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Yamaha MT-07 im Top-Test Ganz große Klasse

Sie haben ihr alles mit auf den Weg gegeben: Power, Handlichkeit, Ausstattung, Design. Nicht zu vergessen den günstigen Preis. Alles super. Aber wie schlägt sich die Yamaha MT-07 im Alltag und Top-Test-Parcours?

Beginnen wir diese Story einfach mal in Ihrer Garage. Sie waren beim Yamaha-Händler, haben vergleichsweise günstige 5495 Euro auf den Tresen geblättert und dafür ein nagelneues Motorrad mit heimgenommen: die neue Yamaha MT-07. Allerdings ohne ABS. Mit dem Antiblockiersystem kostet die MT-07 ganze 500 Euro mehr. Nun steht sie da, umringt von neugierigen Nachbarn und Freunden, die eigentlich unisono vom Look begeistert sind. Kein Wunder. Denn die MT-07 ist zwar günstig, sieht aber keinesfalls billig aus.

Die Auspuffanlage der Yamaha MT-07 ist beispielsweise komplett aus rostfreiem Edelstahl gefertigt. Es finden sich ein LED-Rücklicht sowie ein Multireflektor-Scheinwerfer. Die vorderen Bremszangen kommen im Look der Superbikes daher, die Felgen sind mit denen der etwas teureren MT-09 identisch, und der Lack macht ebenfalls einen wertigen Eindruck. An allen Ecken findet man kleine Design-Häppchen. Wie beispielsweise Bremsscheiben im Wave-Design oder verzierte Achsaufnahmen. Das Heck ist kurz und stylish, der Scheinwerfer ebenfalls, und die Beschichtung des Motors wirkt bei Weitem nicht so, als hätte der Rotstift sie bestimmt.

Richtig wertig sieht die kräftige, asymmetrisch geformte Schwinge aus, die letztlich zwar nur aus verschweißten Stahlblechteilen besteht, aber optisch was hermacht. Das Display des Cockpits zeigt alles an, was den leicht verwöhnten Europäer glücklich macht: zwei Daytrips, Gesamt­kilometer, Gang, Benzinstand mit Rest-Trip-Zähler, Motordrehzahl, Uhrzeit, Kühlwasser- und Außentemperatur. Sogar an die Mechaniker haben sie gedacht und den Ölfilter zugangsfreundlich angebracht. Nein, auf den ersten Blick gibt es wirklich nichts, was man der Yamaha MT-07 vorwerfen kann.

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Für Anfänger und Fort­geschrittene, für Kleine und Große

Und auf den zweiten? Hierzu bedarf es einer ausgedehnten Probefahrt. Rein in den Sattel. Der Lenker liegt gut in der Hand, der Sitz ist mit 810 Millimetern nicht be­sonders hoch, und in Verbindung mit der schmalen Taille erreichen sogar Kurzbeinige sicher den Boden. Man hockt kommod auf der neuen Yamaha. Eine 1,60 Meter große Fahrerin wird ebenso zufrieden sein wie der 1,95 Meter große Pilot. Und hier merkt man bereits die Auslegung der Yamaha MT-07: Extreme sind nicht gefragt. Die Maschine will eine möglichst große Schnittmenge glücklich machen. Als Zielgruppe nennt Yamaha Fahranfänger und Fort­geschrittene zwischen 25 und 35 Jahren. Will man das Tankvolumen von 14 Litern auskosten, ist Geduld gefragt. Um das Benzinfass bis zum Rand zu füllen, dauert es mitunter zwei, drei Minuten länger, denn der letzte Liter lässt sich Zeit.

Zeit lassen ist ohnehin ein gutes Stichwort. Es gibt Motoren, die lassen dir keine Zeit. Wollen stets gedreht werden, hängen ruppig am Gas, nerven mit Vibrationen und fordern deine ganze Aufmerksamkeit. Der Antrieb der Yamaha MT-07 ist das genaue Gegenteil. Und das macht ihn in jeglicher Hinsicht äußerst sympathisch. Beginnen wir mit seiner Grundkonzeption: ein Twin mit 270 Grad Hubzapfenversatz. Hier flitzen beide Kolben nicht parallel auf und ab, sondern leicht versetzt. Dabei entstehende Vibrationen lassen sich mit Hilfe einer Ausgleichswelle reduzieren, in puncto Höchstleistung ergibt diese Konstruktion mit ihrem unregelmäßigen Zündversatz allerdings keine besonderen Vorteile. Doch sie bestimmt den Charakter des Motors. Der Twin klingt wie ein 90-Grad-V2. Und er fühlt sich auch anders an als ein Gleich- oder Gegenläufer. Kerniger, freier, agiler. So viel zur Theorie.

