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Yamaha MT-03.

Yamaha MT-03 im Fahrbericht Klein, frech, unkompliziert

Manch einer versucht, sich vi(s)a Kreditkarte Freiheit zu erkaufen. Dabei ist es doch viel leichter: Nimm ein kleines, freches, unkompliziertes Bike und lass dir den Wind um die Nase wehen.

Offenkundig muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass das Prinzip des ewigen „Schneller! Höher! Weiter!“ nie zu Ende sein wird, wenngleich die Grenze des Sinnvollen und vor allem des allgemein Umsetzbaren bei vielen Dingen, mit denen sich der sogenannte Konsument von heute umgibt, schon längst erreicht ist. Ob man jetzt mit der 300-PS-Limousine im Stau steht, den Rechner mit zig Gig Arbeitsspeicher als Schreibmaschine nutzt oder verzweifelt versucht, die Möglichkeiten seines 100 plus x PS starken Krads mit der Straßenverkehrsordnung in Übereinstimmung zu bekommen.

Wer nun den ganzen Zirkus - sei es aus Vernunfts- oder Budgetgründen - nicht mitmachen will oder kann, für den gibt’s jetzt etwas Neues von Yamaha. Basierend auf dem 2015 vorgestellten Bonsai-Sportler R3 haben die Japaner ein fesches Naked Bike aus dem Hut gezaubert. Wobei: Viel zaubern mussten sie nicht. Die Unterschiede zur Sportlerin beschränken sich neben dem Wegfall der Verkleidung auf das Ersetzen der Lenkerstummel durch einen Rohrlenker. Dadurch wandern die Griffgummis 19 mm nach hinten, 39 mm nach oben und 40 mm nach außen. Worauf sich die Sitzposition nachhaltig in Richtung aufrecht verändert. Der Rest der in Indonesien gefertigten kleinen Yamaha MT-03 bleibt völlig zu Recht unverändert.

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Hier darf ich drehen, hier muss es sein!

Obwohl die Yamaha MT-03 vorrangig für die asiatischen Märkte gedacht ist, wurde bei der Entwicklung auf die Bedürfnisse des Weltmarkts geachtet. Was zur Folge hat, dass ­einerseits die niedrige Sitzhöhe der heimischen Kundschaft sicheren Bodenkontakt bietet, andererseits der Tank so gestaltet ist, dass auch westliche Langbeiner verrenkungsfrei unterkommen. Feine Sache, das.

Die Yamaha MT-03 wendet sich in erster Linie an Neu- und Wiedereinsteiger, weswegen der quirlige Twin, um die Führerschein-A2-Regularien zu erfüllen, lediglich 42 PS produziert. Das erscheint alten Hasen angesichts heutiger Leistungen ärmlich, doch ein Blick zurück zu den eigenen Anfängen rückt die Dinge zurecht: Wer in den späten 80er-Jahren mit Motorradfahren begann und unter die Stufenführerscheinregeln fiel, hatte sich mit 27 PS zu begnügen. Und die steckten gerne in Bikes wie der Honda CB 400, Suzuki GS 400 oder Yamaha XS 400, die eher noch schwerer waren als die heutige Yamaha MT-03. Von den Unterschieden in Fahrwerk, Bremsen und Reifen mal ganz abgesehen. Die Entwicklung von damals zu heute ist tatsächlich für jedermann erfahrbar.

Doch zurück zur Yamaha MT-03: Auch bei näherer Betrachtung wirkt sie sehr erwachsen. Zwar sind die Aufkleber nicht überlackiert, und einigen Details sieht man den Zwang zum Kostensparen schon an, aber im Großen und Ganzen passt es. Michelin Pilot-Street-Reifen kümmern sich um den Grip, ein bis auf die hintere Federvorspannung nicht einstellbares und leicht unterdämpftes Fahrwerk kümmert sich um die Straßenlage. Für angenehme Unterhaltung sorgt der Parallel-Twin, dessen Kolben gegenläufig arbeiten. Soll es zügig vorangehen, muss das nicht sonderlich exakt zu schaltende Sechsganggetriebe ordentlich bemüht werden. Getreu dem Motto: Hier darf ich drehen, hier muss es sein! Es ist eine ebenso vergnügliche wie Konzentration beanspruchende Aufgabe, den kleinen Twin stets im richtigen Drehzahlbereich zu halten, um nur ja keinen Schwung zu verlieren. 7000 Umdrehungen sollten es schon sein, will man zügig Tempo aufnehmen, oben raus mahnt dann ab 11.000 Touren der Schaltblitz den Gangwechsel an.

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Yamaha MT-03 mit 4995 Euro nicht zu teuer

Im unteren Drehzahlbereich gibt sich der Motor lammfromm und durchaus kultiviert. Satter Durchzug fällt aber mangels Hubraum aus. Wie heute nicht nur bei Sportlern üblich, steht zum Beispiel die ­Zylinderachse nicht direkt über der Kurbelwellenachse, sondern ist um sieben Millimeter nach vorn versetzt. Das soll die innere Reibung verringern. Ebenso der Verzicht auf eine Kurbelwelle mit versetzten Hubzapfen zur Erzielung des typischen V2-Sounds. Da Leistungsgewinn nicht die Motivation gewesen sein kann, wird es wohl um die Verbrauchsreduzierung gehen.

Bei der YZF-R3, die bereits den MOTORRAD-Test durchlaufen hat und laut Yamaha technisch identisch ist, scheinen diese Bemühungen aber kaum Früchte getragen zu haben. Mit 3,6 Litern hatte sie den höchsten Verbrauch in einem Vergleichstest der 300er-Klasse. Doch lassen wir uns überraschen. Neues Bike, neuer Versuch. Generell lässt sich sagen, dass die Yamaha MT-03 eine ebenso nett anzusehende wie funktional gelungene Möglichkeit ist, dem ewigen Wettrüsten zu entsagen. Und wenn es als Zweitbike ist. Mit 4995 Euro ist sie auch nicht zu teuer. Die Freiheit, gönnt sie euch!

Daten Yamaha MT-03

Motor

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 2 x Ø 32 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 298 W, Batterie 12 V/7 Ah, Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette.

Bohrung x Hub68,0 x 44,1 mm
Hubraum320 cm³
Verdichtungsverhältnis11,2:1
Nennleistung30,9 kW (42 PS) bei 10 750/min
Max. Drehmoment30 Nm bei 9000/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein, direkt angelenkt, Scheibenbremse vorn, Ø 298 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.

Alu-Gussräder2.75 x 17; 4.00 x 17
Reifen110/70 17; 140/70 17

Maße + Gewichte
Nachlauf 95 mm, Federweg v/h 130/125 mm, Sitzhöhe 780 mm, Gewicht vollgetankt 168 kg, zul. Gesamtgewicht 329 kg, Tankinhalt/Reserve 14,0/2,4 Liter.

Gewährleistungzwei Jahre
FarbenBlau, Schwarz
Preis4995 Euro

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