21 Bilder
PS testet die neue Yamaha MT-07 bei der Fahrpräsentation auf Lanzarote.

Yamaha MT-07 im PS-Fahrbericht Die haut den PS-Tester vom Hocker

Yamahas MT-Familie hat es in sich – optisch wie technisch. Der jüngste Spross, die Yamaha MT-07, lief auf Lanzarote vom Stapel. PS hackte nach Kräften auf dem Neuankömmling rum und kam dennoch begeistert nach Hause.

NDW-Ikone Hubert Kah be­zirzte 1984 die Nation mit seinem Song „Rufe Engel 07“ und landete damit einen ­fetten Hit. Er sang von verborgenen Kraftfeldern, einer vierten Dimension und schmachtete einer langhaarigen Unbekannten hinterher, mit der er ­direkt in den Himmel hineintanzte – und die ihn noch in der selben Nacht des heißen Tanzes für immer verließ.

Yamaha schickt einen Engel 07 auf die Erde, um einen Hit für die Ewigkeit zu landen. Der tatsächlich wert ist, ­länger als eine Nacht betanzt zu werden. Schon erstaunlich, was für ein granatenmäßiges Spaßbike Yamaha mit der MT-07 auf die Gemeinde loslässt. Denn obwohl das Grundkonzept der Neuen auf Einsteiger, Wiedereinsteiger und nutzwertig orientierte Motorradfahrer zielt, brachten sie mit der Yamaha MT-07 keine Schlaftablette, sondern ein vibrierend lebendiges und ansteckend aufregendes Naked Bike auf die Straße.

Anzeige

Yamaha MT-07 sorgt für hämmernden Puls

Die Yamaha MT-07 haut mit ihrem quirligen Charakter selbst abgebrühte, leistungsverwöhnte PS-Tester vom Hocker. Nicht nur optisch gefällt der jüngste Spross der MT-Familie, vor allem fahrdynamisch sorgt er für flammende Herzen und hämmernden Puls. Ihr ist der Spaß am beherzten Rumblödeln, am gemüt­lichen Easy-going oder auch am verträumten Rumgurken in solch einer Dosis in die Wiege gelegt worden, dass sie schlicht und einfach als ansteckend bezeichnet werden muss. Wer auf ihr die Welt unter die Räder nimmt und ­dabei schlechte Laune hat, dem gehört schlichtweg die Lizenz entzogen.

Glück im Sattel eines Motorrads hat nur bedingt mit Leistung zu tun. Soll es sportlich vorangehen, ist lediglich wichtig, dass mindestens 70 PS und maximal 200 Kilogramm aufeinandertreffen. Bei der Yamaha MT-07 darf der neu konstruierte, 689 Kubik große und 75 PS starke Twin mit knappen 180 Kilo spielen, treffen 68 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 6500 Touren auf einen niedrigen Schwerpunkt und eine leicht hecklastige Gewichtsverteilung.

Anzeige

Druck in allen Drehzahlbereichen

Das Ergebnis dieser Formel: im normalen Fahrbetrieb ein herrlich kraftvoller ­Antritt ab 2500 Touren, herzhafte Drehfreude bis zum Begrenzer bei 10.000/min. Im PS-Spaßmodus reichen bis Gangstufe Nummer vier über 3000 Umdrehungen, ein leichter Zug am Lenker und etwas Kupplungseinsatz, und schon zirkelt die Yamaha MT-07 einrädrig die Landstraße entlang. Dass unter 2500/min die Gas­annahme ruppig ist, sei dem Twin ­verziehen, schließlich überzeugt er ­darüber mit einer direkten Umsetzung der Gasbefehle und einem nahezu vibra­tionsfreien Lauf. In dieses kultivierte Bild des Antriebs passt auch das Getriebe, dessen Abstufung gut gelang und das sich trotz etwas längerer Schaltwege sauber bedienen lässt. ­

Alles bene also? Ja, denn die Yamaha MT-Strategie (MT steht für „Master of Torque“) geht voll auf. Seit der ersten Suzuki SV 650 war kein kleiner Twin-Motor so spaßig, so druckvoll und so beherrschbar zugleich. Easy-going, ­also Blümchen pflücken – kein Problem. Ruckeliger Stadtverkehr – aber gerne. Wilde Wheelies bei feister Landstraßenheizerei – nur zu! Und alles ­immer schon im mittleren Drehzahl­bereich ohne lärmende Drehzahlorgien. Dass dabei nicht allzu viel Kraftstoff verplempert wird, erfreut noch dazu. Die Verbrauchsanzeige im Cockpit zeigt selten über sieben Liter/100 km an. Selbst wenn es mal Vollgas bergauf geht, wird es nur für wenige Sekunden zweistellig vor dem Komma. Doch das tolle Triebwerk ist nur einer der wesentlichen Faktoren, der die Yamaha MT-07 so spaßig macht. Ein weiterer ist die konsequente Konstruktionsphilosophie, das Motorrad so einfach und so leicht wie möglich zu gestalten.