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Knapp 60 Nm schon bei 2000/min

In der Praxis ist dieser kleine 689 Kubik große Antrieb ein steter Quell der Freude. Als Erstes beglückt er die MOTORRAD-Techniker: Der Prüfstand attestiert ihm 76 PS bei 8900/min und ein maximales Drehmoment von 70 Nm bei 6400/min. Diese Höchstwerte allein besagen noch nichts. Doch im direkten Vergleich mit den Leistungsoutputs der aktuellen Konkurrenz sehen Bikes wie die Kawasaki ER-6n oder die Suzuki Gladius in jeglicher Beziehung alt aus: Der Antrieb der Yamaha MT-07 produziert bereits bei 2000/min knapp 60 Nm und damit zehn Nm mehr als die Wettbewerber. Er behält diesen Vorsprung bis 6000 Touren bei.

In puncto Leistung sieht es ähnlich aus: Zwischen 2000 und 7000/min pumpt der MT-Antrieb immer zwischen drei und sechs PS mehr ans Hinterrad, während sich die drei Antriebe im letzten Drehzahldrittel fast nichts schenken. Das macht sich natürlich auch in den Fahrleistungen bemerkbar: In allen Bereichen, Beschleunigung sowie Durchzug, hat der Yamaha-Motor die Nase vorn. Um Zahlen zu nennen: Von 0 auf 100 km/h braucht die Yamaha MT-07 beispielsweise nur 3,8 Sekunden, von 0 auf 150 km/h lediglich 7,9 Sekunden und nimmt der Konkurrenz damit einige Zehntel ab. Ähnliches gilt auch für den Durchzug.

Twin dreht bei Bedarf furios bis in höhere Drehzahlen

Wichtiger als all diese Zahlenspiele ist jedoch die Alltagstauglichkeit des Antriebs. Auch hier lässt er die Fahrer grinsen. Und zwar alle. Egal, ob Führerschein-Neuling oder erfahrener Hase. Bereits bei 2000/min fühlt sich der Twin kräftig an, spätestens bei 4000/min kann der Fahrer in den nächsthöheren Gang schalten. Der Motor der Yamaha MT-07 ist so kräftig, dass man 90 Prozent der Zeit mit ihm zwischen 3000 und 6000/min verbringt, obwohl er ja bis knapp 10 500/min drehen könnte. Er lässt sich schaltfaul fahren, hängt wunderbar sanft am Gas, reagiert perfekt auf Gasbefehle und dreht bei Bedarf auch furios bis in höhere Drehzahlen. Wäre dieser Twin ein Mensch, so würde man sagen: Er ist stets relaxt, wirkt niemals gestresst und ist äußerst belastbar und leistungsstark. Der ideale Partner also?

Foto: jkuenstle.de
Gut zu sehen: Die komplette Auspuffanlage ist aus Edelstahl, die Krümmer sind geschwungen.
Gut zu sehen: Die komplette Auspuffanlage ist aus Edelstahl, die Krümmer sind geschwungen.

Nun, es gibt da schon ein paar Ecken und Kanten. Bei konstanten Drehzahlen, auf Autobahnetappen etwa, spürt man in Drehzahlen um 5500/min ein etwas stärkeres Kribbeln. Das entspricht 120 km/h im sechsten Gang. Was hilft? Schneller fahren oder runterschalten, klar. Und da sind wir beim zweiten Minuspunkt, denn Lobeshymnen kann man über das Getriebe der Yamaha MT-07 keine singen. Bei der Testmaschine schalteten sich die Gänge zwar sauber, doch ein wenig hakig. Aber vielleicht gibt sich dieser Effekt mit zunehmenden Kilometern. Auch könnten die Lastwechselreaktionen etwas geringer ausfallen.

Aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Die besonders gute Nachricht: Der Spaß kostet nicht einmal viel. Wer mit der MT lässig durch die Gegend cruist, verbraucht nur 3,5 Liter auf 100 km. Wer es also gemächlich angehen lässt, den trägt die Yamaha MT-07 mit einer Tankfüllung 400 Kilometer weit. Auf Autobahnetappen mit 130 km/h Durchschnitt gönnt sich der Motor da­gegen 4,7 Liter auf 100 km. Nur richtige Vollgas-Junkies, die die MT-07 ständig am Drehzahl- und Griplimit über die Straße jagen, müssen tiefer in die Tasche greifen: Bei verschärfter Fahrt schluckt die MT-07 etwas über sechs Liter auf 100 km.

Allerdings müssen Vollgas-Junkies sowieso tiefer in die Tasche greifen, um den superben Twin der Yamaha MT-07 vollends auszukosten: Denn der Motor kann viel mehr als das Fahrwerk. Und das ist die schlechte Nachricht: Wer Grenzbereiche ausloten und ständig auf der letzten Rille unterwegs sein möchte, kommt um eine Investition von zirka 800 Euro nicht herum – Freaks sollten der MT-07 ein strafferes Federbein und stärkere Gabelfedern gönnen. Jetzt die gute Nachricht: Es geht aber auch so. Tendenziell federt die MT-07 sehr kommod, was vor allem Anfängern entgegenkommen wird.

Yamaha MT-07 liefert gutes Feedback

Denn die Fahrwerksauslegung vermittelt Neulingen ein besseres Gefühl dafür, was beide Räder gerade machen, als ein bocksteifes Sportfahrwerk. Dieses gute Feedback liefern die Federelemente in Verbindung mit dem Rahmen, der aus Stahlrohren mit unterschiedlich dicken Wandstärken besteht und eine geschickte Verteilung von Steifigkeit und Elastizität bietet. Auch das geringe Gewicht von nur 181 kg für die ABS-lose Variante trägt sein Teil zum Vertrauen in die Yamaha MT-07 bei.

Genauso wie das neutrale, stets gutmütige Lenkverhalten und das fast fahrrädrige, leichtfüßige Handling der Yamaha MT-07. Nichts wirkt hinterhältig, alles bleibt berechenbar sowie stets neutral und verlässlich. So wie ein guter Freund. Auch der breite, in dieser Klasse unüb­liche 180er-Hinterreifen wirkt gar nicht störend. Klar, eine geringe Aufstellneigung beim Überfahren von Längswellen ist zu verzeichnen, auf der anderen Seite offeriert er aber auch etwas mehr Grip als die 160er der Konkurrenz. Yamaha selbst begründet die Wahl eines 180er-Reifens mit Ergeb­nissen aus der Kundenbefragung. Es sei optisch attraktiver und würde darüber hinaus der Handlichkeit nicht sehr schaden.

Liste der Minuspunkte fällt klein aus

Trotzdem fehlt es dem Federbein, das per Hakenschlüssel in der Federbasis verändert werden kann, an Druck- wie Zugstufendämpfung. Beim Überfahren von schlechten Wegen oder Bodenwellen pumpt das Heck nervös, und beim schnellen Ritt über welligem Belag beginnt die Yamaha MT-07 in der Kurve zu gautschen, die Kurvenstabilität leidet. Doch so weich und unterdämpft sich das Federbein auch gibt, im Sozius­betrieb schlägt es überraschenderweise nur im Extremfall durch. Und da wir schon beim Extremfall sind: 9,8 m/s² Verzögerung lassen sich bei Bedarf mit den Bremsen erzielen. Ein Topwert.

Dabei kann der Hinterradbremse der Yamaha MT-07 gute Arbeit bescheinigt werden. Die vordere Doppelscheibenanlage lässt sich fein dosieren, wobei Könner sie als etwas stumpf bezeichnen würden, Anfänger aber mit dieser Art zahmer Schärfe durchaus gut bedient sind. Der maximale Verzögerungswert im Test wurde wie erwähnt mit einer Anlage ohne ABS erzielt. Mit einer von 85 Maschinen, die Yamaha Deutschland vorab erhielt. Das Hauptkontingent, jene 1500 Exemplare, mit dem die Händler ab Mitte April beliefert werden, ist ausnahmslos mit ABS bestückt. Eine 48-PS-Variante ist gegen rund 180 Euro Aufpreis (Drosselsatz, Einbau, TÜV) ebenfalls erhältlich. Und damit kommen wir zurück zum Ausgangspunkt dieser Story.

