekt restauriertes Exemplar ist. Sondern das genaue Gegenteil. Ein handgefertigter, fahrbarer Prototyp im Retrodesign, ein Versuchsträger. Erdacht von engagierten Enthusiasten, gebaut in modernen Hallen an historischer Stätte, im thüringischen Suhl. Die e-Schwalbe ist eine Verneigung vor der Vergangenheit, vor einem Kultfahrzeug, mit dem viele Menschen positive Erinnerungen verbinden.

Da sind Ochsenaugen-Blinker, 16-Zöller von Heidenau und ein solider Gepäckträger mit verstellbarem Spannband von vornherein unverzichtbar. Dazu ein Staufach unter der Sitzbank, das genau wie damals keinen Helm fasst. Nur wer genau hinsieht, hinfühlt, erkennt die wichtigsten Unterschiede: Kunststoffkarosserie statt Blechkleid, Telegabel statt geschobener Kurzschwinge, hydraulisch betätigte Scheibenbremsen statt Vollnabentrommeln. Ein wartungsarmer Zahnriemenantrieb ersetzt die ebenfalls saubere, voll gekapselte Kette von einst. Und das Handschuhfach der e-Schwalbe trägt einen USB-Anschluss für Handy und MP3-Player.

Das Fehlen eines Auspuffs weist auf den Elektromotor hin. Weil er ohne Getriebe auskommt, sind auch Schaltung und Kupplung, samt Gestänge und Hebel obsolet. Unter der schönen Schale verbirgt sich der eigentliche Clou: Die Schwinge sitzt konzentrisch im E-Motor, dreht sich um das Antriebsritzel des Zahnriemens. Dadurch bleibt dessen Spannung auch beim Einfedern der beiden steil stehenden Federbeine konstant. Dafür hat das 15-köpfige Team der Elektrofahrzeugwerke Suhl um Entwicklungschef Dr. Andreas Leich den E-Motor selbst entwickelt.

Die Konstrukteure setzen vor allem auf deutsche und europäische Zulieferer. Und auf pfiffige Detaillösungen. Die Ur-Schwalbe legte das Fach über dem Durchstieg per Rändelschraube und einteiliger Abdeckung aus Blech frei. Pfiffiger gehts beim neuen Modell zu. Fernentriegelt vom Zündschloss aus öffnen Scharniere links und rechts zwei Klappen aus durchgefärbtem Kunststoff.  Darunter sitzen bis zu drei Lithium-Ionen-Akkus als Kraftquelle. Sie lassen sich zum Laden an jeder Steckdose herausnehmen, haben Aktenkofferformat und wiegen je zehn Kilogramm. Jeder Akku-Pack enthält je 182 Einzelzellen.

Ab Frühjahr 2012 wird die e-Schwalbe in zwei Versionen fliegen. Zunächst 5,4 PS stark, 45 km/h flott und für 4699 Euro mit einem Akkupack bestückt. Er soll mit 1,44 Kilowattstunden im Eco-Modus bis zu 60 Kilometer Reichweite erlauben. Ladedauer: fünf Stunden. Gleich zwei solche Akkus trägt die stärkere Schwalben-Schwester zu 5799 Euro. Sie erreicht bei gleichem Chassis und identischem Motor 8,2 PS Dauer-leistung und im Sport-Modus maximal knapp elf PS Spitzenleistung. Möglich machts andere Software für eines der drei Steuergeräte und der zweite Akku-Pack. Er treibt das Gewicht von 115 auf 125 Kilogramm. Gegen Aufpreis hievt ein paralleler, dritter Akku die Reichweite je nach Fahrweise und Leistung auf bis zu 180 km.

Pro Akku werden 700 Ladezyklen garantiert. Somit schafft man bei 50 Kilometer Reichweite mindestens 35000 Kilometer mit einem Akku. Das muss man mit Tempo 45 erst mal zusammenfahren. Wobei das Batterie-Management-System stets den stärksten Akku am höchsten belastet. Selbst ganz ohne Zweitaktknattern und blauen Dunst: Die Verbindung von Tradition und Moderne scheint geglückt. Der Wiedererkennungswert ist hoch. Die e-Schwalbe hat das Zeug zu neuem Kultpotenzial, zum Publikumsliebling in Stadt und Land.

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Foto: Schmieder

Technische Daten

Motor
Permanent erregter Synchron-Elektromotor, herausnehmbare Lithium-Ionen-Akkus, Akku-Kapazität 31,5 oder 63,0 Ah (erweiterbar auf 94,5 Ah), Ladezeit zirka fünf Stunden je Akku-Pack, Betriebsspannung 48 Volt, Endantrieb per Zahnriemen.
Nennleistung4 kW (5,4 PS) oder 8 kW (10,9 PS)
Max. Drehmoment 40 Nm bei 1900/min
Fahrwerk
Zentralrohrrahmen aus Stahl mit Unterzügen, Tele-Gabel, Ø 32 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, Scheibenbremse vorn mit Doppelkolben-Schwimmsattel, Ø 260 mm, Scheibenbremse hinten, Einkolben-Schwimmsattel, Ø 200 mm, Reifen 90/80-16 und 100/80-16.
Maße und Gewichte
Radstand 1290 mm, Gesamtlänge 1923 mm, Sitzhöhe 820 mm, Gewicht 115/125 kg, Zuladung 185-195 kg.
Garantie zwei Jahre
Preis inkl. Nebenkosten 4699 bzw. 5799 Euro
InfoTel. 0 36 81/8 79 26 83, www.e-schwalbe.de

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