Yamaha TRX 850-Tuning mit TÜV Volles Rohr

Zwei schlanke Schalldämpfer mit knackigem Sound und feine Mikuni-Flachschieber-Vergaser sollen dem Twin von Yamaha-Spezialist Theo Laaks Beine machen - und dem TÜV keine Sorgen.

Darf’s ein bißchen mehr sein? Kein Problem, Tuner und Edelschrauber bieten so ziemlich alles feil, was Power und Schub verspricht. Da werden, Hokuspokus, die PS gleich im Dutzend versprochen. Doch oft werden die hochtrabenden Versprechungen auf dem Prüfstand von der unbarmherzigen Realität widerlegt, oder die Motoren brüllen ihre Mehrleistung durch »Schalldämpfer«, die so offen sind, daß man mit etwas Geschick das Kerzenbild kontrollieren kann. Theo Laaks, Yamaha-Händler und Motoren-Spezialist im hessischen Gudensberg (Telefon 05603/9317-0), sucht für seinen TRX 850-Umbau deshalb den legalen Weg, um dem Fünfventil-Motor auf die Sprünge zu helfen.
Das Aufputschmittel für die Straßenversion wird nach althergebrachter Rezeptur gemixt. Anstatt der serienmäßigen Gleichdruckvergaser mit 38 Millimeter Querschnitt bereiten zwei Mikuni-TDMR Flachschieber-Vergaser mit üppigen 40 Millimeter Durchlaß ein zündfähiges Gemisch auf (Preis mit Arbeitslohn für Anbau, Luftfilter und Prüfstandsabtimmung: 2190 Mark). Damit dem Vollgas nichts im Wege steht, ebnen strömungsgünstige Lufttrichter den Weg zwischen Filterkasten und Vergaserbatterie. Ein luftdurchlässigeres K&N-Filterelement erleichtert dem Twin dabei die Atmung. Auch die Ansaugstutzen mußten sich der Feinbearbeitung beugen. Aufwendige Arbeiten am Zylinderkopf selbst wurden bei der Tuningsstufe eins dagegen ausgeklammert. »Der zeitliche und finanzielle Aufwand für die dafür notwendige Motordemontage ist vielen TRX-Fahrern dann doch eine Nummer zu groß«, kommentiert Theo Laaks die Zurückhaltung in Sachen Strömungsoptimierung.
Die wird dem Kraftstoff-/Luftgemisch erst nach getaner Arbeit wieder zu teil, wenn der Abgasstrom durch die riesigen, 40 Millimeter großen Krümmer mit einer eleganten Zwei-in-eins-in-zwei-Zusammenführung in Richtung MAB-Alu-Schalldämpfer (Preis für komplette Anlage: 1799 Mark) gelenkt wird. Die erfreuen das Ohr mit kernigem Auspuffschlag, der jedoch selbst von strengen »Laut ist out«-Vertretern kopfnickend akzeptiert wird. Nur die scharfkantigen Endrohre der tadellos gefertigten Dämpfer gehören mit einem gebördelten, rundlichen Abschluß im wahrsten Sinne des Wortes entschärft.
Gemessene 90 PS sind, im Verhältnis zum finanziellen Aufwand, zwar keine Sensation, doch die Drehfreudigkeit gepaart mit einer konstant hohen Endleistung machen den Unterschied zum eingeschnürten Serienmotor mehr als deutlich. Befürchtungen, die heiklen Rennvergaser könnten der TRX das Dahinzuckeln im Stadtverkehr erschweren, lösen sich bereits nach wenigen Metern in Wohlgefallen auf. Mit tadellosem Kaltstart, spontanem Antritt und butterweichen Lastwechselvorgängen überzeugt die TRX auch kritische Geister. Nur beim unbeherrschten Aufreißen der angenehm leichtgängigen, weil rollengelagerten Flachschieber unter 4000/min bleibt den Mikunis für einen Moment die Spuke weg. Und das trotz der mechanischen Beschleunigerpumpe, die beim Öffnen der Gasschieber zusätzlichen Kraftstoff in den Ansaugkanal injiziert. Aber so isser halt, der echte Rennvergaser. Ohne das notwendige Feingefühl und Gespür geht’s eben nicht ganz.
Die leichten Einbußen im mittleren Drehzahlbereich (siehe Leistungsdiagramm) rühren weniger vom reichlich dimensionierten Vergaserdurchmesser als vielmehr von den zu groß bemessenen Krümmerquerschnitten. Etwas schlankere Krümmerrohre könnten dem Durchzug nicht schaden, ohne dabei die angepeilte Endleistung in Frage zu stellen. Versuche in diese Richtung hat Theo Laaks bereits eingeleitet, die bei Erfolg umgehend in die Produktion der MAB-Auspuffanlage einfließen werden.
Beim freien Galopp mit der Tuning-TRX stellt sich dann auch das Aha-Erlebnis ein. Klemmt die Serienversion bereits bei 8000/min zäh und gummiartig ab, trommelt der aufgepeppte Motor alle Lebensgeister zusammen und schnalzt, laut Drehzahlmesser, munter bis über 9500/min. Genau der Kick also, der dem Serien-TRX-Motor abgeht.
Für zügig leichtes Fortkommen ist auch anderweitig gesorgt. Mit Sonderfreigabe auf Dunlop D 364-Sportreifen umbesohlt, schwenkt die TRX federleicht in Schräglage, bei der aufgrund der slickähnlichen Haftung Rasten, Seitenständer und Hebeleien flugs spanabhebend im Funkenregen verglühen. Zwischen MAB-Auspuffrohren und Asphalt bleibt bei solchen Aktionen immer noch eine Daumenbreite Platz, und auch die kleine Bug-Verkleidung (Preis unlackiert mit Halter: 379 Mark) übersteht das schräge Treiben ohne Lackschaden, was bei vielen Zubehörteilen keine Selbstverständlichkeit ist.
Und wem das bißchen Mehr nicht genügt, der kann sich’s bei Theo Laaks auch gleich richtig besorgen: Der 960er Motor mit längerem Hub ist schon in Arbeit und mit dem restlichen Tuning-Zubehör aus Gudensberg kann man problemlos einen ganzen Lottogewinn durchbringen.

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