Video: Präsentation der Yamaha MT-07 auf der EICMA 2013.

Gutes Motorrad für kleines Geld

Nach ein paar Wochen und ausgiebigen Touren mit der Yamaha MT-07 werden Ihre Nachbarn vielleicht wieder einmal in Ihrer Garage stehen und Sie nach den Erfahrungen fragen. Wahrscheinlich werden Sie begeistert sein. Und Sie wissen: Wenn die Reserveleuchte zu blinken beginnt, sind noch 60 km drin. Darüber hinaus haben Sie die montierten Pilot Road 3 schätzen gelernt, die nicht nur gutes Feedback liefern, sondern auch gute Dienste bei Schräglage und Nässe. Sie werden sich fragen, wie es jetzt plötzlich möglich ist, ein so gutes Motorrad für vergleichsweise kleines Geld zu produzieren.

Und die Liste der Minuspunkte wird klein und verzeihlich ausfallen: etwa, dass Ihr Sozius gemeckert hat, da sein Platz nur den Komfort eines mit Leder bespannten Stahlträgers bietet. Sie nachts von dem hellen Display geblendet werden, was vor allem bei Regen irritiert. Und Sie bei diesem Regen hinten fast feuchter werden als vorn, da die Wirkung des Hinterrad-Spritzschutzes nahezu null ist. Vielleicht auch, dass die Tasten des Displays mit Handschuhen schlecht bedienbar sind und zu hohen Druck fordern. Doch schlussendlich werden Sie den Tank Ihrer Yamaha MT-07 tätscheln und einen Satz aus dem Yamaha-Text zitieren: „Die Zukunft gehört Motorrädern, die schon auf den ersten Blick begeistern und unterwegs alle Erwartungen übertreffen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Foto: jkuenstle.de

Yamahas flinker Twin

Die Entwicklungsziele des MT-07-Motors waren klar: geringer Verbrauch, kompakte Abmessungen, viel Drehmoment. Crossplane-Philosophie – ein Begriff, den Yamaha seit dem Erscheinen der M1-MotoGP-Maschine, bei der sich die Kurbelwelle rückwärts dreht, immer wieder benutzt. Die Crossplane-Philosophie wird in der YZF-R1 mit ihrem Hubzapfenversatz von 90 Grad, der dreizylindrigen MT-09, bei der die Hubzapfen der Kurbelwelle um 120 Grad versetzt sind, und dem MT-07-Twin angewandt. Es geht in erster Linie darum, ein möglichst sauberes, von Massenträgheitsmomenten ungestörtes Drehmoment zu produzieren. Im Fall der Yamaha MT-07 hat man sich für einen Twin entschieden, bei dem die Hubzapfen um 270 Grad versetzt sind. Das ergibt eine unregelmäßige Zündfolge und damit einen Klang, der an einen V2-Motor erinnert.

Der neue Antrieb geriet äußerst kompakt und hat – um in der Yamaha-Familie zu bleiben – gegenüber dem vierzylindrigen XJ6-­Antrieb 18 Prozent weniger bewegte Teile. Weniger Teile bedeuten weniger Gewicht und auch weniger Reibung, ergo weniger Leistungsverlust. Denn 270 Grad Hubzapfenversatz allein sind nicht für das benutzerfreundliche Drehmoment verantwortlich, sie geben dem Motor der Yamaha MT-07 nur seinen Charakter. Neben Dingen wie drehmomentfördernden Ansaugwegen, Steuerzeiten und Motormanagement hat Yamaha bei der aktuellen Motorengeneration den Fokus stark auf die Reduzierung der inneren Reibung gelegt. Viele Bauteile, wie beispielsweise die Kupplung, gerieten äußerst kompakt und leicht. Und wie bei modernen Motoren setzt man hier ebenfalls auf Zylinder-Offset. Was im Fall des MT-Twins bedeutet, dass die Kurbelwelle nicht zentral unter den Zylindern rotiert, sondern sieben Millimeter weiter vorn. Dieser konstruktive Trick soll die Reibung zwischen Kolben und Zylinderwand reduzieren.