Im Verhältnis zum Preis sehr wertiger Eindruck

So wird das Federbein direkt am Motor abgestützt, wodurch der Rahmen leichter ausfällt. Da dieser auch optisch kaum wahrnehmbar ist, kann er günstig produziert werden, ohne die Optik des Gesamtfahrzeugs zu beeinträchtigen. Überhaupt macht die Yamaha MT-07 auch bei genauerem Hinsehen einen im Verhältnis zum Preis sehr wertigen Eindruck. Schöne Blenden, da wo sie sein müssen, glatte Oberflächen, da wo sie sein sollen. Die leckere Stahlschwinge und die hoch­wertige Erstbereifung vermitteln nicht den Eindruck, dass die MT-07 unter enormem Kostendruck konstruiert wurde.

Einzig an den Federelementen kommt ein Hauch „Sparbike-Feeling“ auf. Wie bei allen günstigen Motor­rädern wird auch an der Yamaha MT-07 mittels ­weicher Federn und zurückhaltender Dämpfung ein komfortables Fahrverhalten erreicht. Was auf guten Straßen­oberflächen und im Solobetrieb auch noch hinreichend funktioniert. Doch bereits forcierte Fahrweise oder knackigere Bremsmanöver zwingen die Gabel auf Block, schnell überfahrene Wellen lassen das Heck nachschwingen. Wer mit dem Engel 07 also dauerhaft sportlich brennen will oder längere Trips zu zweit im Fokus hat, der ­sollte nach strafferen Nachrüstfedern ­Ausschau halten. Und auch gleich noch ­etwas bissigere Bremsbeläge ­ordern. Denn die zahnlosen, müde zupackenden Frontstopper sind nicht toll.

Alle anderen dürfen sich einfach auf dem Sitzpolster niederlassen, die entspannte, aber nicht zu indirekte Sitz­position genießen und den Hahn spannen. Und eines ist gewiss: Früher oder später wird einem der Schelm im ­Nacken sitzen und zum ersten Wheelie animieren – versprochen!

PS-Urteil

Was Yamaha da für 5495 Euro ohne ABS und 5995 Euro mit für den Käufer bereithält, ist schlicht und ergreifend eine Wucht! Zum Preis eines High-End-Mountainbikes oder eines ordentlichen Rennrads bekommt man mit der Yamaha MT-07 eine ausgewogene Spaßmaschine par excellence. Im Lammfell des harmlosen Einsteiger-Ofens schlummert ein wahrer Adrenalin-Wolf, der Potenzial zum Bestseller hat. Da kann sich die Konkurrenz, namentlich die Honda NC 750-Modelle, die ­Suzuki Gladius, aber auch eine BMW F 800 R eine riesengroße Scheibe abschneiden.

Technische Daten

Yamaha MT-07

Antrieb
Zweizylinder-Reihenmotor, vier Ventile/Zylinder, 55 kW (75 PS) bei 9000/min*, 68 Nm bei 6500/min*, 689 cm³, Bohrung/Hub: 80,0/68,6 mm, Verdichtung: 11,5:1, Zünd-/Einspritzanlage, 38-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsgang-­getriebe, Kette.

Fahrwerk
Stahlrohr-Rückgratrahmen, Lenkkopfwinkel: 66,0 Grad, Nachlauf: 90 mm, ­Radstand: 1400 mm, Ø Gabel­innenrohr: 41 mm, Federweg v./h.: 137/130 mm

Räder und Bremsen
Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17/5.50 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, 282-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 245-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten, ABS

Gewicht
(vollgetankt mit/ohne ABS) 182/179 kg*, Tankinhalt: 14,0 Liter Super

Grundpreis
5495/5995 Euro (ohne/mit ABS zzgl. NK)*

* Herstellerangabe

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote