Wunderlich-BMW R 1150 GS Adventure BMW by Wunderlich

Es ist zweifellos ein imposanter Anblick, wenn eine ohnehin hochbeinige BMW R 1150 GS Adventure made by Wunderlich um die Ecke biegt. In diesem auffallenden Rot pflügten einst die Dakar-Boliden durch den Sand der Sahara – Gaston Rahier lässt grüßen! Ob Tuner
und BMW-Spezialist Erich Wunderlich mit dem vollausgestatteten Boxer wirklich die Wüstenfahrer im Auge hat, ist allerdings eher fraglich. Zu schwer, sagen vermutlich die meisten. Immerhin sind vom Ansaugrohr (aus Kohlefaser) bis zum Winkelventil (in Blau) nicht weniger als 58 Zubehörteile
aus zumeist eigener Produktion verbaut worden. Das haut rein: Die Waage attestiert satte 271 Kilogramm – 18 mehr als die Serienversion. Für alle Parts zusammen müsste man zudem rund 7000 Euro über die Theke reichen. Eine Menge Kohle, für die sich Wochen, ja sogar Monate durch die Welt tingeln ließe. Da hilft nur, diese Maschine quasi als »Technologieträger« zu betrachten, der für jeden aus der Reisefraktion etwas zu bieten hat.
Beispielsweise für den echten Vielfahrer. Die Ergo-Sitzbank mit dem griffigen Bezug wirkt auf Anhieb einen Tick komfortabler als das Original und ist zudem in drei Sitzhöhen von »regular« über »low« bis »superlow« lieferbar. Dazu passt die Lenkererhöhung, mit der sich der Lenker nicht nur um 29 Millimeter anheben, sondern wahlweise auch 16 oder 32 Millimeter näher zum Fahrer hinrücken lässt, und peng – auf einmal sitzen auch kleinere Piloten aufrecht und entspannt. Größere Adventure-Treiber werden mit den drei Zentimeter tiefer verlegten Fußrasten liebäugeln. Genügend Möglichkeiten also, um eine individuell optimale Sitzposition zu finden.
Für mehr Komfort sorgt die 50 Zentimeter hohe Scheibe, die zusammen mit der rechts und links vom Tank montierten Verkleidungsergänzung aus durchsichtigem Acryl viel Druck und sogar Nässe vom Fahrer abhält. Ob Letztere in Kombination mit den ebenfalls durchsichtigen Fußschützern unterhalb der Zylinder in der Szene wirklich Gefallen finden? Cool ist definitiv anders. Die geniale Optik der
Braking-Wave-Bremsscheiben wiederum geht als echter Augenschmaus durch. Eine
Verbesserung der Bremseigenschaften
war indes beim ersten Kontakt mit der Wunderlich-BMW nicht festzustellen.
Fernreisende und Pistenfans dürften die bekanntermaßen famosen Öhlins-Federbeine goutieren. Kontaktschwierigkeiten
sind dank der vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten selbst auf grottenschlechten Landstraßen sowie im Gelände praktisch ausgeschlossen. Im Geröll erledigen die sensibel ansprechenden Dämpfer das meiste im Alleingang – das Fahrwerk trifft definitiv keine Schuld, wenn’s einmal nicht mehr weitergeht. In solchen Momenten ist man auf jeden Fall über vorher getroffene Schutzmaßnahmen froh: Alu-Platten unterm Motor, Sammler und Hauptständer, verbreiterte Handprotektoren, Lenkeranschlag-Begrenzung, Bremszylinderschutz sowie Bremszangenabdeckung verhindern Schlimmeres. Den serienmäßigen, bereits überaus robust daherkommenden Sturzbügel gegen das »wunderliche« Rohrgeflecht auszutauschen ist aber eher Geschmackssache. Das dafür eingesparte Geld – immerhin 190 Euro – könnte beispielsweise in eine bei Offroadabstechern überaus sinnvolle Seitenständer-Auflagevergrößerung investiert werden. Oder als Anzahlung für jede Menge Gimmicks wie Karbonabdeckungen, Alu-Spiegel oder LED-Blinker dienen.
An die Pragmaten unter den Adventure-Treibern richtet sich die wartungsfreie Reinbleibatterie mit doppelt so hoher Startleistung und der ausklappbare Aufbockgriff, der dank seiner Position am hinteren Fußrastenhalter mit guten Hebelkräften aufwartet. Und egal wie dick die Stiefel sind – der linke Fuß passt endlich perfekt unter den in der Länge verstellbaren Schalthebel, der rechte ruht nahezu unverrutschbar auf der vergrößerten Auflagefläche des Bremshebels. Unterm Strich viele gute Ideen für viele Einsatzzwecke. Ach ja, Gaston Rahiers
Dakar-Brenner wog trocken übrigens nur 185 Kilogramm. mis

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