Technische Daten

Yamaha MT-07

Motor: Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 38 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 410 W, Batterie 12 V/ 9 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 2,688.

Bohrung x Hub: 80,0 x 68,6 mm

Hubraum: 690 cm³

Verdichtungsverhältnis: 11,5:1

Nennleistung: 55,0 kW (75 PS) bei 9000/min

Max. Drehmoment: 68 Nm bei 6500/min

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit
Hebelsystem, verstellbare Feder­basis, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 282 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 245 mm, Einkolben-Schwimmsattel.

Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.50 x 17

Reifen: 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Bereifung im Test: Michelin Pilot Road 3, hinten „A“

Maße + Gewichte: Radstand 1400 mm, Lenkkopfwinkel 65,5 Grad, Nachlauf 90 mm, Federweg v/h 130/130 mm, zulässiges Gesamtgewicht 355 kg, Tankinhalt 14,0 Liter.

Service-Daten:

Service-Intervalle: 10.000 km

Öl- und Filterwechsel: alle 10.000 km, 2,6 Liter

Motoröl: SAE 10W40

Telegabelöl: 10W

Zündkerzen: NGK LMAR8A-9

Leerlaufdrehzahl: 1200 ± 100/min

Reifenluftdruck: solo (mit Sozius)

vorn/hinten: 2,3/2,5 (2,3/2,5) bar

Garantie: zwei Jahre

Farben: Blau, Grau, Schwarz, Violett, Weiß

Preis/Nebenkosten: 5495/180 Euro

Foto: jkuenstle.de
Der Drehmoment-Rücken ist beeindruckend für ein Fahrzeug dieser Hubraumkategorie. Zwischen 3000 und 9000/min produziert der Twin nie weniger als 60 Nm - das ist äußerst benutzer- und alltagsfreundlich.
Der Drehmoment-Rücken ist beeindruckend für ein Fahrzeug dieser Hubraumkategorie. Zwischen 3000 und 9000/min produziert der Twin nie weniger als 60 Nm - das ist äußerst benutzer- und alltagsfreundlich.

MOTORRAD-Messungen

Fahrleistungen:

Höchstgeschwindigkeit*: 207 km/h

Beschleunigung
0–100 km/h: 3,8 sek
0–140 km/h: 6,9 sek
0–200 km/h: 24,7 sek

Durchzug
60–100 km/h: 4,0 sek
100–140 km/h: 4,7 sek
140–180 km/h: 6,4 sek

Tachometerabweichung
Effektiv (Anzeige 50/100): 47/95 km/h

Drehzahlmesserabweichung
Anzeige roter Bereich: 10.500/min
Effektiv: 10.400/min

Verbrauch:

Landstraße: 3,5 l/100 km
Bei 130 km/h: 4,7 l/100 km
Theor. Reichweite Landstraße: 400 km
Kraftstoffart: Super

Maße + Gewichte:

L/B/H: 2120/860/1210 mm
Sitzhöhe: 810 mm
Lenkerhöhe: 1050 mm
Wendekreis: 5010 mm
Gewicht vollgetankt: 181 kg
Zuladung: 174 kg
Radlastverteilung v/h: 49,0/51,0 %

Foto: jkuenstle.de
Die Getriebeabstufung ist geglückt, im Sechsten erreicht die Maschine ihren Topspeed bei Höchstleistung.
Die Getriebeabstufung ist geglückt, im Sechsten erreicht die Maschine ihren Topspeed bei Höchstleistung.

Fahrdynamik

Handling-Parcours I (schneller Slalom)
Rundenzeit: 20,9 sek
Referenz KTM 690 Duke: 19,0 sek
Vmax am Messpunkt: 103,7 km/h
Referenz KTM 690 Duke: 110,0 sek

Durch das weiche Fahrwerk setzt die Yamaha MT-07 beim Schwingen um die Pylonen mit den Fußrasten auf. Das Heck arbeitet stark. Am Umkehrpunkt kippt sie in die Kurve und muss mit der hinteren Bremse auf Linie
gehalten werden. Topgeschwindigkeit.

