Test Yamaha FZ8 ABS Naked Bike von Yamaha mit ABS

Nackt, also relativ unverkleidet, ist sie ja, die neue FZ8 von Yamaha. Aber warum der Hersteller sie als "Der nackte Wahnsinn" auf seiner Homepage bewirbt, erschließt sich nicht so recht.

Foto: Gargolov

Im Fahrbetrieb gibt sich die Yamaha FZ8 ABS gottlob lammfromm. Was nicht heißt, dass der Motor träge oder wenig feurig ist. Nein, bis 4500/min bummelt es sich mit dem Vierzylinder grandios auf der Landstraße, ab 6000/min gießt er ausreichend Öl ins Feuer und erreicht bei 10 000/min seine Höchstleistung von 106 PS. Die direkte japanische Konkurrenz hat da mit 113 PS in der Kawasaki Z 800 geringfügig mehr zu bieten. Doch es geht ja nicht nur um Spitzenleistung.

Der Motor der Yamaha FZ8 ABS beeindruckt durch sanfte Gasannahme und Laufruhe. Vibrationen halten sich in Grenzen. Nur der leichte Hänger bei 4500/min stört ein wenig beim Überholen. Doch einfaches Runterschalten im gut gestuften Getriebe reicht, damit die Post richtig abgeht.

Dem 2013er-Modell hat der Hersteller nicht nur Blinker mit Klarglasabdeckung und einen schöneren, wertiger aussehenden Schalldämpfer beschert, sondern auch einstellbare Federelemente. Was auch dringend nötig war: In fast allen Tests wurde bei den Vorgängermodellen die schwache Performance des Federbeins kritisiert, das bei zügiger Gangart schnell an seine Grenzen gelangte und arg zu pumpen begann. Es war in der Grundabstimmung zu weich. Nun hat man aufgerüstet: Sowohl an der Gabel als auch am Federbein ist jetzt zusätzlich zur verstellbaren Federbasis die Zugstufe einstellbar. Bei relativ geöffneter Zugstufe arbeitete das Federbein auf 2012er-Niveau mit viel Komfort. Ist die Zugstufe dagegen fast geschlossen, macht die Yamaha FZ8 ABS nun selbst sportlich engagierten Fahrern Spaß, denn das Heck bleibt viel ruhiger. An die Qualitäten eines reinen Sportfahrwerks kommen die Federelemente der 800er allerdings nicht heran: Selbst bei voller Vorspannung und geschlossener Dämpfung bleibt die Yamaha FZ8 ABS ein gutmütiges Motorrad, das noch mit ausreichend Komfort verwöhnt.

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Foto: Henniges

Dazu tragen nicht nur die gelungene Fahrwerksabstimmung und die 130 Millimeter Federweg vorn wie hinten bei, sondern auch die Sitzposition, die für Menschen zwischen 1,65 und 1,80 Meter ideal passt. Fußrasten, Lenkerenden und Sitzbank befinden sich exakt dort, wo man sie vermutlich selbst gern hingeschraubt hätte. Die FZ8 integriert ihre Fahrer perfekt, und selbst klein gewachsene Zeitgenossen finden durch die schmale Taille und geringe Sitzhöhe von nur 810 Millimetern sicheren Stand auf dem Boden.

Einziger Wermutstropfen: Auf der FZ8 ist ab Werk ein in die Jahre gekommener Bridgestone BT 021 montiert, der sich im kalten Zustand staksig und träge lenkt und auch betriebswarm kein Handling-Wunder ist. Ein handlicherer Reifen wäre in diesem Fall wahrscheinlich der Wahnsinn.

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Foto: Henniges

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 35 mm, geregelter Katalysator, Batterie 12 V/9 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe.
Bohrung x Hub 68,0 x 53,6 mm
Hubraum 779 cm³
Verdichtungsverhältnis 12,0:1
Nennleistung 78,1 kW (106 PS) bei 10000/min
Max. Drehmoment 82 Nm bei 8000/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Alu, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis und Zugstufe, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufe, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 267 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17
Bereifung im Test Bridgestone BT 021 „BB“

Maße und Gewichte
Radstand 1460 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 109 mm, Federweg v/h 130/130 mm, Sitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 217 kg, Zuladung* 193 kg, Tankinhalt 17,0 Liter.

Garantie zwei Jahre
Farben Schwarz, Weiß, Grau/Blau
Preis 8850 Euro
Preis Testmotorrad** 9810 Euro
Nebenkosten zirka 170 Euro

*MOTORRAD-Messungen; **Kennzeichenhalter 108 Euro, Kühlerabdeckung 99 Euro, LED-Blinker 54 Euro, Motor-Spoiler 216 Euro, Sportscheibe 126 Euro, Sturzpads 141 Euro, Sitzbankabdeckung 216 Euro

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