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Yamaha Fazer8 ABS im Test Gemeckert und gelästert

Für das Modelljahr 2013 wurde bei der Yamaha Fazer8 ABS genau dort nachgebessert, wo es unserer und Ihrer Meinung nach nötig war. Oder? Der Kurztest zeigt's:

Yamaha Fazer8 ABS

Was haben sie (und wir) alle gemeckert und gelästert! Unterdämpftes Federbein, lasche Gabel, kaum Einstellmöglichkeiten: Die Yamaha Fazer8 ABS musste in der Vergangenheit hinsichtlich des Fahrwerks unangenehme Seitenhiebe einstecken. Für das Modelljahr 2013 bessert der Hersteller daher genau an diesen Stellen nach. Gut so, bietet der Tourensportler ansonsten feine Gene für eine ausgewogene Vorstellung auf der Landstraße. Allein der optische Auftritt beeindruckt. Das typische Yamaha-Gesicht mit den frechen, an Insekten erinnernden Scheinwerfern sticht ins Auge, die moderne und etwas kantige Linienführung unterstreicht den sportlichen Touch der Japanerin.

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Foto: fact

Allein der optische Auftritt beeindruckt

Der unter der Halbschalenverkleidung komplett sichtbare, schwerpunktgünstig nach vorn geneigte Reihenvierzylinder mit 779 Kubikzentimetern platziert sich hubraumtechnisch im Mittelfeld zwischen bärenstarken 1000ern und drehzahlhungrigen 600ern. Mit 106 PS und kräftigen 82 Newtonmetern steht der Vierventiler dem Papier nach gut im Futter, und die Sitz- und Lenkerposition bieten dem Fahrer vielfältige Betätigungsfelder. Ob sportliches Knie in Richtung Asphalt strecken, flottes, aber lässiges Kurvensurfen oder eine ruhige Langstreckenetappe: Die Fazer lässt so ziemlich alles mit sich anstellen. Neuerdings muss der Spaß auch auf buckeligen Pisten nicht vorzeitig aufhören, ab sofort gibt sich die Yamaha dämpfungsseitig keine Blöße mehr.

Die Upside-down-Gabel, die seit der Vorstellung der Fazer8 im Jahr 2010 ohne Einstellmöglichkeiten auskommen musste, ist nun mit einer verstellbaren Federbasis und Zugstufendämpfung versehen. Das bietet spürbar mehr Reserven - vor allem, wenn man es mal fliegen lässt. Dann taucht die Front beim beherzten Griff in die tollen, exakt dosierbaren Bremsen inklusive ABS nicht mehr so tief ein, offenbart sich dabei jedoch auch nicht als Rüpel, der über Schlaglöcher unsanft hinwegbügelt.

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Auf Temperatur gebracht, läuft der Vierzylinder dann ganz smooth

Komfortabel ist die Yamaha also weiterhin. Das modifizierte Federbein, das sich jetzt zusätzlich zur Federbasis in der Zugstufe fein justieren lässt, verhindert (ob mit oder ohne Sozius) zuverlässig, dass sich die vollgetankt 217 Kilogramm schwere 800er beim Plätten aufeinanderfolgender Bodenwellen wie bisher aufschaukelt.

Hier hat Yamaha also in allen Belangen gute Arbeit geleistet und die Fazer an den richtigen Stellen optimiert. Der Motor blieb indessen unangetastet. Das Kaltstartverhalten gehört daher weiterhin nicht zur Paradedisziplin. Die ersten Meter mit kaltem Motor quittiert der Vierzylinder mit einer verzögerten Gasannahme und deutlich erhöhter Leerlaufdrehzahl. Einmal auf Temperatur gebracht, läuft der Vierzylinder dann ganz smooth, sorgt bereits ab 2000 Touren für ruckfreien Vortrieb. Seine knapp 800 Kubik lässt sich das Triebwerk im unteren und mittleren Drehzahlbereich nicht anmerken, verlangt für zackiges Herausbeschleunigen hohe Drehzahlen. Dann dreht der Reihenvierer jedoch befreit bis in den Begrenzer hinein.

Mit den etwas angegrauten BT021-Pneus ist die Yamaha sicherlich kein Handling-Wunder, überzeugt aber mit einer sehr stabilen und neutralen Kurvenfahrt. Die Fazer8 ABS steht in diesem Modelljahr also deutlich aufgewertet in den Schaufenstern.
Seitenhiebe muss sie also dank der neuen Einstellmöglichkeiten der Dämpfung nicht länger einstecken.

Foto: fact

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Einspritzung Ø 35 mm, geregelter Katalysator, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 68,0 x 53,6 mm
Hubraum 779 cm³
Nennleistung 78,1 kW (106 PS) bei 10 000/min
Max. Drehmoment 82 Nm bei 8000/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 267 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17
Bereifung im Test Bridgestone BT 021 „BB“

Maße und Gewichte
Radstand 1460 mm, Sitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 217 kg, Zuladung* 193 kg, Tankinhalt 17,0 -Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Blau, Grau, Schwarz, Weiß
Preis/Nebenkosten 9195/zirka 170 Euro

Foto: Gargolov

MOTORRAD-Punktewertung im Detail: Reichweite

Reichweite

Wie wird getestet? Was wird bewertet?

Wo ist der Tank? mancher Autofahrer mag das vergessen, ein Motorradfahrer sicher nie. Was einerseits daran liegt, dass Letzterer den Tankdeckel meistens direkt vor sich jederzeit im Blickfeld hat, andererseits auch an den viel geringeren Reichweiten und entsprechend häufigeren Tankfrequenzen im Vergleich zu spritsparenden Autos mit ihren großen Tanks.

Zwischen 15 und 20 Liter fassen die Tanks der meisten Motorräder, bei großen Tourern oder Reiseenduros können es auch ein paar Liter mehr sein. Die im Test von MOTORRAD ermittelten Landstraßenverbräuche, meist um die fünf bis sechs Liter pro 100 Kilometer, ergäben also theoretische Reichweiten von rund 300 bis 400 Kilometern, das sind übliche Werte.

Theoretisch wird dieser Wert deswegen genannt, weil er in der Praxis kaum erreichbar ist, schließlich kann man die Tankstelle ja nicht mit dem allerletzten Tropfen Benzin ansteuern. Wenn die Reservelampe aufleuchtet, sollte sich der Fahrer nach der nächsten Zapfsäule umschauen, etwas Sprit bleibt also immer drin. Die Bestwertung von 30 Punkten gibt es ab einer Reichweite von 450 Kilometern. Mehr ist kaum wünschenswert, denn nach Stunden im Sattel wird wohl jeder dankbar für eine Zwangspause sein.

Motorräder mit einer Reichweite von unter 100 Kilometern bekämen gar keinen Punkt. Das aktuelle Schlusslicht bildet die Harley-Davidson Forty-Eight mit 193 Kilometern, Rekordhalter ist hingegen die Moto Guzzi Stelvio mit satten 604 Kilometern.

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