Handling-Parcours II (langsamer Slalom)
Rundenzeit: 29,9 sek
Referenz Triumph Street Triple: 27,3 sek
Vmax am Messpunkt: 52,7 km/h
Referenz Triumph Street Triple: 59,0 km/h

Sehr präzise umrundet die Yamaha MT-07 die weit geschwungenen Bögen. Allein die auf­setzenden Fußrasten begrenzen Zeit und
Geschwindigkeit.

Kreisbahn (Ø 46 Meter)
Rundenzeit: 11,3 sek
Referenz Triumph Street Triple: 10,2 sek
Vmax am Messpunkt: 47,2 km/h
Referenz Triumph Street Triple: 56,4 km/h

Beim Überfahren der Bodenwelle kommt ordentlich Bewegung ins Fahrwerk. Es muss Geschwindigkeit reduziert werden. Auch hier begrenzen aufsetzende Teile den Speed.

Motor und Getriebe:

Yamaha hat den Mund nicht zu voll genommen: Der Drehmoment-Rücken ist beeindruckend für ein Fahrzeug dieser Hubraumkategorie. Zwischen 3000 und 9000/min produziert der Twin nie weniger als 60 Nm – das ist äußert benutzer- und alltagsfreundlich. Höher als 9000/min braucht man den Twin nicht drehen, denn da kommt nicht mehr viel. Auch die Getriebeabstufung ist geglückt, im Sechsten erreicht die Maschine ihren Topspeed bei Höchstleistung.

Bremsen:

Ebenfalls gut abgestimmt: Auch bei radikalen Bremsmanövern mehrmals hintereinander bleibt die Doppelscheibe frei von Fading. Sie wirkt zwar auf den ersten Blick etwas stumpf, die Verzögerung ist jedoch  gut. Allerdings ist diese Konstruktion keine „Zweifinger-Bremse“. Um effektiv zu bremsen, muss man schon mit drei oder vier Fingern ziehen, trotzdem bietet sie gutes Feedback.

Bremsmessung aus 100 km/h
Bremsweg: 39,4 m (Restgeschwindigkeit 14,3 km/h)
Referenz Husqvarna Nuda 900: 38,6 sek

MOTORRAD-Punktewertung

Maximale PunktzahlYamaha MT-07
Motor
Durchzug4027
Beschleunigung4019
Topspeed3014
Motorcharakteristik3026
Ansprechverhalten2015
Lastwechsel2013
Laufruhe2014
Kupplung109
Schaltung2012
Getriebeabstufung109
Starten109
Summe250167

Yamahas kleiner Twin ist letztlich ein ganz Großer. Seine gute Drehmomentausbeute beschert ihm in Verbindung mit dem geringen Maschinengewicht gute Durchzugswerte. Er nimmt das Gas sehr gut an, läuft sehr ausgeglichen und produziert nur um 5500/min leicht nervige Vibrationen. Kuppeln erfordert nur geringe Bedienkräfte, und das Kaltlaufverhalten ist tadellos. Lediglich die Schaltung könnte präziser sein. Die Gänge haken leicht und flutschen nicht so lässig, wie man das von einigen Konkurrenzmodellen her kennt.

FahrwerkMaximale PunktzahlYamaha MT-07
Handlichkeit4032
Stabilität in Kurven4022
Lenkverhalten4029
Rückmeldung107
Schräglage2016
Geradeauslaufstabilität2014
Fahrwerksabstimmung vorn2012
Fahrwerksabstimmung hinten2010
Einstellmöglichkeiten Fahrwerk101
Federungskomfort108
Fahrverhalten im Sozius2011
Summe250162

Sehr Anfängerfreundlich: keine Allüren, keine Hinterhältigkeiten. Einfach nur fahren, ohne sich auf Eigenheiten konzentrieren zu müssen – die Yamaha MT-07 lenkt sich lässig, präzise und läuft gut geradeaus. Der Federungskomfort ist außergewöhnlich gut, nur geht diese recht kommode Abstimmung zulasten der Fahrstabilität. Vor allem auf Schlechtwegstrecken kommt viel Bewegung in die MT, was einem schnell mal die angepeilte Linie verhageln kann. Leider kann man weder die Gabel noch das Federbein in Zug- oder Druckstufe verstellen. Ein Tribut, der dem Preis gezollt werden muss.



AlltagMaximale PunktzahlYamaha MT-07
Ergonomie Fahrer4030
Ergonomie Sozius204
Windschutz200
Sicht2013
Licht2013
Ausstattung3017
Handhabung/Wartung3019
Gepäckunterbringung101
Zuladung103
Reichweite3025
Verarbeitung2015
Summe250140

Treuer Gefährte mit Einschränkungen: Wer mit der Yamaha MT-07 auf Reisen gehen möchte, sollte sich um ein Gepäcksystem kümmern. Werksseitig ist die Gepäck­unterbringung eher mau. Aber auch die Zuladung ist mit 174 kg nicht gerade besonders hoch. Der Sozius sitzt nicht gerade bequem, ansonsten gibt es im Alltag nicht viel zu meckern. Das Licht ist völlig ausreichend, die Infos des Digitalcockpits ebenfalls, und die Reichweite von 400 km ist äußerst großzügig. Die Verarbeitung liegt für ein günstiges Fahrzeug wie die MT auf überraschend hohem Niveau.

SicherheitMaximale PunktzahlYamaha MT-07
Bremswirkung4031
Bremsdosierung3024
Bremsen mit Sozius/Fading2014
Aufstellmoment beim Bremsen108
ABS-Funktion200
Lenkerschlagen2014
Bodenfreiheit107
Summe15098

Sehr gute Bremsen, aber keine Zweifinger-Bedienung. Wer perfekt verzögern will, muss etwas Kraft aufwenden, was Fahranfängern grundsätzlich zugute kommt, denn die Yamaha MT-07 lässt sich dadurch nicht so schnell überbremsen. Die Bremsleistung der verbauten Anlage ist grundsätzlich gut, Modelle mit ABS stehen bereits beim Händler, wenn dieser Test erscheint.

KostenMaximale PunktzahlYamaha MT-07
Garantie3015
Verbrauch (Landstraße)3027
Inspektionskosten2015
Unterhaltskosten2015
Summe10072

 

Abgeräumt: Geringe Unterhaltskosten, lange Service­Intervalle (alle 10 000 km) und der geringe Verbrauch von nur 3,7 Litern auf 100 km bescheren der Yamaha MT-07 ordentlich Punkte.

 

Gesamtwertung1000    639
Preis-Leistungs-Note1,01,0

 

Besser geht’s (fast) nicht: Die Yamaha MT-07 kommt rechnerisch auf eine Preis-Leistungs-Note von 0,62, die auf die Bestnote, eine glatte 1,0, aufgerundet wird.

Fazit

Mehr Motorrad und Spaß für ein derart geringes Budget bietet derzeit kein anderer Hersteller. Der Motor der Yamaha MT-07 ist ganz große Klasse und begeistert nicht nur Fahranfänger, sondern auch alte Hasen. Selten war ein Motorrad zutraulicher und unkomplizierter. War der Umgang mit einem Zweirad derart relaxt und entspannend. Mit diesem großen Wurf legt Yamaha die Messlatte für die Leichtigkeit des Fahrens ein großes Stück nach oben. 

Konkurrenz

Foto: jkuenstle.de
Konkurrenz: Honda NC 700 S.
Konkurrenz: Honda NC 700 S.

Honda NC 700 S

Zweizylinder-Reihenmotor, 48 PS, Gewicht 215 kg, 0–100 km/h 5,5 sek, Vmax 160 km/h, Verbrauch 3,5 Liter, ABS, 5990 Euro.

Foto: jkuenstle.de
Konkurrenz: Kawasaki ER-6n.
Konkurrenz: Kawasaki ER-6n.

Kawasaki ER-6n

Zweizylinder-Reihenmotor, 72 PS, Gewicht 208 kg, 0–100 km/h 3,9 sek, Vmax 200 km/h, Verbrauch 4,7 Liter, ABS, 6675 Euro.

Foto: jkuenstle.de
Konkurrenz: Suzuki Gladius.
Konkurrenz: Suzuki Gladius.

Suzuki Gladius

Zweizylinder-V-Motor, 72 PS, Gewicht 206 kg, 0–100 km/h 3,9 sek, Vmax 200 km/h, Verbrauch 4,4 Liter, ABS, 7425 Euro.

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